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Jeschurun · 1887-02-03 · Heft 5 (3.2.1887) · p. 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 5 (3.2.1887)
Article
Österreich-Ungarn : aus Ungarn [Nachricht]
Date
1887-02-03
Page
76 (sequence 2)
Language
German
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citt so schmähliches Gewerbe treiben. Mit um so größerer Freude rcgistrircn wir die Rede Franz PulSzky'S, in welcher er die Antisemiten recht scharf abfertigte. ״Hätte!nein Vorredner die Geschichte studirt," sagte er unter Anderem, ״so wüßte er,-daß der Wucher nicht bei den Inden begann, das; er so alt ist, wie die menschliche Gesellschaft. Er wüßte, er hätte gelernt, daß die römischen Patrizier, welche Wucher trieben, keine Juden waren, ja er wüßte sogar, daß der berühmte Brutus, der den Cäsar erstach, daß jener berühmte Patriot thatsächlich ein Wucherer war. Der Wucher ist jedenfalls häßlich, er ist aber nicht eine ausschließliche Eigenschaft der Inden, es giebt Christen aller Nationalitäten, eö giebt auch christliche Ungarn, die sich mit Wucher befassen. Deshalb aber, weil es unter den Juden Wucherer giebt, braucht man nicht die ganze Nasse anzngreifen. Ich vermag diese Nasse sehr zu schätzen, denn dieser haben wir das Alphabet zu verdanken: sie war cS, die im Mittelalter die Philosophie des Griechen Aristoteles den ziemlich barbarischen Völkern׳ mitthcilte, die hier in Europa waren; sie ist die Nasse, welcher Peter und Paul und alle Apostel cntstaminteu. Wir wissen, daß die semitische Nasse um die Zivilisation Europas dieselben Verdienste hat, wie die asiatischen oder turanischen Rassen. UebrigenS vermag ich nicht zu begreifen, wie die Judenfrage zum Budget kommt. Das ist eine Logik, welche man vielleicht in den Schulen lehrt, die die Antisemiten besuchten, aber in den Schulen, die wir besuchten, haben wir keine solche Klügelei gelernt. Man sagt, die Juden sondern sich von uns ab, zun: Beweise dessen hat Hayna» ihnen eine KricgSkoutribution von 2 Millionen aufdiktirt gewiß nicht deshalb, weil sie schwarzgclb waren." — Der hauptstädtische Vertreter Busbach sprach sich sehr energisch gegen die Antisemiten aus. — Vaduay gegenüber, welcher behauptete, daß das Volk von der Unabhängigkeitspartei die Stellungnahme in der Judensragc fordern werde, erklärt Jrünyi, daß er und seine Partei dem Mandat zuliebe auf ihre Prinzipien nicht verzichten. Redner ist ein armer, alter Mann und gesteht, daß erauf die Diäten angewiesen sei, welche mit bem Mandat verbunden sind. Doch sei cr eher bereit, dem Elend cntgcgcnznsehen, als dem Mandat oder auch einem Minister-Fauteuil zuliebe auf seine Prinzipien zu verzichten. Sein Banner möge im Kampse zerfetzt werden, beflecken würde er cs niemals lassen. G^'za Polonyi (äußerste Linke) will im Tone des DankcS zu den achtnudvicrziger Antisemiten sprechen, weil endlich die MaSkc von den Bestrebungen gesallen, aus welche die achtundvierzigcr Partei schon längst hingewiesen. So oft die Noth anr Leibe der Nation zehrte, drang die Jndcusrage an die Oberfläche. Die Nation zu spalten, sic den heiligstenAspirationen zu entziehen, das sei das einzige Ziel der ״unabhängigen Antisemiten/' Nicht Ludwig Kossuth, der vergötterte Sohn der Nation, oder Daniel Jranyi waren berufen, die Prinzipien der Unabhängigkeits-Partei zu verkünden, sondern die Herren Vadnay und Näcz, welche Propheten sein und die Juden in das Laud der Verheißung führen werden. Den Antisemiten ist es ein politisches Dogma, daß nicht die Unabhängigkeit die Hauptsache sei, sondern die Judensragc, denn wir hängen nicht von Wien ab, sondern von der Iudcuschaft. Wenn dem so wäre, dann bliebe der Nation nichts Anderes übrig, als im Wege der Antiscmitenpolitik, von der Trancr aller gebildeten Nationen geleitet, uuterzngehen. Redner stellt scincrscitS das Antiscmitcndognia folgendermaßen dar: Sic haben gelernt, die Juden mehr zu hassen, als das Vaterland zu lieben. — Vadncy sagte neulich, ״die jüdische Konfession nicht als Glaube — denn wer kümmert sich int ucnnzehutcn Jahrhundert um den Glauben" — höret dicS Mitglieder des KicrnS, höherer oder niederer, höret dies, Zimandy's, Komlossy'S. — Es braucht uns nicht zu. wundern, wenn die würdigen Adepten Nohling'S sich mit Derartigem brüsten. — Noch mehrere Redner, und besonders der Miuistcrpräsidcnt, fertigten die Antisciniten ab. Italien.? Nom, 20. Januar. Die Eröffnung der Nabbincrschule fand am vergangenen Sabbath!פ' שמור in Gegenwart einer glänzenden Versammlung, unter welcher sich auch der Minister der Justiz befand, in feierlicher Weise statt. Der Präses der Gemeinde, Herr Samuel Alatri, cvöffuctc dieselbe mit einer Anspräche, welche die Bedeutung des neu gegründeten Jnstitus und die Verpflichtung der gcsannnten italienischen Iudcuschaft zur Erhaltung und Förderung desselben betonte. Die beiden designirten Lehrer der Anstalt, die Herren Sorani und Di׳. Ehrcurcich nahmen später daö Wort und legten daö Gelöbniß ab, diese Hochschule zu einer Pflanzstätte crnst-jüdischcn Geistes, Wissens und Lebens zu gestalten. Möge diese Hoffnung sich crsüttcn. N ußland. R. Petersburg, im Januar. Obgleich Ihr Organ weder mit allgemeiner Politik noch mit Staats- Finanzwirthschast sich befaßt, so glaube ich gleichwohl für die folgenden Zeilen einen Platz in Ihren Spalten nicht ganz unberechtigt in Anspruch nehmen zu dürfen. Es handelt sich um die Finanzen deö russischen Reichs. Der Herr Finanzminislcr Bunge, welcher inzwischen abgetreten ist, hat noch das Budget für das laufende Jahr ausgestellt. Dasselbe schließt mit einem Defizit von 36,558,034- Rubel int Ordinarinm und von 48,414,194 Rubel im Extraordinarinm, beziffert sich also im Ganzen auf die enorme Summe von 84,972,828

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