Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1887)
- Article
- Rußland : Kowno [Nachricht]
- Date
- 1887-02-10
- Page
- 94 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-V- Kowtli), 1. Februar. Unser bisheriger Gouver- - uatr legt sein Amt ans Gesundheitsrücksichten nieder. Es ist dies auch für uns ein sehr schmerzlicher Verlust, da wir an nnscrm Gouverneur einen väterlichen Freund und Beschützer hatten. Noch ist in unserer Erinnerung seine hingebcnde Thätigkeit für uns bei tcm großen Brande int Jahre 1882. Möge er die wohlverdiente Ruhe genießen. Unsere Segenswünsche begleiten ihn bei seinem Scheiden. Möchte auch sein Nachfolger im gleichem Sinne, mit dergleichen Milde und Gerechtigfeit sich unserer an nehmen! צ Odessa, Februar. 311 der jüngsten General- Versammlung des großen und einflußreichen Vereins der ״Mcfizc Hahaskolo" wurde ans Antrag des Advokaten Herrn Margolics beschlossen, die Gründung einer Rabbincrschule am hiesigen Platze anznstrcbcn. Es würde bei den belanntcn destruktiven Prinzipien und Zielen dieses Vereins dem Judcnthnm eine große Gefahr drohen, falls dieser׳Plan zur Verwirklichung gelangte. Rumänien. ...X. Bnknrcst, 4. Februar. Ans dem Dorfe Daraumesti, Bezirk Vakau, in welchem cs sechs jüdischen Familien nach unsäglichen Mühen und unter erheblichen Geldopsern gelungen war, der allgemeinen Anstreibnng zu entgehen, sind zwei jüdische Abgesandte eingetroffen, um bei der hohen Negierung Hülfe zu suchen. Nachdem man diesen sechs Familien nämlich viel Geld abgcnommen und ihnen dann gnädigst vcrstattct hatte, fernerhin im Orte zu bleiben, hat ein Offiziant von ihnen verlangt, daß sic ihm Vieh zu einem Schadenpreise verkaufen sollten. Da sie sich hierzu nicht vcrstehen wollten, so ist ein neuer Ausweisbefehl gegen sie erlassen worden und nun sollen alle Inden zum Dorsc hinaus. Ob der Beschwerde stattgcgcbcn wird, ist abzuwarten. Dieses ist übrigens ein durchaus typischer Fall. So macht inan es ans dem flachen Lande überall. Die wenigen Inden, welche sich für schweres Geld die Erlanbniß znin ferneren Aufcnlhalt in! Dorfe erworben haben, müssen sich mit jedem Buben verhalten und ihm zu Willen sein, sonst werden sie verjagt! Und da will man cs uns verdenken, wenn wir zum Wanderstabc greisen. Unsere Hcimath stößt uns ja von sich. Spanien. ׳ ״ *Jüdische Presse" und ״Ocsterr. Wochcnschr." veröffentlichen das folgende Protokoll über eine Unterredung der Vertreter des Jüdischen EinwandeningS-Komitces mit dem Ministerpräsidenten Sagasta. ״Nachdem zur Kenntniß dcS Spanischen KontitceS für die Einwanderung der Juden (Centn) Espanol de Inmigraeion Israelita) gekommen war, daß verschiedentlich die Meinung entstanden ist, die spanische Negierung sei der Einwanderung der Israeliten nicht so günstig gestimmt, wie das Komitee cs versichert hatte — ein Zweifel, welcher in gewissen Acnßerungcn, die ein früherer politischer Führer der Nepublikancr gethan, als er von der .׳Ulianee israelite universelle in Paris, über die Angelegenheit befragt wurde, wie auch in dem Telegramm, welches die Negiericng kürzlich au die in Vrody befindlichen Juden geschickt, seinen Ursprung hatte. AuS diesem Grunde hat diese Körperschaft an die spanische Negierung die Bitte gerichtet, in endgültiger Weise diese böswilligen Ansstrennngen zu widerlegen, welche die Wahrheit unfern־ Versicherungen in mehr als zweifelhaftem Lichte erscheinen lassen. Zu Folge dessen hat, nach vorhergegangener Anzeige von der Gewährung einer Audienz durch Sc. Exzellenz den Herrn Minister-Präsidenten, gestern Nachmittag um 2 Uhr im Palais der Minister- Präsidentschaft eine Konferenz zwischen dem Konseils- Präsidenten Exzellenz Don Praxedcs M. Sagasta und dem Präsidenten dcS Centro Kspanol de inmigraeion israelita, Herrn Lopez Lapuya, und dem Syndikus des Komitees, Exzellenz Don Juan Nospide, stattgcfnnden. Der Präsident des Komitees legte dar: 1) daß die von der spanischen Negierung den Juden, welche von Brody ans Staatshülfc zur Fortsetzung ihrer Neisc nach Spanien begehrten, crlhülte Antwort in dem Sinne gedeutet worden ist, als stehe die Negierung der Hierherkünft der Inden feindlich entgegen: 2) daß die Kommission des Komitees zu wissen wünsche, ob sich die Ansicht der Regierung, weld)e doch früher den Israclitcn Beweise ihrer Sympathie gegeben, aus irgend einem Grunde in letzterer Zeit geändert habe. Se. Exzellenz der Herr Präsident des Minifterraths Sagasta antwortete hierauf unverzüglich: 1״) daß die Negierung auf das erwähnte Telegramm in dem Sinne geantwortet habe, daß sie die Geldnutcrstützinig vcrweigerte, weil dein Gesetze nach eine derartige Hülfe nicht gewährt werden kann, daß dieses Vorgehen aber durchaus keine Spur von Feindseligkeiten enthält. Spamens Thorc stehen aller Welt ohne Unterschied des Glaubens und der Gesinnung offen, und wer in dieses Land, daß so demokratisch und liberal ist, wie irgend eines in Europa, kommt, wird in keiner Weise ans demselben vertrieben werden; 2) daß die Negierung ihre frühere Ansicht durchaus nicht geändert habe und cS wiederhole, ״daß alle Juden, welche cS wünschen, in der vollen Sicherheit kommen können, daß die öffent-!!che Meinung und die Negierung sie mit Wohlwollen und Sympathie anfnchmcn werdend Der.Leiter der Negierung fügte hinzu, daß der spanische Staat die Einwanderer nicht mit Geld unterstützen könne, sonst aber der Einwanderung keine Schwierigkeit irgend welcher