Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1887)
- Article
- Das jüdische Volksschulwesen in Galizien
- Date
- 1887-02-03
- Page
- 73 (sequence 1)
- Language
- German
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MS. 73 Feschurun. Das jüDollrsHnlnresen in Galiftn. Nach amtlichen Erhebungen zählt die jüdische Bevölkcrnng dieses Landes 83 202 schulpflichtige Kinder. Von diesen besuchten im Schuljahre 1863,84 39 705 und zwar 14S21 Knaben und 24 884 Mädchen offentliche Schulen oder solche Privatanstaltcn, welche voll den VczirkSschulräthcn beaufsichtigt werden. CS sind 1000 konzcssionirteTalniudschulen, sogcnanntcChadorim, mit 17 251 Schülern vorhanden. ES besteht seitens der NcgierungSorgauc das Streben, diese Ehadorim gänzlich zn unterdrücken; man will jedoch zu keinen Zwangsmitteln greifen, vielmehr sich darauf beschranken, durch die Kreirung der Volksschulen dieselben immer mehr zu. verdrängen. Daß man auf diesem Wege auch den erhofften Erfolg erzielt, dokumcntirt die Thatsache der Abnahme der Ehadorim, deren 1877 noch 1221 mit 18 474 Schülern vorhanden waren. Sie sind also während eines Zeitraumes von nur sieben Jahren um 221 Ehadorim und 1223 Schüler znrückgcgangen. Man will dergestalt fortfahren und in denjenigen altgemeinen Volksschulen, in welchen sich eine entsprechende Anzahl jüdischer Schüler bcsindet, den Unterricht im Hebräischen und der jüdischen Religion für die Inden obligatorisch erthcilen lassen. Auch nur eine flüchtige Erwägung dieser thatsächlichen Verhältnisse läßt die hohe Bedeutsamkeit der Umgestaltung deS jüdischen VolkSschulwcseuS in Galizien erkennen. Man kann nicht oft und eindringlich genug darauf Hinweisen, wie verhangnißvoll eine Vernachlüssigung der rechten Wahrnehmung des Interesses des orthodoxen JndenthumS wcrdeit kann, wie eS sich schrecklich an den zukünftigen Geschlechtern der galizischcn Indenhcit rächen muß, wenn die Führer und Leiter der Gemeinden, die heute noch zum überwiegend größerem Thcile orthodox sind, eS verabsäumen, diejenigen Maßregeln zu ergreifen, welche Angesichts des Ernstes der gegenwärtigen Situation dringend geboten erscheinen. Denn' darüber kann kein Zweifel sein, und es muß »m der heiligen Sache willen ausgesprochen werden: die jüdische Volksschule, wie sie in den alten Ehadorim in Galizien in die Erscheinung tritt, bedarf einerseits in der That einer Umgestaltung, andererseits wird ihr eine solche von Seiten der maßgebenden Stellen k* fohlen. Es handelt sich nur darum, soll diese Umgcstaltnng, welche darin besteht, daß neben 'einem methodischen Unterricht in der hebräischen Sprache, der Bibel und dem Talmud auch noch die in der allgemeinen Volksschule gelehrten, gerade nicht sehr erheblichen, Elcmentarkenntnisse gepflegt, von orthodoxer Seite vollzogen werden, oder will man sie in ucolognu Sinuc bewerkstelligen lassen. Man darf sich darüber nicht tauschen, je nachdem man auf orthodoxer Seite sich hierüber entscheidet, fällt der Würfel über die Zukunft der galizischcn Judenheit. Die Orthodoxie hat eS heute noch in ihrer Gewalt. Sie rcpräseutirt heute noch die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung. Sie hat heute noch das Hcsi in Händen. Laßt sie sich die Schule entreißen, dann dankt sie ab. An ihre Stelle tritt, — Anfangs vorsichtig und bedächtig, aber festen Schritts — die Reform, die Nevlogie, an die Spitze der Gemeinden und ergreift mit der Schule die Leitung der gefammtcn jüdischen Angelegenheiten. Daß dem also ist, kann Jeder wissen, der mit den Verhältnissen auch nur einigermaßen vertraut ist und eS wissen will. Die sich ״Schomer Israel" Nennenden und zu derselben Zählenden, welche für die Reform langsam und sicher arbeiten, stehen auf dem Plan bereit die Führerschaft zu übernehmen. Die Wiener Allianz hat schon ihre Emissäre im Lande, um für die Reform von Galizien Besitz zu nehmen. Man vergesse doch nicht, daß, wer die Schule hat, Meister der Zukunft ist. Die Schlüssel zur Schule ruhen zur Zeit noch in den Händen der GcsetzcStrenen. Verstehen diese, den berechtigten Anforderungen der Zeit zu entsprechen, d. h. die Jugend unter ihrer Leitung, neben der ungeschmälerten Pflege der Thora und deS Talmud, auch in der Kcnutniß der für das Leben unentbehrlichen Elemente einer Volksschule ciuzufnhren, oder mit anderen Worten: gewähren sie in redlichem Ernste der Jugend תורה im Vereine mit דרך ארץ, dann retten sie die Zukunst. Lassen sic sich aber die Schule entreißen, so gefährden sie die Zukunft, so eiilfrcmdcn sie die heramvachscnden und kommenden Generationen dem Judcuthnme! ואתם מרנן ורבנן גאוני קהלתינו ואתם מכונני וראי::«׳ החבורה הקדושה מחזקת הדת עלבם הדבר לעשות! כ״ד אהד מהצעירים המשתהות — ננד מעלת פבודכם .בן אמתי Korrcspoudctlzcil nub Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 28. Januar. Die politischen Ereignisse nehmen die Thärigkeit unserer Gegner derartig in Anspruch, daß sie uns vergessen dürften. Und in der That. möchte eS scheinen, als ob der Kamps gegen die politischen Gegner und die Befehdung der Antisemiten unter einander, der Judeuhctze ein Ende bereitet hätte. Sanguiniker glauben solches auch in der I That. Sie berufen sich "auf Richters fulminante Rede, > in welchermit vermeintlich prophetischem Blickdaö