Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1887)
- Article
- Palästina [Nachricht]
- Date
- 1887-02-03
- Page
- 79 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Man hat einige Schulen zur Ausbildung der Jugend als Handwerker gegründet, und unsere Glaubensgenossen im AuStaude vermeinen, damit etwas sehr Nothwcndiges und Heilbringendes gewirltt zu haben. Nun will ich nicht gerade behaupten, daß die Handwerksschulen vom Nebel sind, aber hinsichtlich eines von ihnen gebrachten Nutzens wage ich getrost sehr skeptisch zu sein. Die Zahl der jüdischen Arbeiter ist in den verschiedenen Brauchen so unvcrhältnißmäßig groß, daß weder die selbstständig Arbeitenden noch ihre Gchnlfen das Nolhdürftigste und Unentbehrlichste zu verdienen vermögen. ES sind alle meistens Familienväter, die ihr Handwerk gut verstehen und mit ausdauerndem Fleißc arbeiten, wenn nur Arbeit zu finden wäre. Diese geschickten und fleißigen Familienväter sind schon jetzt den allergrößten Entbehrungen auSgcsetzt und zu Einschränkungen in allen ihren geringen Bedürfnissen gemässigt. Wie schrecklich würde sich aber ihre Lage gestalten, wenn jetzt noch eine fernere Anzahl das Heer der Arbeitsuchenden vermehrte. ES kann ans daS Allcrbestimmtrste versichert werden, daß die jüdische Einwohnerschaft Jerusalems im Allgemeinen keine Arbeit scheut; cs gicbt keine, die zu schwer, keine die zu niedrig wäre, deren sie sich nicht mit vieler Freude und Eifer unterzöge, um nur einige Brosamen zu erringen, lieber die jüdischen Kolonien nur einige Worte. Die Zahl der sich dort mit aufopferungsvollem Flciße den Arbeiten Widmenden ist eine sehr große. Ob trotzdem ein günstiges Resultat erzielt wird, ist eine Frage, die mit Bestimmtheit von keiner Seite beantwortet werden kann. Erst nach mehreren Jahren wird man darüber ein Urthcil zu fällen vermögen. Die Negierung ist diesen Kolonisationsbestrcbnngen nicht günstig gestimmt und sucht deren Prosperität in jeder Hinsicht zu hindern. Ein wenig crmuthigendcS Beispiel für den Segen dieser Unternehmungen gewährt die Lage einer der ersten Kolonien. Dieselbe besteht schon lange, ist von aller Grundsteuer frei, und dennoch haben wir niemals gehört, daß sie irgend welchen Erfolg anfznwcifcn gehabt halte. Wenn nun auch einerseits für manche der neuen Kolonien in ancrkcunenswerthcr Weise von dritter Hand Zuschüsse gewährt sind und gewisse Erleichterungen den Kolonisten zu Theil werden, so darf man sich doch nicht verhehlen, daß diese Ansiedelungen thcilweise auf nicht, sehr ergiebigen Boden gegründet sind und eS auch der rationellsten Vewirthschaftung und dem emsigften Flciße nicht gelingen kann, hier rasch zu prosperiren. Es wird unbedingt noch jahrelangem ausdauernden Fleißes bedürfen, um nur einigermaßen der natürlichcn Hindernisse Herr zu werden, und c&enfo. werden die Kolonisten noch jahrelang auf fremde Unterstützung angewiesen sein, da die meisten eben gar keine Mittel besitzen, um warten zu können, bis der Boden einem ergiebigen Ertrage gefügig geworden ist. — Ich glaube, daß ich mit diesen Anschauungen nicht allein stehe, sondern daß sie von manchen Einsichtigen gctheilt wird. MMM Das Buch Hiob nebst einem neuen Kommentar von ' Benjamin Szold, Rabbiner der Ohcb- Schalom-Gcmcinde, Baltimore. Baltimore, 1886. H. F. SiemerS. In dem vorliegenden, vorzüglich anSgestattetcn Werke tritt nnS eine sehr fleißige Arbeit entgegen, welche, wenn wir nicht irren, die erste Erscheinung ihrer Art auf dem Büchermarkt ist, mit welcher Amerika die jüdische Literatur bereichert. 498 Seiten groß Oktav umfaßt dieser Kommentar in hebräischer Sprache, der ein rühmliches Zeugniß von dem Flciße seines Verfassers ablegt. Derselbe geht von der Ansicht aus, daß in Hiob nicht die Frage gelöst werden solle, wes-« halb das äußere Geschick des Tugendhaften sich oft so trübe undim Gegensatz dazu dasjenige des Frevlers sich oft so glänzend gestalte, eine Frage, welche nach dem Verfasser von der beschränkten Einsicht des Sterblichcn niemals befriedigend gelöst werden könne, viel* mehr habe in dem Buche Hiob die.große Lehre ausgesprochen werden sollen, daß der wahrhaft Tugendhafte und ans Gott Vertrauende auch daS herbste Geschick über sich ergehen lassen könne, ohne in seiner gottergebenen Gesinnung zu wanken, ohne sich gegen die göttliche Waltnng anflchncn zu wollen, sondern geduldig zu ertragen, was sein^Schöpfer ihm anferlegt. An der Hand dieser Ausfassung von dem leitenden Ge* danken des Buches, versucht er die Erklärung der Reden Hiobs und' seiner Freunde. — Er sucht die verfehledenen Ansichten über die Zeit der Abfassung und den Verfasser deö Buches mit einander zu versöhnen, und tritt den Kritikern entgegen, welche Interpolationen und Acnderungen in dem Texte zum Zwecke der Erkärung statniren wollten. Ebenso weist er die Ausstellungen׳ zurück, welche gegen die Korrektheit der Sprache von -manchen Seiten erhoben worden'sind. Man braucht'׳ nicht immer mit den Erklärungen, die der Verfasser dem Texte an'gedeihen laßt, und mit seiner linguistischeu Allsfassung cillverstanden zu sein, uni dennoch ihm ■ gern den Zoll der Anerkennung für sein Werk auszusprechen. ׳ X. . .