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Jeschurun · 1887-01-27 · Heft 4 (27.1.1887) · p. 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 4 (27.1.1887)
Article
Eine Reise nach Rußland
Date
1887-01-27
Page
57 (sequence 1)
Language
German
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M 4, Zeschurnn. 57 Eine Reise nnh RnsDild. Zur Kennzeichnung der Ungclcgcnhciten, auf welche! jüdische Dtcifcnbc in Rußland vorbereitet sein müssen,! erzählt die ״Oefterr. Wochenschrift" das folgende Erlcbniß deS berühmten Wiener Augenarztes, Professor I)r. Maut Huer, der in der verflossenen Woche über Berufung eines auch in Wien bekannten russischen Millionärs nach Kiew reiste. Dieser wunderte sich, über die Schwierigkeiten einer Ueberfchreitung der russischen Grenze schon so viel offenbar Ucbcrtricbmcs gehört zu haben. Sein Diener, den er aus Wien mitgenommen, ließ daS Gepäck revidiren, kehrte prompt zurück und setzte sich wieder in das Koupec zweiter Klasse nebenan. Der Professor machte eben den Versuch, nach Nußland hinübcrzuschlnnnncru, als er vernahm, wie der Gendarmerie Lieutenant seinen Diener an das Waggonfcnstcr zitirt. Nun cntspinnt sich folgender Dialog: ״Ihr Herr ist doch Katholik?" ״Ich weiß nicht, aber ich glaube schon." ״Wie heißt: Ich glaube? Sie müssen das bestimmt sagen." ״Da müßte ich zuvor meinen Herrn fragen." In diesem Augenblicke öffnet der Professor, der jedes Wort dieses Zwiegesprächs vernommen, die Thürc seines Koupees und um den Zweifel seines Dieners lind des Gendarmerie-Lieutenants rasch ein Ende zu bereiten, ruft er dem Lieutenant zu: ״Mein Herr, ich bin, entschuldigen Sic, Jude!" ״Dann muß ich Sic bitten, daö Koupec sogleich zu verlassen." ״Ja, warum denn? Mein Paß ist doch in Ordnung." ״Gewiß, aber ausländische Juden dürfen nicht nach Nnßlcuid!" ״Aber ich Reise ja nicht zu meinem Vergnügen und 11m Rußland zu sehen. Ich bin Augenarzt und zu einem schwer kranken Patienten nach Kiew telegraphisch berufen!" ״DaS glaube ich Ihnen aufs Wort, aber ändern kann ich die Vorschriften doch nicht!" Alle weiteren Debatten erweisen sich als fruchtlos, der Professor und sein Diener müssen die Waggons verlassen. Run stürzt der Professor auf das Telegrammburcan. Seine erste Depesche ist an den KicwerMillionär gerichtet, den er von dem Vorfälle verständigt; ein zweites Telegramm sendet er an den russische!׳ Bot« schafter in Wien, Fürsten Lob an off. Inzwischen braust der Zug davon und der Professor hat bis zur Erledigung seiner Angelegenheiten hinlänglich Muße, sich mit den Reizen von PodwotoczySka und Umgebung zu befassen. Nach einigen Stunden erhält er eine Depesche aus Kiew von seinem Patienten: ״Ich habe Alles aufgeboten, um Ihnen die Reise zu ermöglichen. Bisher ohne Erfolg." Bald darauf eine zweite Depesche: ״Der Gouverneur hat mir soeben seine Intervention zugesagt. Hoffe, Sie bald hier zn sehen." Vom Botschafter in Wien kam keine Antwort. Der Inhalt des an denselben gerichteten TclcgrammcS war auch iu der That gereizten Tones ... Nach langen bangen Stunden taucht endlich der Gendarmerie- Lieutenant wieder auf. ״Herr Professor," ruft er dem schon Verzweifelnden zn, ״soeben tclcgraphirt mir Se. Exzellenz der Herr Gouverneur von Kiew, daß Ihrer Reise dahin nichts mehr im Wege steht. Sie können den nächsten Zug benutzen." Und da ist and) schon der nächste Zug und der Professor, der in die russischen Verhältnisse in so kurzer Zeit so gründlichen Einblick gewonnen, dampft weiter in das Zarenreich. In Kiew opcrirte er seinen Patienten und machte sich raschmöglichst ans die Heimreise. Da erreicht ihn wieder eine Depesche: Der Gouverneur von Odessa tclcgraphirt ihm. er habe von seiner Anwesenheit in Kiew gehört, er bitte, ihn bc- Hufs Konsultation gleich zn besuchen. ״Nein," sagt der Professor, ״ich habe genug an meinen russischen Abenteuern." Er lehnt höflich ab und kehrt zurück nach Wien, um recht bald daselbst׳ mit seinen zahlreichen Freunden über russische Kultur und russischen Fortschritt plaudern zn können. Kt1!!erl!1!gkn ן!! kn Alle!! A1!1ßkrdl1!!!cr Gr1!!k!M-AmA!1!llge1l. Wir erhalten z>1 der in Nr. 3 veröffentlichten Verordnung von 1717 die folgenden Zuschriften: München, 23. Januar. Im zweiten Theile der ,.Alten Amsterdamer Gemcinde-Berordunugen", ׳die der ״Icschurun" in Nr. 3 rcproduzirt, kommt ein Passus vor, der dem geehrte» Herrn Einsender unverständlich ist. Dcrjelbc lautet: "נם soll man Keinem dürfen schenken ביום שבת קודש ולילה כיומו הרן לאב״ד או לאב״ד מובהק מקהלה מפורסמת ober einem בעל בית der ein Hans לוזלומיו gekauft hat, dem darf man schenken, sonst Keinem ״.אפילו לחתן ובלה Allerdings scheint der Sinn dieser Stelle vom Standpunkte unserer modernen Anschauungsweise über Kultus und Gemeinde etwas dunkel, wenn wir jedoch eine kleine Umschau unter den קדזלות halten, deren ursprüngliche מנהגים von der Zeitströnumg verschont

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