Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1887)
- Article
- Deutschland : Wollstein [Nachricht]
- Date
- 1887-02-03
- Page
- 75 (sequence 2)
- Language
- German
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limgen, die עבודה, den Gottesdienst zurückzuerobern, so daß Morgens und Abends regelmäßig מנין ist, hat derselbe seit sieben Wochen jeden Sabbath Nachmittag vor מנחה einen שיעור eingerichtet, der sich einer großen Zuhörerschaft und eines außerordentlichen Beifalls $11 erfreuen hat. Und so ist zu hoffen, daß den drei Grundpfeilern תורה ,עבורה ,לה — letztere ist hier stets hochgehaltcn worden — wieder bei uns eine feste Stätte errichtet wird. Oesterreich-Ungar n. *j|* Pest, 28. Januar. Die antisemitische Fraktion im Reichstage mißbrauchte einmal wiederum die Redner-, tribnuc zu den schamlosesten Aussällcii auf die Juden. Ich unterlasse cs, diese endlich ermüdenden Nodomonlabert wicderzngcbcn. Was die Lügcnwcisheit anshccken kann, das hat sie!äugst zu Tage gefördert. Der Präsident sah sich veranlaßt, einen der euragirtcstcn Indeusresser Simondi, mit den Worten' zurückzuweiscn: ״Ich kann cs nicht zngeben, daß an sechsmalhunderttausend ungarische Bürger jüdischen Bekenntnisscs in solch schmählicher Weise hier verunglimpft werden. .Diese Schimpfrcden sind zwar weniger eine Schmach snr die Inden, als für das ungarische Parlamcnt. Ich will mich snr jetzt noch ans diese Rüge beschränken. Sollten aber diese unwürdigen Sieben nicht eingestellt werden, so würde ich solche aus das Ernsteste zu verhindern wissen." Der Ministerpräsident Tisza verwahrte sich gegen die Unterstellung, als ob er jemals antisemitische Steigungen gehegt. Er habe vielmehr schon vor zwanzig Jahren die Rechte der Inden lebhaft verthcidigt Es sei nicht wahr, daß die Juden nicht produktiv wären. Man nehme sich ein Beispiel an nnsern israelitischen Mitbürgern, dann würde cs um den nationalen Wohlstand in vieler Hinsicht besser bestellt sein. 10. Pest, 30. Januar. Die ״N. jüd. P. Z." enthält folgende erschreckende Millhciliing: ״Im ganzen Zcmpliucr Komitatc wird gegen das Studium der Thora ein solch heftiger Kampf cntscssclt, der an die traurigen Zeiten in Spanien erinnert. Tagtäglich werden jüdische Schulen geschlossen. Die Lehrer werden auf Grund böswilliger Berlcnmdungen mit zwanzigtägigcm Kerker oder 100 Gulden Geldstrafe belegt. Selbst über einzelne Gemcindcmitglicdcr werden Strafen von 4 bis 10 Gulden verhängt. Die GcnSdarmcrie wird sogar zur Unterdrückung des Thora-StudinmS verwandt. Im Ujhelier, Bodrogcr, Scrcntschcr, Nagh Mihalicr, Homonacr, Galsetscher, Varaniocr und Stropkancr Bezirke giebt cs keinen £)14, der von diesem Kampfe nicht hart betroffen wäre. Wo sind' unsere jüdischen Wächter, welche Angesichts solcher Borgänge die Hände tm Schooßc ruhen lassen? Wo bleibt unsere oberste jüdische Behörde? Warum schweigt die orthodoxe Kanzlei, während die jüdische Religion wirklich in Gefahr schwebt? Ist daS unsere vielgepriesene Autonomie?!" * Aus Lemberg wird der ״N. fr. Pr." geschrieben: Ans Anregung der Abgeordneten Dr. Goldmann, Dr. Rapoport und Dr. Fruchtmann haben sich zahlreiche Mitglieder ocS Landtags geeinigt, das Andenken ihres jüngst verstorbenen Kollegen Dr. Philipp Zucker, der sich als Vertreter der Stadt Vrody sowie als Präsident der israelitischen Kultnsgemcinde in Lemberg mannigfache Verdienste erworben, durch eine seinen Namen führende Stiftung zur Heranbildung jüdischer RcligionSlehrcr zu ehren. Die Abgeordneten Graf Alfred Potocki, Fürst Adam Sapicha, Fürst Sangnszko, Graf Ney, Stadt- Halter Ritter v. ZaleSki und Landmarschall Graf Johann Tarnowski haben sofort für diesen Zweck namhafte Beträge gezeichnet. . 8.?. Ans Ungarn, Januar. Das ganze Antisemiten-Lager mußte diesmal ins Treffen. Galt eS doch die Riesenarbeit zu bewerkstelligen, in die Debatte über das' Budget eine Iudcndebattc cinznschmuggcln. Wenngleich die Inden in keiner Weise irgend, etwas mit dem StaatS-Boranschlag als die Pflicht der Steuer- .Zahlung zu thun haben, wenn auch im ganzen Budget kein semitischer Posten zu entdecken ist, so sind doch unsere Antisemiten Tausendkünstler, so bilden doch eben der Unsinn und die Ungereimtheiten das Melier dieser Herren, Verdrehungen und Entstellungen das Fahrwasscr, in dem sic ihre Mandate fischen. — Ist doch bei* Selbsterhaltungstrieb auch bei den niedrigsten Gcschöpfen stark ansgebildct. Möglich," daß sie das Land ans der jetzige Finanzmisere befreien wollten, indem sic für die Stelle des scheidenden Finanzministers ihren Genossen Vcrhovay in Aussicht nahmen, der sein Finanz- Genie bereits bei der Verwaltung der Esängo-Gclder bcthütigtc. In der That sprach Vcrhovay in dieser Debatte zum crftenmalc seit seinem bekannten Prozesse. Er wollte gewiß schon jetzt sein Programm entwickeln, wovon er aber abgckommcn sein mag. als er gesehen, daß bei Beginn seiner erlösenden Rede alle Minister, Staatssekretäre, die ganze Rechte und ein. großer Theil der Opposition korporativ ' den- Saal verließen. P. Komlossh lieferte eine Probe der antisemitischen Logik mit seiner Beweisführung, daß der Zar nicht gcisteskrank sei,, da er den Inden die Emanzipation verweigert, er habe mehr Verstand als alle Philoscmitcn. Schämet euch ihr sieben Weisen, euer tausendjähriger Ruhm erblaßt vor der Glorie, die Herrn Komlossh, den verbissensten Antisemiten, also den Weisesten aller Weifen umgicbt! Vadnah apostrophirle den Abgeordneten Franz Pnlszky, der unlängst gcnöthigt war, einige jüdische Wucherer gerichtlich zu belangen. ES :st traurig, daß auch nntcr Inden Individuen zu treffen sind, die