Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1887)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1887-02-03
- Page
- 74 (sequence 2)
- Language
- German
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74 Ende dcö HanptansührcrS der jubcnfciitMitfjcn Gewalten verkündet worden, und auf ״andere ״Ocbcutfantc Zeichen der Zeit". Ach, diese Weissagungen sind sehr zwcifclhaften Werths. Mit Partciredcn schasst man solche reale Mächte nicht aus der Welt. Da scheint mir die Erklärung des in antisemitisch(!! Dingen wohl erfahrenen Rechtsanwalts Wolfs doch den Thaksachcn viel entsprechender. Dieser Herr enthüllt, wie der ״Neichsbotc" berichtet, daö Gcheimniß der molncntancn Nutze auf dem Gebiete des antisemitischen Kampfes. ״Wir sind jetzt im Kartell", sprach er zu einer großen Versammlung. ״Lassen wir diesen Zankapfel (die Juden) ruhen, bamtt rechnen wir später ab!" Ich schenke diesen Worten vollsten Glauben. Die Antisemiten schweigen augenblicklich ans wahltaktischen Gründen, aber sie werden mit erneuter Kraft und frischem Eifer wieder den alten Sport beginnen. Darauf müssen wir uns gefaßt machen. & Wiirzbnrg. An die sämmtlichen königlichen Rektorate der humanistischen und Ncal-Gymnasicn und der Realschulen, dann an die königlichen Schulrektorate der isolirten Lateinschulen erging vom königlich baycrischeu Staatsministerinm des Innern für Kirchen- und Schnlangelegcnhcitcn, datirt München, 19. Januar 1887, Nr. 8 51)׳ folgender Erlaß: ״Auf den Antrag mehrerer Rabbiner des Königreichs sieht sich das unterfertigte königliche Staatsministcrinm veranlaßt, entsprechend der in einzcluen Fällen bereits wiederholt ergangenen Entschcidung, nunmehr die n((gemeine Anordnung zu treffen, daß die israelitischen Schüler der humanistischen und der tc-chnischcu Mittelschulen au den Sabbathcn und israelitischen Festtagen vom Schulbesuche zu dispensiren sind, sofern von Seiten der Eltern oder bereit. Stell- Vertreter ein besonderer Antrag hierauf den betreffenden königlichen OieftOYaten gestellt wird. Die Bethcitigtcn sind jedoch daraus ausmerksarn zu machen, daß ein Nachholen des an solchen Tagen durchgcnommcucn Unterrichtspensums in der Schule nicht statifiudet, und daß daher den - israelitischen Schülern die Ausfüllung der ans diese Weise in ihrem Unterrichte entstehenden Lücken selbst überlassen werden muß. (gcz.) Di׳. Frcih. v. Lutz." Wir sind den ehrwürdigen Herren orthodoxen Rabbinern, besonders dein Distriktsrabbincr HcirnM.L. Bambcrger in Kijsingeu, der, wie wir hören, die erste Vcranlassnng gab, sehr dankbar. Zwar bestand bis jetzt bei uns in Bayern auch schon das Gesetz, daß die israelitischen Schüler von!׳ Unterrichte am Samstag während des Gottesdienstes dispensirt werden konnten, allein nur zu oft wurden von manchen Schulbehörden solche Schwierigkeiten in den Weg gelegt, daß viele Eltern lieber ganz davon abstanden; das ist jetzt anders geworden. Führen wir eine Thatsache an. Am Ansauge deö Semesters bat ein Vater einen Stndicnrektor für seinen Sohn um DiSpenS vom Unterrichte während des Gottesdienstes ersucht, cS wurde Ihm versagt, ja er würde, so äußerte sich der Herr Rektor, mit aller Energie dagegen sein, Israeliten vom Unterrichte zu diSpcnsircn. Kaunt war der Erlaß in Händen des Rektors, so zeigte derselbe sofort dem Vater an, daß er ihm jetzt das erlauben könnte, was er damals verweigerte. — Jeder Vater, dem cs nur einigermaßen um das religiöse Leben seines Kindes zu thun ist, wird sich mit dem erwähnten Erlaß nur frcncn und sein Kind am Samstag vom Schulbesuche befreien lassen, minbestens so lange der Gottesdienst dauert. Warum sollte auch die Jugend, die an den Werktagen ohnedies nur höchst selten den Gottesdienst besucht, an den Feiertagen und Sabbathen an demselben sich nicht bcthcstigen können? Darum hoffen wir, daß recht Viele vom königlichen Erlaß Gebrauch machcn. ~ Kolbcrg. Dem dreizehnten Jahresbericht über die Verwaltung des jüdischen Kurhospitals im See-, Sool- und Moorbadc Kolbcrg entnehmen wir die solgendcn Daten. Bon den 89 נ Personen, welche im abgelausenen Jahre die Ausnahme in daS Hospital nachsnchten, sind 104 gänzlich nnbcmitleltc Leidende der Wohlthatcn der Anstalt theilhastig geworden und haben an 3122 Verpftegnngslagcn völlig unentgeltliche Verpflegung, ärztliche Behandlung, Arzeucicn und Bäder empfangen. Die Anstalt vcrcinnahmte an Spenden während der.Badesaison 0fk 2483,03 und überhaupt imkrioc dieses Postens ofk 13707,65. Die Ausgaben betrugen Jk 7041,64. Sie empfing eine größere Stislnng im Betrage von 3600 Jk Ihr Grundvermögen bcstcht ans den schuldenfreien Gründstückcn und Inventare, in welchem jetzt Jk 44208,86 bezw. 8020,90 festgclegt sind. DaS baarc Vermögen bczissert sich auf Jk 27300. — Diese Anstalt wirkt somit in segcnsvoltcr Weise zum Heile der Kranken und verdient gewiß die vollste Sympathie und thätigste Förderung weitester Kreise umsomehr, als sic keinem lokalen Bedürfnisse Nechnimg trägt, vielmehr gerade der Allgemeinheit zu Gute kommt. Möge ihr eine solche Förderung niemals fehlen. ft. S. Wöllstein, Provinz Posen, 27. Januar. Man klagt überall über dcu großen Indifserentisinnö unserer Zeit, und das nicht mit Unrecht. Doch dürste ein sehr großer Theil der Schuld auf die Männer sallen, die an der Spitze stehen und dazu berufen sind, durch. Wort und Thal daö Volk ans seiner Gleichgültigkcit aufzurültcln. Wenn die Herren Rabbiner immer mit warmem Herzen und verständigem Sinn Anregung und Vclchrnug geben würden, so wurde cS laugst so schlimm uicht ausschcn. Von hier kann ich Ihnen Gott sei Dank erfreuliche Fortschritte bcnchleu. Nachdem cs unscrm Rabbiner, Herrn Höxter, ge-