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Jeschurun · 1887-02-17 · Heft 7 (17.2.1887) · p. 109

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 7 (17.2.1887)
Article
Österreich-Ungarn : aus Galizien [Nachricht]
Date
1887-02-17
Page
109 (sequence 1)
Language
German
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ש Aus Galizien, im Schebat. Auch die gewohnliche Unterhaltung mit einem wahrhaft Weisen ist lehrreich und verdient nicht nur von Demjenigen, der ihrer theilhaftig geworden, zum weitern Nachdenken bewahrt, sondern auch weiter mitgctheilt zu werden. Ich hatte kürzlich das Glück mit einem solchen über die religiösen Zustände unserer Gemeinde zu sprechen, und wir ge-- dachten hierbei auch der wenig erfreulichen Einmischung der Wiener Allianz in unsere inneren Verhältnisse. Die Leser dieser Zeitschrift wissen aus meiner vorigen Korrcspondenz, falls sie solche mit Aufmerksamkeit gelesen haben, wie ich über die Lage unseres Schulwesens denke. Ich legte meine Ansicht auch dem einsichtigen und goltcSfluchtigen Manne dar und erläuterte sie ausführlicher als solches in einem für eine Zeitung bestimmten Aufsatz geschehen konnte. Er stimmte mir bei und sprach noch folgende behcrzigenSwcrthe Worte. ״Alle Rathschlüge und LcbenSregcln unserer großen Lehrer sind lauter Wahrheit und Weisheit; wohl dem Menschen, der sich nach ihnen richtet. Leider beachtet man sie häufig zu wenig. So haben sic gesagt: wehre dich des Stachels und deö Honigs. Möchten wir doch dieses auch beherzigen, wenn uns jetzt von Männern deren gottcssürchtigc, acht jüdische Gesinnung zweifelhaft ist. Vorthcilc geboten werden in Bezug auf den Unterricht unserer Jugend. Du hast aber Recht mit deiner Mahnung, daß die bewährten und frommen Männer, welche die Führer der galizischen Gemeinden sind, diese Sache selbst regeln und nmgcstalten sollten. Wir dürfen nicht blind sein, wo wir sehen können. Die Erwerbung eines gewissen Maßes allgemeiner Kenntnisse ist dringend nothwcndig und ist sogar geradezu Pflicht, da cS jedem Vater obliegt, seinen Kindern den Weg zu einer gesicherten bürgerlichen Existenz zu ebnen. Es ist nirgends verboten, daß wir unsere Kinder nicht die Sprache des Landes znm richtigen Gebrauch nach den Regeln der Sprache lehren lassen dürfen und damit im Zusammenhange auch diejenigen Kenntnisse, welche zum Verkehr und Erwerb erforderlich sind. — Und ferner soll man auch nicht die weise Ermahnung der großen Lehrer vergessen, daß man den Zaun nicht höher machen darf, als erforderlich; er könnte sonst cinstürzcn und die An- Pflanzungen vernichten!" — So und noch manches Andere sprach dieser einsichtige Mann. Ich will diese seine Worte nicht bei mir verschließen. Auch von ihnen, glaube ich, kann man sagen: ״Denke darüber nach, so wirst Du weise handeln." Frankreich. *** Paris, 6. Februar. Die Dcpntirtenkammcr hat nach einer langen und erbitterten Diskussion das KnltuSbndgct genehmigt und so wenigstens auf ein Jahr das Prinzip der Trennung vvn Kirche und Staat verworfen. Dem israelitischen Kultus sind dieselben Summen bewilligt wie im vergangenen Jahre. Auch der Religionsunterricht der Nabbincu in den höheren Schulen wird weiter erthcitt werden, ebenso wie von den Geistlichen der anderen vom Staate snbvcntionirtcn Religionen. AuS den Elementarschulen ist dieselbe bekannrlich schon lange verbannt. — Nicht ohne großes Bedauern müssen wir konstatircn, daß die antiisraclitische Presse noch immer von Zeit zu Zeit sich mit lächerlichen Angriffen vernehmen läßt. So macht der ״Evoncment" die Inden für das Fallen der Börsenkurse der letzten Wochen verantwortlich. Abgesehen davon, daß Jedermann weiß, daß die Ungewißheit der politischen Konstellation die wahre Ursache der Schwankungen bildet, ist außerdem die Anzahl der Börsenmänuer mosaischer Konfession an allen europäischen Börsenplätzen in der Minderheit. Nichtsdestoweniger ist der Jrrthnm, die Börse zu jndifiziren, nicht neu und erinnert an die allerdings unverbürgte Anekdote, daß eine hohe Persönlichkcit in Berlin dem protestantischen Präses der Acltesten der Kaufmannschaft bei der Besichtigung der neuen Börse gesagt haben soll: ״Ihre Börse ist Prachtvoll, aber Ihre Synagoge ist nicht minder herrlich gebaut." — ״Die Jndenfragc unter dem ersten Kaiserreiche von Doktor Fanchille" ist ebenfalls nicht frei von gehässigen Bemerkungen gegen die Inden, doch rühmt er die guten Absichten und die Arbeiten deö von Napoleon l. cinbcrufencn Sanhcdrin. Rußland. ||| Petersburg. Der ״Hameliz" berichtet, daß die ״Inden-Kommission" beschlossen habe, sechs jüdische Vertrauensmänner zu berufen, um deren Ansicht über das jüdische Schulwesen zu vernehmen. * Lodz. Der ״Hazcfirah" wird von hier gemeldet, daß nach der NechnnngSablage deS vorigen JahrcS das hiesige jüdische Krankenhaus 380 Kranke (209 Männer und 171 Frauen) verpflegt hat, von welchen 322 als geheilt cnilassen wurden. In der Ambulanz wurden 14964 Ordinationen unentgeltlich nebst Medizin ohne Unterschied der Konfession gewährt. ||| 5?icw, Februar. Der unterm 12. April v. I. erlassenen Verordnung, daß die Familie eines sich seiner Milklärpflicht entzogenen Juden mit 300 Rubel gestraft werden soll, wird in den hiesigen Bezirken eine rückwirkende Geltungskraft beigclegt. * Aus CfifÜHnci! berichtet die ״SibirSkaja Gazeta "folgenden an Tisza-Eßlar erinnernden Vorfall. In dem Dorfe Molischewki, am Flusse Angara, hatte ein zwölfjä hrigeö Mädchen seinen Halsschmuck verloren. Die Mutter drohte ihm mit einer harten Züchtigung,-falls cS daS Verlorene nicht wieder zur Stelle schaffe. Darauf ging das Kind zu dem Flusse, um in dem dort aufgehänften

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