Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1887)
- Article
- Holland : Amsterdam [Nachricht]
- Date
- 1887-01-27
- Page
- 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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62 statt fl. 4500. Snbsidie für unser Nabbiuer-Seminar (Frequenz 75) fl. 3600. Die Schulden der Gemeinde betragen fl. 180000. Den Bericht des Herrn Oberrabbiner I)r. Dünner entnehmen wir, daß endlich die so lange beschlossene Vergrößerung der Mittel- und Bürgerschule Thalsache geworden und dadurch den Anforderungcn besser genügt werden kann. Doch auch in diesem Jahre bleibt die alte Klage bestehen, daß die Kinder Zu früh der NeLigioriSschnle entnommen werden, so daß sie nicht im Stande sind, aus dieser Grundlage die für das jüdische Leben so nothwcndigcn weiteren Kenntnisse erwerben zu können. Mögen die bctrcfsendcu Eltern baldigst zur besseren Einsicht ihrer Pflichten gelangen. Beim Kapitel ״Vewahrschule" nimmt der Bericht Veranlassung, den: segensreichen Wirken der uns leider durch den Tod entrückten Frau M. Benjamins (Mit-Vorsteherin der Anstalt) einige anerkennende Worte zu widmen; war doch gerade sie durch ihr stetiges Wohlthun, gepaart mit echt jüdischem Geist und jüdischem Leben, bei alten Gemeinde-Mitgliedern gleich geehrt und geachtet. Möge ihr Vorbild recht Viele zur Nachahmung anspornen. -0- Amsterdam, 23. Januar. In der hiesigen israelitischen Klein-Kinder-Dcwahranstalt fand dieser Tage die Prämierung für treuen ׳Besuch statt. ES besteht hier nämlich ein Verein, welcher sich die Unterstützung der Anstalt in dieser Weise zum Ziele gesetzt hat, und konnten von lOOO’&inbcrn 700 belohnt werden. Die Prämie bestand in Aushändigung je eines kompleten Anzuges (Schuhe und Mütze einbegriffen). Möge die große Freude der armen Kinder den Mitgliedern und Vorstehern des erwähnten Vereins ein Sporn sein, auf der betretenen Bahn sortzuschrciten. England. 8. B. London, 18. Januar. Soeben, Mittcrnacht, komme ich von einer Stätte des Unglücks heim. Im Hcbrew Dramatic-Ctub, welcher im Stadtviertel Spitalösield belegen ist, entstand während der Borftcllung ״Spanische Zigeuner" eine furchtbare Panik, hcrvorgerusen durch den Ruf ״Feuer", der plötzlich auS der Mitte der Zuschauer erschallte. Man glaubte, cS seien die Gasrohren geplatzt, und beeilte sich, die Lichter anSzuloschcn. Vergeblich war cS, daß von der Bühne herab geschricn wurde: Beruhigt Euch! ES ist nichts! Ein. blinder Lärm! Das zum Tode erschrockcne Publikum drängte zu den Thürcn hin und drängte sich zu — Tode. ES erfolgte eine furchtbare Katastrophe. Die Menschen erdrückten sich gegenseitig. 17 Frauen, 9 Männer, 3 Kinder sind bis jetzt als todt, 39 Personen als verwundet koustatirt. Von: Conor Hospital war sofort Hülse da. Der Oberarzt mit seinen Assistenzärzten waren rasch zur Stelle und tranSportirten die Unglücklichem nach den: Hospital. Rumänien. * Der Monatsbericht der ״All. Jsr. Uuiv." derösfeutlicht nach der ״Ncvista israelita" hinsichtlich der von uns schon wiederholt gemeldeten Verjagnng der Juden Ausführliches ans dem Orte Cracoani und Nücoasa Folgendes: Der Bürgermeister der Gemeind« Eracoani, Distrikt Piatra, hat israelitischen Einwohnern deren Namen wir solgcn lassen, den Befehl ertheilt, binnen 24 Stunden das Dorf zu verlassen: Abram Lezerovici, Ncchnungöfnhrcr; Michel Hersch, Verwalter- Förster; VereSch Noscnbcrg, Steucragent; Mendel Nosenblnm, alle in der Gemeinde 10 bis 16 Jahre ansässig. Noch andere, deren Namen der Ncvista nicht bekannt sind, haben den Befehl erhalten, fort zu gehen. Hier der Wortlaut der dein Herrn VereSch Noscnbcrg zugegangenen Aufforderung: .,Rumänien, Bürgermeisterei der Gemeinde Cracoani. — Herr VereSch Noscnbcrg wird zum letzten Male ausgefordcrt, die Gemeinde binnen 24 Stunden zu verlassen; im Falle der Weigerung würde er durch öffentliche Gewalt hinausgejagt werden." Auch in dem Distrikt von Putna, in dem Bezirk Zabrantz haben Ausweisungen stattge fanden. Der Unterpräsckt von Zabrautz, Herr Nicn Vtadojan!! hat am Vorabend von: Dimitrifest alle Bürgermeister aufgefordert, die jüdischen Einwohner der Dörfer binnen 24 Stunden auszuweisen. Dieser Befehl wurde anSgeführt. Folgende Mahnung wurde von dem Bürgermeister von üuicoaja an einen der Anögewiesencn gerichtet: ״Wir, Bürgermeister von der Gemeinde Nücoasa, Bezirk Za- brantz, Distrikt von Putna, lassen Sie in Folge des Befehls, den wir soeben der Ihnen gewährten Frist — spätestens bis zum 26. Oktober — Ihre Lage ordnen müssen, indem Sie die Gemeinde von Nucoasa verlassen, um sich in irgend einer der städtischen Gemcindcn des Landes, wo ihnen dieses gestattet ist, niedcrznlasscn. In Folge dessen werden Sic Sorge tragen, diesem Befehl Genüge zu leisten, da wir sonst das Recht in Anspruch nehmen würden, welches uns daö Gesetz gewährt, Sie ohne Verzug mit Gewalt wcgznbringcu." Diese Benachrichtigung wurde an alle Häuser der Juden in den Dörfern dcö Bezirks angeklebt, und am 28. Oktober schritten die Behörden zu den Gcwaltmaßregeln. Alle AuSgewiescuen sind seit Generationcii tu den von ihnen bewohnten Dörfern geboren und erzogen, sie befaßten sich mit Ackerbau. Noch andere VcrfolgnngSmaßrcgcl wurden gegen die Inden gerichtet. Der Munizipalrath zu Dorohv'i hat einen Vertrag geschlossen mit griechischen Bäckern, daß sie das Brot zu einem festgesetzten Preise liefern sollten; er hat ihnen für den Fall des Verlustes einen Schadenersatz von