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Jeschurun · 1887-01-20 · Heft 3 (20.1.1887) · p. 46

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 3 (20.1.1887)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1887-01-20
Page
46 (sequence 1)
Language
German
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Linderung der leiblichen Roth die Herrschast über den Geist zu erlangen und sich zu den Ersten zu machen in den Gemeinden, daß aus ihren Befehl und nach ihrer Weisung sich Alles richte und auch die städtischen und kaiserlichen Behörden ihnen allein das Ohr neige für alle Angelegenheiten, die auf die Inden sich beziehen. Darum gilt cs vor Allem diesem entgegen zu arbeiten. ES genügt nicht, daß wir warnen und mahnen, wir müssen auch schassen. Da sind z. B. die Schulen. Können wir darüber zweifelhaft sein, daß die Jugend außer in der Kcnntniß dcS Gesetzes auch in dem allgemeinen Wissen gut unterrichtet werden muß? Wie soll sic sonst im Stande sein, sich anständig zu ernähren und die heiligen Institutionen zu erhalten? אם אין קמה אין תורה; das war nicht allein zu Zeiten Navbi Elasar bcn Ajarja eine Wahrheit, sondern ist eS noch heute und wahrlich nirgend mehr als gerad^ in Galizien, wo leider der Nothstand unter den Inden sehr groß ist. Wie schön und angemessen wäre es, wenn die Machsike Hadav die Ordnung der Schulen dergestalt übernehmen möchte, daß sie in der That der Jugend die Quelle der תורת und dcS קהה werden könnte! Ich will damit sagen, daß cS dringend nothwcndig ist, die Verhältnisse in unseren! Lande umzngcstalten und in Weisheit zu ordnen. So sprechen wir doch thatsächlich in den! gewöhnlichen Verkehr und für den gewöhnlichen Gebrauch nicht die heilige Sprache. Unsere Urgroßväter haben schon die Landessprache angenommen. Warum sollten mm wir uns nicht Mühe geben, daß unsere Kinder diejenige Sprache reden und schreiben, und zwar gelt reden und schreiben, die die heutige Landessprache ist. So wenig wir nnS besinnen, selbst bei dem Stndiun! deS heiligen Gesetzes nnS derjenigen abendländischen Sprache zu bedienen, die man vor langer Zeit im gewöhnlichen Leben gesprochen, ebenso wenig kann eS doch Unrecht sein, ein reincS Deutsch und Polnisch zu erlernen und so zu sprechen und zu schreiben wie die gebildeten nichtjüdischcn Mitbürger. Hierin kann gar kein Unrecht zu finden sein. Der Jargon ist nicht heilig, ist nicht die Sprache, in welcher unsere Propheten und Weisen, gesegneten AudcnkcnS, gesprochen. Da cS aber unabweisbar nothwendig ist, daß unsere Kinder solches lernen und darin geübt werden, so sic befähigt werden wollen, in redlicher Arbeit zu Nahrung und Wohlstand zu gelangen, — und sie hierzu zu befähigen ist heilige Pflicht der Eltern und Gemeinden — so sollten wir, die wir ״das Gesetz fcsthaltcn", die wir מחזיקי חרת uns nennen, hier das Nothwcndige thun. Wir dürfen cö nicht Andern überlassen; das hieße ihnen das Schwert in die Hand geben, um das Judenthmn zu vernichten. Den Verständigen sei dies für heute cm Genüge. Vielleicht nächstens ein Weiteres. England. V> London, 3 6 Januar. Wie helfen wir den armer? Nüssen, Polen, Rumänen und Ocsterrcichern, welche nach den! freien, indnstricrcichen England kommen, um hier eine bescheidene Existenz durch cinsige Arbeit zu finden? DaS ist in der That die brennende Frage des Tagc-S. Herr Markus Landau, welcher sich sehr eifrig damit beschäftigt, schlägt im Wesentlichen das Folgende vor. Entlastung Londons und der großen Llädte überhaupt von dem großen Arbeiter-Kontingent und dessen Ueberführung auf das Land. Versorgung der Emiganten in genügenden! Maße mit den ersten nothwcndigen Mitteln, und das Hauptaugenmerk aus die Nachweis!! ng von Arbeit gelenkt. In den Fabrikdistrikten und in der Landarbeit kann und wird sich solche finden lassen. Geeigneten Falls errichte inan eine eigene Farm, um die Leute in die Landwirthschast cinznführcn. — DaS der Vorschlag, welcher gewiß sehr bcachlcnSwcrth ist. In der That bieten die große!! Städte zu wenig Gelegenheit für die Erlangung einer Existenz. Mau mache den Versuch und ist hierbei auch durchaus berechtigt, die Hülfe anderer Länder in Anspruch zn nehmen. Die Politik der einfachen Zurückweisung der Emigrantenzüge ist doch eine zu engherzige und führt nicht zum Heil. — Der Idee einer Einwanderung der Inden in Spanien steht man hier ziemlich skeptisch gegenüber. Nach den vorliegenden Bcrichten ist dieses Mißtrauen auch gewiß gerechtfertigt, da jedenfalls sür Masscncinwandcrnng und Arme das gegenwärtige Spanien keineswegs geeignet erscheint. Rußland. Warschau, 3 4. Januar. Die Weisung, bei den Proviantlicfcrungcn sür die Armee die Juden auSzuschließcn, hat sich nicht anSführcn lassen. Es fanden sich leine anderen geeignete Lieferanten als Bcfcnncr dcS IndeulhmnS, und so muß nolens volens die Armee auch ferner von ihnen versorgt werden. A mcrifa. 0. NewYork. Die ״Dcborah" dcS Rabbiner Isaak M. Wese in Cincinnati, die sich eine ״jüdischamerikanische Familienzeitnng" nennt, bringt zur Feier dcü Ehanucka das folgende Gedicht (?) aus der Feder eines gewissen Simon Hecht in EvcnSville, Jnd. Dasselbe lautet also: ״Macht in Eurem')Hause Raum, Für ein'!! schönen Chanuckabanm. Der WcihnachtSbäum kam! nnS nicht laben, Weit wir nicht Weihnachten haben. Wollt Ihr ein gutes Werk beginnen, Müßt Ihr ans jüdisch Euch besinnen, Wo da ist der fromme Geist, DaS heißt — wo man koscher speist. Behängt den Baum mit Knoblauchwurst, Die reizt so angenehm zum Durst; Behängt ihn auch mit Gänse-

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