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Jeschurun · 1887-02-10 · Heft 6 (10.2.1887) · p. 95

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 6 (10.2.1887)
Article
Spanien [Nachricht]
Date
1887-02-10
Page
95 (sequence 2)
Language
German
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Art entgegensetze. Der Präsident des Komitees richtete hierauf an den KonscilS-Präsidcritcn die Frage, ob cS der Negierung unangenehm sei, im Parlament dieselben Fragen zu beantworten, auf welche in der gegenwärtigen Konferenz eine so .;usricdcnstellende Entgegnung erfolgt ist. Hieraus entgegncte Sc. Exzellenz, die Regierung werde im Parlament und überall in der gleichen Weise, wie dies hier geschehen, antworten. Hiermit endete die offizielle Konferenz, worauf eine private Unterredung zwischen den anwesenden Herren folgte, in deren Verlauf die Vertreter des Komitees von Neuem die sichere Ueberzcugung gewannen, daß die Meinung, welche zu ihrem Vorgehen Veranlassung gegeben hatte, absolut jeder Begründung entbehrt. Um nun unseren Freunden die Ueberzengung von der wirtlichen Sachlage zu verschaffen, hat das Komitee beschlossen, dieses Protokoll anfzunehmcn und zu vcrösscnllichcii, gleichzeitig auch das gewährte Zngeständniß, die mitgethciltcn Fragen in der Dcputirtcnkammer zu wiederholen, damit die Befriedigung eine unzweifelhafte und die Antwort vorher gekannt sei. AnSgcfcrtigt Madrid den 25. Januar 1687. Eentl-0 Espanol de Inmigracion Isradita." ES geht aus dieser Unterredung hervor, daß cs Juden frcisteht, in Spanien sich niederzulassen, was bislang unseres WiffenS niemals angezweifelt worden ist. Etwas ganz Anderes ist es aber, ob den Juden die öffentliche freie Ausübung ihrer Religion gestattet ist, ob sie die vollen staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte genießen und namentlich, ob man die armen russischen und rumänischen Juden nach Spanien dirigiren kann. Und diese Fragen sind allerdings zn verneinen. England. ** Londmr. lieber ein interessantes Bild, welches der berühmte Londoner Portraitmaler Mr. C. S. Marks dieser Tage vollende! hat, berichtet die ״Mg. Korr." Folgendes: Es ist ein lebensgroßes Portrait des Lord Nathanicl Mayer Rothschild, wie er den Eid im Hanse der Pairs leistet. Das Parlamentsmitglied Mr. Lioncl Louis Cohen hat cö auf seine Kosten malen lassen und wird es dem Verwaltnngsrathe der Vereinigten Synagogen Londons dieser Tage überreichen. Es soll dadurch die Zulassung des ersten israelitischen PairS zn in Obcrhause verewigt werden. Für das Jndenthum ist das Ereigniß von nnzwcisclhaftcr Wichtigkeit, aber cS ist auch von hohem Interesse im Zusammenhänge mit dem Fortschritte der NcligionSfreiheil in England. Die Vereidigung erfolgte am 9. Jnli 1385. Der Maler hatte große Schwierigkeiten zn überwinden. So z. B. mußte dem Ucbcrflnß am Scharlachroth in der Pairsrobe ein Gegengewicht geboten werden, um das Bild nicht zu grell ^zn machen. Eine weitere Schwierig-, keit war die, daß kttne Portraits der. zur Zelt anwesenden anderen Personen im Bilde sigurircn dursten. Alle diese Schwierigkeiten hat der Künstler mit großem Ersolge gelöst. Lord Rothschild ist dargestellt, wie er am Tisch dcö Hauses stcht, und zwar zur Rechten der Tafel. Er hat das Haupt bedeckt (wohl das erste Mal seit seinem Bestehen hat ein Pair im Obcrhause jemals bedeckten Hauptes den Eid geleistet). In der rechten Hand hält er das alte Testalnent, mit der linken faßt er die Pairsrobe. Er ist dreiviertcl Gesicht gemalt, und die Aehnlichkeit ist frappant. Kühn tritt die Figur anS der Leinwand hervor. Den Hintergrund bildet das Getäfel der Seitenwand des Hauses. Der Deckel des Kastens auf dem Tische ist halb geöffnet, damit kein gegen übcrsitzendcr Pair dein Beschauer sichtbar wird. Die Pose ist äußerst natürlich, der Faltenwurf der Robe, deren Gold- und Pelzvcrbrämnna sind ganz vortrefflich, und Licht und Schattcu sind wunderbar vertheilt. Es ist ein Meisterstück und gehört zn den Hauptwerken britischer Malcrkunst. C.ypern. □ Vor etwa zwei Jahren haben sich eine Anzahl rumänischer Inden verleiten lassen, nach Cypern auszuwandern. Man hatte ihnen diese Insel als ein gelobtes Land geschildert, welches nur einer fleißigen Hand wartet, um ungeahnte Schätze zu bieten. Die Armen fanden sich bitter getäuscht. Sie waren einem gewissenlosen B.'trüger zum Opfer gefallen, der ihnen den letzten Sparpfcnnkg hcrauszulocken verstand und sic dann ihrem Schicksal überließ. Dieses aber ist das׳ denkbar schrecklichste. ES würde in dem Hnngertode der Getäuschten sich erfüllen, wenn die englische Negierung der Insel sich nicht ihrer insoweit angenommen hätte, um ihnen ein Stückchen Brot» reichen zu lassen. Es ist aber durchaus nothwendig, daß man den Leuten die Möglichkeit gewährt, diese Unglücksstätte zu verlassen. Die Herren A. Löwy und Lewis Emanuel in London erlassen zu ihren Gunsten einen Aufruf. Man gebraucht sür sie zweihundert Pfund. Hoffentlich wird diese Summe recht bald beschafft fern. Das lebhafte Gefühl der allgemeinen Menschenliebe und daö Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller Glaubensgenossen ist bei den englischen Inden zu ausgeprägt und hat sich noch allezeit bewährt, als daß mau zweifeln könnte, daß dieser Appell der beiden Herren den lautesten Wiederhall finden wird. Möge man aber aus diesem traurigen Ercigniß die Lehre ziehen, nicht allzu vertraucnSselig einem jeglichen Projekte entgegen, zu kom- 1ne!1^ welches in die Oessentlichkeit tritt. Es bedarf, stets der reiflichsten Prüfung, bevor man sich ent-׳ schließen soll, .seine Zukunft unbekannten Verhältnissen -anzuvertrauen.

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