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Jeschurun · 1887-02-10 · Heft 6 (10.2.1887) · p. 93

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 6 (10.2.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Prag [Nachricht]
Date
1887-02-10
Page
93 (sequence 2)
Language
German
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93 diese Pflicht gründet und wie weit sich dieselbe erstreckt. Der Mensch ist, sagte er, nicht nur ein Geschöpf Gottes, sondern ist auch durch den נשמת הים, den er in ne hat, ein göttliches Geschöpf. Er ist durch seine Seele, ein Ausfluß der Gottheit, das edelste, vorzüglichste nnd Gott ähnlichste Geschöpf, daher muß selbst die Hütte des Menschen, in welcher die Strahlen der Gottheit sich aufgehalten, geachtet und besonders geehrt werden. — Mit gewohnter Redegewandtheit bekundete er seine Anerkennung für die hervorragenden und musterhaften Verdienste des löblichcn Vorstandes der הברא קדישא in Erfüllung dieser heiligen Pflicht, für seine Fürsorge, daß diese!מצוד im echten, wahren Geiste deö Indenthums anSgeübt wird, und in freudiger Stimmung gedachte er der frohen Erfahrung, daß man in den hiesigen Todesanzeigen meistens die Bemerkung findet: ״Kranzspenden werden dankend abgelchnt." Aber auf halbem Wege dürfe man nicht stehen bleiben, die Ehrerbietung gegen die Todten, diese Kardinaltugend des jüdischen Volkes, muß und soll persönlich und nicht durch Besoldete — auSgeübt und gewürdigt werden. Zum Schlnsse hatte er eine דבר שנזעתתא in scharfsinniger Weise vorgetragen. Mögen nun diese am rechten Platze gesprochenen Worte allseitigstc Würdigung finden. *||* Pest, 4. Februar. Vor Kurzem wurde in Ncusohl ein gräßlicher Mord an einem Dienstmädchen verübt. Der ״Fügellcnseg" benutzte sofort diesen Anlaß, um wieder einmal ein Ehristenblntmärchcn zu fabriziren, indem in obengenanntem Blatte zu lesen war, daß in der Hand dcs gemordeten Dienstmädchens rothc Haare vorgefunden wurden, die um so eher ans dem Barte des jüdischen Kantors in Ncusohl, Herrn N. Sonnenschein, hcrrührcn dürsten, als dieser sich mittlerweile habe rasircn lassen, damit Niemand merke, daß ihm aus dem Barte ein Büschel Haare gerissen worden. Außerdem solle auf dem Gange der jüdischen Frau Charlotte Josefy, bei der jenes Mädchen bedien stet war, sogar ein ״Schächtmcsscr" aufgcsundeu sein, waS doch hinlänglich beweise, daß Inden dieses Mädchen abgeschlachtet re. re. Nun veröffentlicht die ״Neue Pcstcr Jüdische Zeitung" ein Schreiben deö in der Asfaire Nächstbctheiligtcu, Herrn B. Sonnenschein, in welchem rS unter Andern heißt: Am 20. Dezember v. I. wurde in Abwesenheit der Frau Ioscsh deren Dienstmädchen ermordet. Als eine gerichtliche Kommission nnd zwei Aerzte zur Aufnahme des ThatbcstandcS erschienen waren, rottete sich ein großer Pöbclhaufe zusammen; Ruse wurden laut: Kein Anderer als die Juden haben den Mord vollfnhrj, Bald darauf wurden zwei der That verdächtige Strolche cingczogen. Was das Büschel Haare anlangt, so wurde von den Aerztcn sogleich konstatirt, daß dasselbe vom Kopfe der Ermordeten selbst entstamme. —'Die Behauptung, daß ich mir meinen Bart abnehmcn ließ, ist erlogen. Darüber habe ich mir ein ärzlichcs Attest anSstcllcn. lassen. Ebenso boshaft erfunden ist die Behauptung von ber.t am Orte der That gefundenen Schächtmcsscr. — Herr Sonnenschein möchte zwar auf gerichtlichem Wege gegen den Redakteur der ״Fügellenscg", den famosen Verhovah, Vorgehen, fürchtet aber Angesichts der bisherigen Erfahrungen die Erfolglosigkeit dieses Schrittes.. — Jedenfalls sicht man, daß man das Märchen vom Christcnblnt noch immer gern anfwärmen möchte. Man muß sich also von gewisser Seite noch viel davon versprechen. Rußland. ... z. Petersburg, 30. Januar. Dem ״Woschod" zufolge ist auf höhere Verfügung eS den Inden nnd Jüdinnen im Gouvernement Charkow nicht gestattet, an den Kursen zur Ausbildung von Wärtern oder Heb- Qinmcii thcilzunehmen. — Dasselbe Blatt meldet noch von einer, anderen Verordnung. Nach der allgemeinen NckrnlirungSordnnng muß derjenige Israelit, dem wegen Krankheit oder aus sonst einen! Gründe eine Frist gegeben ist, einen anderen Juden als Ersatzmann stellen. Und wenn Jener dann wirklich zum Dienen kommt, so wird dieses nicht als Ersatz eines Juden ansgctto!!׳.- men, sondern überhaupt zr.r Ausbringung dcö crforderlichcn Kontingents. Wenn nun die Zahl der zurückgestellten Inden und Nichtjuden eine gleiche wäre, so hätte das nichts weiter zu bedeuten. Nun stellen die mit dem Ersatzgcschäst Betrauten absichtlich mehr Juden zurück, damit sie im folgenden Jahre eben nicht als Ersatzleute für Inden, sondern aus das Gesammtkontingent kommen. Dadurch entsteht für die Juden begreiflicherweise ein sehr großer Nachthcil. ...v. Warschau, im Februar. Das Bedürfniß nach einem neuen erweiterten Hospital für die hiesige große jüdische Bevölkerung hat sich schon lange fühlbar gemacht. Man hat jetzt die Sache in die Hand gcnonnnen, trotzdem daß die dafür in mäßigen! Anjchlag gebrachte Summe die stattliche Höhe von 400 000 Rubel erreicht. In einer konstituirenden Versammlung znm Zwecke der Schaffung eines Vereins für die Ausbringung dieser Summe wurden nicht lvcuiger als etwa 100 000 Rubel gleich gezeichnet, unter Andern von den! Herrn Wowilbcrg 15 000 Rubel, Gebrüder Natanson 10 000 Rubel, Max Baumeister 12 000 Rubel, A. Goldfeder 5000 Rubel, Salomon Löwenthal 6000 Rubel u. s. w. u. s. w. Herr Nechmann zeichnete 200 000 Steine, die einen Werlh von 2400 Rubel besitzen. Derselbe Herr hat die unentgeltliche Uebcrtassung eines Grundstückes in AuSsicht gestellt.

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