Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1887)
- Article
- Amerika : New York [Nachricht]
- Date
- 1887-01-20
- Page
- 47 (sequence 2)
- Language
- German
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griebcn, Die fast aste Juden lieben. DaS sieht doch noch jüdisch aus. Und gicbt uns einen guten SchmanS; Denn alle guten Inden Iicb:n Knoblauchwurst und Gänsegriebcn." Ist das nicht eine würdige Verherrlichuug des MakkabaerfesteS? Würdig des Redakteurs eines jüdischen FamilicublatteS, cineS Rabbiners, eines Direktors eines Nabbincrscminars? Kann der ärgste Judenfeind ein jüdisches Fest schamloser pevflftircu?? G. Ncwlzork, Ende Dezember. Das jüdischtheologische Seminar wird am nächsten Sonntag, den 2. Januar, eröffnet. 3m Hinblick auf die durchaus unjüdische Tendenz der Nabbinerschnle zu Cincinnati unter der Leitung deß Ncsormheldcn Wise bezeichnet eS ja immerhin einen Fortschritt und Sieg der Wahrheit über die Lüge, daß die hiesige Anstalt ausgesprochener Maßen auf ״konservativer" Grundlage errichtet werden soll. Gewiß ist ein hiinmelweitcr Unterschied zwischen Moraiö anS Philadelphia und Wise aus Cincinnati. Trotzdem wird man aber die Hoffnung auf das neue hier ins Leben tretende Institut sehr herabstimmen müssen. Es ist nicht der Geist des einzig wahren JndenthumS, der hier den Jünger unserer heiligen Wissenschaft, den zukünftigen Rabbiner und Lehrer in Israel nnigiebt. Es ist ein hartes Wort, das ich anSsprcche, — ich bin mir dessen wohl bewußt — aber cs ist ein wahres Wort. Ich kann mich der Erkenntniß nicht verschließen, daß לא המדרש עיקר אלא המעשה. Die Ausgabe deö Seminars gipfelt doch darin, eine Pflanzstätte zu sein für eine ächte jüdische Lebensaitschanung und ein acht jüdisches Pflichtleben. Nun besteht doch jene in der Ueberzengung, daß das Indenthum, wie cs unö am Sinai in mündlicher und schriftlicher Lehre gcofsenbart, Bibel, Talmud und Codices uns von der treuen Hand unserer Heimgegangenen Vorfahren überliefert, heilig, unantastbar und voller GeltungSkraft ist. Woraus folgt, daß wir alle unsere Handlungcn, unser ganzes Denken und Empfinden tu! Geiste dieses Judcnlhums und nach dessen Diktation zu vollziehen haben. Diese Ueberzengung soll in den Herzen der Schüler dieses Seminars feste Wurzeln fassen. Ist die Hoffnung berechtigt, daß sic solches bewirken wird? Leider nein. Die jungen Leute sehen z. V. in einer hervorragenden Persönlichkeit, welche in diesem Seminar jedenfalls eine bedeutende Stellung einnehmcn wird, das höchst verderbliche Beispiel einer gesiunungSschwachen Handlungsweise. Ich habe hier den Rabbiner Dr. Kohut Im Auge, welcher als Rabbiner einer ganz extremen Reform huldigt und in Gesinnung, wie man sagt, orthodox sein soll. Da liegt doch die Frage sehr nahe, waö können die Seniinaristen auS-dem Beispiel dieses Mannes, dessen Namen sie rnit Ehrfurcht zu nennen gewöhnt worden, und zu dem sie mit Verehrung emporblicken sollen, als dem nachahmnngswcrthea Vorbilde eines Mnsterrabbinen und Lehrers, für ihre LebenSanschanung und Handlungsweise lernen? Die Antwort liegt ans der Hand, — sie klingt hart, ist aber wahr — Heuchelei, Schwache und Mangel an Gottvertraucn. Heuchelei, weil sie sehen, daß dieser Mann anders handelt als er spricht, — Schwäche, weil sie gewahren, daß dieser' Mann, der mit solcher Emphase das Wort der Cr׳.' Mahnung predigt, zn schwach ist, der Verführung zu wicderstehcn, — Mangel an Gottvcrtrancn, weil sie diesen Mann דן לכף זבות sind, indem sic sagen, waö soll Kohut machen? er har eine gute Stelle, ist Familien-׳ Vater, — wenn er die Stelle aufgiebt, so könnte er in Roth gerathen, und aufgeben müßte er sie, falls er seiner Gcineinde zn sehr cntgcgentreten würde. Wahrlich, ich wollte mich so gerne mit diesem Seminar freuen, ich möchte so gerne in seiner Gründung den Beginn einer glücklichen Acra für das Jndcnthum hierzulande erblicken — aber ich kann mich nicht blind machen, ich kann mich nicht selbst täuschen. — Ist das nicht traurig? Waö könnte hier gewirkt und geschafft werden, so wir nur die rechten Männer hätten, die in der ernster Gesinnung und in achter Begeisterung für das Jndcnthum wirken wollten und könnten! Die junge Anstalt wird hier in den weitesten außcrjüdischen Kreisen mit leb- Hafter Freude begrüßt, und der Jude, dem das Indenthum wahrhaft ernst und thener ist, er steht theilnahmsloö zur Seite, muß theilnahmSloS zur Seite stehen. — Ist das nicht tics schmerzlich? W. Philadelphia, im Januar. Unsere nach Amerika gekommenen Brüder aus dem russischen Reiche haben in jüngster Zeit energische Anstrengungen gemacht, um sich von der Misere des PcdlarvlcbenS $11: befreien. Sie möchten gern frei athmcn in dem freien Amerika, möchten sich einer glücklichen Häuslichkeit er-, freuen, möchten ihre Kinder in der frommen Väterweise erziehen. Deshalb richtete sich ihr Blick auf die weiten Strecken der Union, welche noch der Harke und des Grabscheit harren, um eine Wohnstätte zivilisirtcr Menschen zu werden. Einige Vierzig von ihnen haben sich, wie die Zeitungen berichten, anfgcmacht und sind nach Dakota gezogen. Ich habe Ihnen kürzlich (in Nr. 49 vorigen Jahrgangs) von dem traurigen Znstände der jüdischen Kolonie in Painted WoodS, Dakota, berichtet. Die Lage dieser seit vier Jahren bestehenden Ansiedelung scheint die Leute nicht abgeschreckt zu haben. Sie sollen allerdings ein Jeder zwischen 500 und 1000 Dollar eigenes erspartes Vermögen milnehmen, auch sich mit einem Schochet versehen haben und kräftige, arbeitötuchtige und arbeitsfähige Männer sein, Lheitweise Familienväter. Dakota ist groß, vielleicht haben sie einen günstigen Punkt fürdie Ueberweisung des Landes gesunden. Möge es ihnen gelingen! DaS wünschen wir ihnen von ganzem Herzen.