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Jeschurun · 1887-01-20 · Heft 3 (20.1.1887) · p. 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 3 (20.1.1887)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1887-01-20
Page
45 (sequence 2)
Language
German
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au den UllternchLsmiliister eine Vorstellung wegen des Zwanges der jüdischen Schüler, am Sabbalh ititb Feiertagen zu schreiben^gclangen lassen. In derselben heißt cS u. A. ״Das Judeuthnm kennt weder in dieser noch in anderer religiöser Hinsicht ausnahmsweise oder besonders zu berücksichtigende Fälle. (Es sollte nämlich bei Söhnen von Rabbinern oder Schüler, die dem Nabbincramte sich widmen wollen, eine Ausnahme zulässig sein.) Ein altes göttliches ewiges Prinzip des Zudcnthulns lautet: Ihr sollet eine Lehre und ein Gesetz haben. Das Judcnthum macht keinen Unterschied zwischen Rabbiner und Laien. Es c^iftirt in der ganzen Lehre des IndenthumS kein einziges Gesetz, welches nur für Oiabbincr geltend wäre. Die Gründe, die daher für die Befreiung vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen obwalten, sind für alle jüdischen Schüler maßgebend. — Wir bitten daher, daß alle jüdischen Schüler auf Verlangen ihrer Eltern oder Vormünder einfach seitens der Schuldircktioucn vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen befreit werden. Manche werden glauben, daß hierdurch in unfcrcn Schulen zwischen christlichen imb jüdischen Zöglingen eine neue Scheidewand errichtet würde. Wir fürchten dieses nicht. Seit Hunderten von Jahren galt das Prinzip, daß die jüdischen Zöglinge in den Schulen zur Entweihung des heiligen Ruhetages nicht gezwungen wurden. Die Schulen haben nicht die Aufgabe, die konfessionellen llntcrschiedc zwischen den Schülern durch Zwang zu beseitigen. Diese konfessionellen Unterschiede mögen fortbcste'hcn. Die Schule soll aber ihren Zöglingen cinschärscn, daß sic die abweichenden religiösen Ansichlcu und Handlangen gegenseitig zu dulden und zu rcfpcftivcn haben." J. Aus Böhmen, im Januar. Sie thcilcn in Nr. 51 des vorigen Jahrganges in einer Korrespondenz aus Prag den Inhalt der Petition mit, welche der böhmische Zentralvcrcin zur Pflege jüdischer Angelegenheilen an das Kultusministerium gerichtet hat, um eine gesetzliche Regelung der äußerer! Rechtsverhältnisse der israelitischen Knltusgcmcinden im Sinne der dem böhmischen Landtage und der k. l. Negierung bereits wiederholt vorgetegtcu Entwürfe einer israelitischen Kultusgcmeindcordittlng hcrbcizuführen. In welchem Sinne eine solche von dieser Seite herbeigcwnuscht wird, zeigt am besten die Thalsache, daß in dcnr Statntcncntwurse der böhmischen Landesjudcuschaft שהיטה und ,מקוד nicht unter den für eine jüdische Gemeinde uothwcndigen Einrichtungen sich anfgczählt finden. Liegt dieser Unterlassung ein Versehen zu Grunde? Betrachteten die Verfasser dieses Entwurfs diese beiden Institutionen etwa als so wesentliche Requisiten cinci* jüdischen Gemciude, daß sic eine solche sich gar nicht ohne dieselben vorstcllen konnten und vielleicht in der festgewurzelten Anschauung, daß eine jüdische Gemeinde ohne Fürsorge hierfür gar nicht als eine jüdische Gemeinde zu erachten wäre? Keineswegs. Mit vielem Vorbedacht ist diese Unterlassung begangen worden. Sie wird' in den Motiven uachdrücklichst gerechtfertigt. ES heißt hier nämlich, nran habe aus dem Grunde sich'nicht entschließen wollen, diese beiden Institutionen als obligat zu bezeichnen, weil mau die fortschrittliche Zcitrichtung berücksichtigeu müsse!! Und mit solchen Auschannngen wagt man zu pratcndircn das Interesse dcs Juden- LhnmS wahrzunehmcn?! Karksbnrg (Siebenbürgen), 13. Januar. Hier starb dieser Tage ein!ISjähriger Greis, Abraham Wolf. Derselbe war bis gegen sein Ende im Vollbesitze seiner geistigen und leiblichen Kräfte. Er erzählte mit vieler Befriedigung noch im höchsten Alter, daß ihmin! Jahre 1816. da er noch ein Fuhrgeschiist betrieb, die Ehre zu Thcil geworden war, den Kaiser Franz,- welcher damals unser Kronland bereiste, vor! hier nach' Hermannstadt zu fahren. ש Ans Galizien, im Tcbcth. Wohl ist noch Hoffnung, das; daö heilige Erbe nicht verloren geht ans der Mitte der Enkel großer Ahnen! Also sprach ich freudigen Herzens, da ich die große Versammlung gewahrte, welche in der Hauptstadt des Landes tagte. Dorthin strömte zusammen die Schaar edler Männer, Mitglieder des großen Vereins ״Machsile Hadas". Sie,- die entschlossen sind, die Fahne des JudcuthnmS zu hüten und zu schützen, sic treten, zusammen, um Rath zu schöpfen, was zu thun in diesen schweren Tagen des Abfalls gegen W Bestrebungen irrender Brüder, welche in ihrem Leichtsinn den Weinberg des Herrn zu veruichtcn drohen und die Entwickelung edler Neben zuhemmen sich!!nterfangen. Was in den geweihten Stunden der Bcrathung von den Gottesfürchtige!! beschlossen ist, das niöge zinn Heile verwirklicht werden, auf daß in den gaU,zischen Gemeinden das Licht der Thora nicht erlösche, und die nachfolgenden Geschlechter in gleichem Ernste und gleicher Treue wie die dahin-- gegangenen zu Gott und seinem Gesetze immerdar stehen.- Lasset euch nicht verlocken, thcurc Brüder, von der glcißncrischcn Stimme einer vermeintlichen Weisheit, die euch hinweglockcn null ans dem Heiligthum Gottes, aus ״den vier Ellen der Halacha", die euch den Trunk aus dem reinen Duell, der allein in Wahrheit Labung und Kräftigung enthält, verkümmern will, um euchaus!!!!heiligem Born zu tranken, dessen Wasser, An-׳ faugS süß aber berauschend, das Gift des Todes in sich birgt! Also möchten wir sprechen zu allen denen, die noch achten ans das Gesetz Gottes. Wir dürfennuS der Pflicht aber außerdem nicht entziehen, zu er-, forschen: was uns noth thut. Die Sorge um die Thora ist die voruchmlichste. Worauf sinnen aber die' Irrenden und Abtrünnigen? Sie trachten, durch die

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