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Jeschurun · 1887-02-17 · Heft 7 (17.2.1887) · p. 105

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 7 (17.2.1887)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1887-02-17
Page
105 (sequence 1)
Language
German
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105 Jeschnru». M7. Korrespondenzen 1111b Nachrichten. Deutschland. -C- Berlin, 13. Sdu-uar. Der deutsche ״Antiscmiten-Bnnd" erläßt folgenden Aufruf: ״Seit acht Jahren kämpft der AntiscmitismnS gegen die Berjndung unseres Vaterlandes und hat unter unendlichen Mühen und Schwierigkeiten cs erreicht, daß großen Kreisen des deutschen Volkes die Augen geöffnet sind über die Gefahren, welche unseren heiligsten Gütern drohen. Die Hauptarbeit bleibt aber noch zu Ihn«. Es müssen Gesetze geschaffen werden, durch welche der Einfluß der unter uns lebenden stammfreulden Leute in Staat und Gesellschaft, , den sic sich ohne jegliches Verdienst und Würdigkeit zu erschleichen und erlisten verstanden haben, wieder auf dasjenige Maß zurückgeführt wird, welches ihnen zukommt. Sie sind keine Deutschen und haben cs ernstlich nie sein wollen; ihnen gebührt also kein deutsches Bürgerrecht, sondern nur Fremdenrecht. Um aber diese nothwcndige Schutz- Maßregel für die durch das Jndenthnm arg gcfährbeten Interessen unseres Volkes von den gesetzgebenden Faktoren laut und vernehmlich fordern zu können, müssen die Antisemiten ihren Führern den Weg in die Volksvertretung bahnen. Die Antisemiten müssen sich um ihre eigene Fahne sammeln und dürfen sich nicht ferner ohne Gegenleistung in den Dienst anderer Parteien stellen, denen der Antisemitismus nur Mittel zu Wahlzwecken ist. Die Auflösung des Reichstages bedingt rasches Handeln in diesem Sinne. Wir wenden uns daher an die Gesinnungsgenossen mit der Bitte, uns behülflich zu sein zur Ausbringung eines Wahlagitationssonds, der für die Herren Dr. Vöckel und Licbermann v. Sonnenberg, unsere antisemitischen Kandidaten in Hessen, die zu unterstützen wir verpflichtet sind, verwandt wird. Doppelt gicbt, wer schnell giebt! -a- Berlin, 14. Februar. Einer der bedeutendsten Führer der nationalliberalen Partei, Oberbürgermeister Dr. M i g n e l zu Frankfurt a. M., hat Zciinngsberichten zufolge an einen unserer Glaubensgenossen in Neuwied den folgenden Brief gelangen lassen: ״Sehr geehrter Herr: In ergebener Erwiderung auf das gefällige Schreiben von! 2. d. M. bestätige ich gern Ihre Aufsassung, daß ich und alle meine politischen Freunde, wie zn allen Zeiten, so auch in der Zukunft selbstverständlich für die volle Gleichberechtigung aller Konfessionen cmtrctcn würden, natürlich sich auch auf die israelischen deutschen Staatsbürger bezog. Gerade mit Rücksicht auf die antisemitische Agitation hielt ich cs für nothwcndig, noch ausdrücklich einen Satz auszusprechen, den ich sonst für ein längsterworbenes Gemeingut aller Deutschen halten, und für außerhalb alles Streites liegend hätte mischen müssen. Ich stehe nicht an, mich dafür zn verbürgen, daß alle Mitglieder der׳ nationalliberalen Partei genau so denken und jedenfalls nur unter dieser Voraussetzung auf dem Boden derselben stehen können." An diese, im Namen der nationalliberalen Partei abgegebene feierliche Erklärung von der Achtung der Rechte jüdischer Bürger, knüpft die Krenzzcitung vom gestrigen Tage die folgende sehr beachtcnSwerthe Bemerkung: ״In Verbindung mit anderen Vorgängen in der Wahlbcwegnng hat diese ausdrückliche Erklärung unzweifelhaft eine beachtcnSwerthe symptomatische Bedcutung; materiell wäre sie belanglos, wenn mau nicht wüßte, daß unter der harmlosen Devise der Gleichbcrcchtigung aller Konfessionen sich ein intensiver Haß gegen die christlichen Grundlagen unseres StaatstcbenS verbirgt. Es kann für diese unsere Behauptung keinen klassischeren Zeugen als die ״Münch. Allg. Ztg." geben, deren prägnante Acußenmgen vom 14. Oktober 1882 wir in Folgendem wiedergebcn: ״Das Jahr 1848 und selbst die preußische Verfassnng von 1851 hatten diese Unterschiede (zwischen Jndenthnm und Germanenthum) nivellirt, jedem Staatsbürger als solchem gleiche Rechte verliehen, auch gleiche Pflichten vor der Moral und dem Strafgesetz auserlegt. Als aber der ״protestantische" und dann der ״christliche Staat" ins Feld rückte, als sich dem ״Christlich" das ״Germanisch" an die Fersen heftete, geriet!) der Rechtsstaat ins Schwanken und auf dieser Schaukel trieben die Antisemiten ״frisch, fromm, fröhlich" ihr tolles Wesen. Selbst die lobenswcrthe Initiative des Staates in der sozialen Frage trug die Färbung des ״christlichen Staates"; wie hätte sonst vom ״praktischen Ehristenthum" die Rede sein können, wo cs sich doch lediglich um Humanität, humane Fürsorge für die im Kamps nms Dasein Zurückbleibenden handelte? Solche Äegrifssbczcichnnugen können, je nach Umständen, sehr unschuldig und harmlos sein; unter anderen Urnständen werden sie bedenklich, beleidigend und voller Aergerniß." Der christliche Staat ist den Juden ein Aergerniß, deshalb ist die Initiative des Staates in der sozialen Frage, d. h. die Kaiserliche Botschaft vom 17. Nov. 1881, welche die korporative Zusammenfassung der realen Kräfte des christlichen Volkslebens als die vornehmste Aufgäbe bczcichnete, ״bedenklich und beleidigend". DaS ist die eigentliche Bedeutung der von Inden geforderten und von Herrn Miguel zngestandenen Gleichberechtiglmg aller Konfessionen." Diese Blätter sind nicht der Erörlcrung der allgemeinen Tagesereignisse gewidmet, eine Würdigung der kreuzzcitunglichen Betrachtung von dem attgenleinen politischen Standpunkte aus ist deshalb

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