Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1887)
- Article
- Holland : aus Holland [Nachricht]
- Date
- 1887-02-10
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
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dem erlauchten oranischen Königshause. Unter der Negierung dieses edlen Geschlechts ist Holland eine glückliche Stätte des Friedens für dir in früherer Zeit überall mißhandelten Juden geworden. Und darum gesellt sich zu der allgemeinen Pflicht der Treue gegen den Landcsfürstcn, welcher die Juden unter allen Umständen in allen Ländern stets gerecht geworden sind, bei uns holländischen Inden noch die ans innerstem Herzen stammende dankbare Liebe für unfern König, der gleich seinen Vorfahren uns ein wahrhaft Väterlichcr, milder und gerechter Fürst gewesen, der uns geschützt hat vor den Stürmen der Leidenschaft, die ans den benachbarten Ländern leicht auch in unser Vaterland hätten dringen können. In allen israelitischen Gotteshäusern wird an dem Tage, welcher nnö diesen thenreu Fürsten geschenkt, für sein langes Leben, für sein Glück auf dem Throne und im Hause inbrünstig gebetet werden, und Alle vereinigen sich in dem Wunsche: Gott segne und beschütze unseren vielgeliebten thcnrcn Herrn und König, mehre seine Tage, verleihe ihm Glück in seiner Negierung und lasse ihn an der Seite seiner erlauchten Gemahlin und im Anblicke seines lieblichen Kindes, der holden Prinzessin Wilhclnnna, der sce igstcn irdischen Freude stets thnlhastig sein! Oesterreich-Ungarn. 0. Wien, 7. Februar. Die judcuseindlichcn Mitglieder des Reichstags lassen keine Gelegenheit vorübergehen, um dem Sport gegen die Juden ׳zu fröhncn. Bei der Berathnng über den Plcncr'schcn Antrag wegen Errichtung von Arbcitskammcrn mußte auch der Jude hcrhaltcn. Dem Abgeordneten für den Landkreis Troppau, Türk, war dieses Mal die Nolle zu Thcil geworden, den Juden zu Hetzen. Er warf der Partei des Antragstellers vor, daß sie, selbst Deutsche, an dem wirthschaftlicheu Ruin der Deutschen Oesterreichs arbeiten. Er sagte zur Begründung dieser Anklage wörtlich: ״Gerade unter der Herrschaft der Partei dcs Abgeordneten Plcncr hat sich der wirthschaftlichc Nuiu unseres Volkes durch die Vermehrung des JudcnthmnS zu erkennen gegeben. Diese Vermehrung ist mit geradezu affen־ Hafter Geschwindigkeit erfolgt. Und kein Vernünftiger wird leugnen können, daß diese Vermehrung alle Stännne unseres Volkes gleichmäßig zu rniuircn geeignet ist." Als diese mit eiserner Stirn vorgebrachte Motivirung die schallende Heiterkeit des Hauses wachries eilte der bekannte Dr. Pattai seinem Gesinnungsgenossen zur Hülse und meinte, gegen den Hauptlacher gewendet: ״Der denkt so wie ein Jude." Der Abgeordnete Di׳. Wrabetz aber fertigte ihn folgendermaßen ab: ״Ich. habe immcrcittccigcnthümliche Empfindung, wenn ich den Abgeordneten der Troppaucr Landgemeinde höre. Das hohe Haus wird wiederholt im guten wie im schlechten Sinne als Lin Theater bezeichnet. -Dem Abgeordneten der Troppaucr Landgemeinden scheint etwas Aehnlichcs stets vorzuschwebcn, und seine Ausführungen erinnern mich wenigstens immer an ein Volkstheater, das unsere Jugend in den Sommermonaten im Prater genießt, wo der Schluß immer der ist, daß ein Jude geschlagen wird. Es giebt keine Debatte hier im Hanse, cs gicbt kein Thema, und sei es welches immer, wo der Abgeordnete für die Troppaucr Landgemeinden nicht mitspricht; er spricht überall mit, nur er hat es eben gründlich stndirt; aber es giebt für ihn kein Thema, wo nicht ein Jude erschlagen wird, und so hat er richtig auch hier den jüdischen Standpunkt hereinzubringen gesucht. Er hat richtig wieder das jüdische internationale Kapital hereingebracht und hat uns, der liberalen Partei, Mangel an Liberalismus vorgeworfen. Ja, er hat gesagt: Nichts als Phrasen sind von dieser Seite bisher gehört worden, und der Vertreter des fünften Gemeindebezirkcs von Wien hat dazwischengcrnfcn: ״Bravo: Bravo: Ausgezeichnet!" Nun, ich glaube, diese beiden Herren sind die beiden Letzten, welche von Phrasendreschen reden dürfen. Wenn die Herren all das, was sic bisher hier und sonst in der Oeffcntlichkeit gesprochen haben, begründen 1111b beweisen müßten, dann würde cs sich zeigen, wer mehr Phrasen gesprochen hat, unsere Partei oder diese Herren. Ein Mitglied einer Partei aber, wie der Herr Abgeordnete für die Troppaucr Landgemeinden, weiche heute, hundert Jahre nach dem Erscheinen dcs Toleranz-Ediktes des großen Kaiser Joseph, die Intoleranz ans ihre Fahne geschrieben hat, welche Ausnahmegesetze für einzelne Konfessionen schaffen möchte, wenn sie die Macht dazu hätte, ein solches Mitglied hat am ersten das Recht verwirkt, uns Mangel an Liberalismus vorznwerfen. Weiter brauche ich mich mit dem Abgeordneten der Troppaucr Landgemeinden nicht zu befassen." Die ״N. fr. Pr׳" schreibt über diese Versammlung das Folgende: Die Debatte über das Gesetz, betreffend die Errichtung von Arbeiterkammcrn, gab heute den Antisemiten Anlaß zu heftigen Tiradcn und Angriffen gegen die liberale Partei. Die schneidige Antwort, welche der Abgeordnete Wrabetz dem Redner der Antisemiten, dem Abgeordneten Türk, zu Thcil werden ließ, hatte diesen und dessen Parteigenossen in Harnisch gebracht, so daß sie seine Anssührungcn durch Zwischenrufe unterbrachen. Abgeordneter Pattai hatte schon früher während der Rede Türk's dem Abgeordneten Wrabetz zugerufen: ״Dem. Wrabetz gefällt das, der denkt wie ein Jude!" Als dann nach der Rede des Abgeordneten Wrabetz die Sitzung gcschlossen wurde, kam cs im Konloir zwischen den Abgeordneten Wrabetz und Pattai zu einem heftigen Nenkontre. Als Pattai an Wrabetz vorbcikam, sprach. dieser sich in der abfälligsten Weise über die Unterbrechung Pattai'S