Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1887)
- Article
- Deutschland : Leipzig [Nachricht]
- Date
- 1887-01-20
- Page
- 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die ungleich wichtigere, weil weittragende Vedeutung der ״Hacndler-Stiftung" liegt aist deren speziellerer, konfessioneller Seite, ist deren auSgcsprochcner Hauptzweck. Wir lassen die Stiftungsurkunde selber sprechen: .,Hauptzweck der Stiftung ist: Söhne hiesiger unbemittelter israelitischer Glaubensgenossen zu guten Handwerkern heranzubilden, solche also bei der Erlernung eines Handwerks oder eines nützlichen technischen Gewerbes — mit Ausschluß dcS Betriebes von Handelsgeschäften, sowie der gelehrten und rein künstlerischen Fachstudien — in jeder Hinsicht zu unterstützen. Melden sich jedoch Bedürftige aus meiner oder meiner verstorbenen Gattin Familie abstammeude Be- Werber, so sollen diese Berücksichtigung auch dann finden, wenn dieselben und. beziehentlich deren Eltern nicht in Leipzig ihren Wohnsitz haben." Ueber die Art und die Ziele der Verwendung heißt cs in der Urkunde ganz vortrefflich: ״Hierbei geht meine Absicht dahin, daß eine möglichst große Zahl junger Israeliten, nicht etwa bloS einzelne Bevorzugte, zu vorzüglichen Leistungen, ein Jeder in dem von ihm erwählten Fache, hcrangebildet und daß die Würdigen dann auch noch bei ihrer Selbststandigmachuug seitens der Verwaltung der Stiftung mit Nath und Thal unterstützt werden." Der hochherzige Gedanke der ganzen Stiftung wird in folgender Erklärung des Stifters unzweideutig ausgesprochen: ״Mein Wunsch ist: dazu beizutragcn, daß das Handwerk, welches zu allen Zeiten unter unseren Glaubenöbrüdern in hohem Ansehen gestanden, unter diesen wieder befördert und zu Ansehen gebracht werde." Diese ״Hacndler-Stiftnug" ist der hiesigen Jsraelitischen Ncligionsgemcinde durch Zuschrift vom 9. v. M. augctragcn und von dieser unter bcgcistertcr, herzlichster Vcrdankung angenommen worden. Die Verwaltung der Stiftung wird nach dem Wunsche des Stifters von dem Vorstande der Israelitischen ReligionSgcmeindc in Leipzig nach Maßgabe der jeweilig geltenden Gemeindcordnnng geführt. Bei allen Abstimmnngcn über Verwendung von Geldern behält sich der Stifter zwei (Stimmen vor, welche bei seinem Ableben auf seinen Sohn, Herrn Adolph Hacndlcr, übergehen sotten. Und der Stifter selber? Es ist Herr Nathan Haendlcr, Chef der Rauchwaarcnhandlnng N. Haendler L Sohn hier. Bereits seit längerer Zeit hatte dcrseibe den Entschluß gefaßt, zum dauernden Andenken an das lange glückliche Ehclcbcn, welches ihm mit seiner nunmehr (am 22. August v. I.) verstorbenen Gattin Bella gcb. Schapira, beschicdcn war, eine WolMMgkeitS-Stifttmg im Sinne und Geiste dieser seiner Gattin, wie auch seiner eigenen Denkweise entsprechend, zu errichten. — Schon hatte er in seiner bei Gericht niedergelegtcn letztwilligen Versügung darüber geeignete Bestimmungen getrosten. Nun war cS ihm beschicdcn, die geliebte Gattin vor ihm selber aus dem Leben abgcrnfcn zu sehen. Dies bcstinnnte ihn. diese seit Jahren geplante und vorbereitete Wohlthätigkeits-Stistung unerwartet seines eigenen Ablebens und alsbald ins Leben zu rufen. Die Stadt Leipzig kann sich dieser in Gedunkelt und Ausführung wahrhaft großartigen Stiftung nur aufs Herzlichste freuen. Dank und Ehre dem Stifter! Breslau. Der ״Talmudische Lchr-Vereiu", welcher den Zweck hat, jüdisches Wissen zu verbreiten erstattet soeben Bericht über seine Wirksamkeit. Er zählt 122 Mitglieder. In seinem Bercinslokal, in welchem sich eine Bibliothek talmudischer Werke befindet, wird AbendS und Morgens Gottesdienst abgchalten und talmudischcs Studium gepflegt. Etwa sechzig Schüler werden in גמרא und הומש mit רשי unterrichtet. Bier Lehrer sind hierbei thätig, von weichen drei auö Vereins- Mitteln besoldet werden. An jedem Sonnabend findet eine Prüfung von einer dazu angcsetztcn Kommission statt, um den Gang des Unterrichts zu kontrollireu und zu beleben. Zwischen מגהה und מעריב wird alltäglich (außer Freitag und Sonnabend) vom Wochen-׳ abschnitt in allgemein verständlicher Weise ר״ש״י, und nach מעריב Sonnabend und Sonntag גמרא, Montag und Donnerstag מנן אברהם und Dienstag und Mittwoch משניות, vorgetragen. Die finanzielle Lage des Vereins gestattet deutselbcn nur diese langsame Erweiterung der Leistungsfähigkeit, doch ist begründete Aussicht vor- Händen, daß nach und nach das jüdisch-konservative Prinzip des Vereins durch die obwaitende geordnete Leitung auch mit der Zeit finanziell gekräftigt und sonach den Wachsenden Ansprüchen genügen wird. Die Ausgaben überstiegen wesentlich die Einnahmen, doch hat in gerechter Würdigung der Nützlichkeit des Vereins das königliche Polizeipräsidium eine Vcr.'oosung zu Gunsten des Vereins gestattet, durch deren Einnahme das Defizit gedeckt wurde. Als Lehrgegenstäudc werden bezeichnet: 1)ר״ש״י und היי אדם (3;משדות(2 ';חומש; 4)מגן אברהם (5;גמרא. Außerdem sollen noch allgemein verständliche, jüdisch-wissenschaftliche Vortrüge gehalten werden. Bei den Vortrügen ist jede Kritik über Schriften, Lehren und Satzungen, die bei dem gcsetzestreuen Judenthum als unantastbar gelten, ausgeschlossen. Wir wünschen dem schönen Vereine in seinem lobcnswerthen Streben den allerbesten Erfolg. 8 Frankfurt a. M., im Januar. Am 29. und 30. v. M. beging die Realschule der israelitischen Ncligionsgesells'chast ein würdiges, schönes Schnlsest. Wie seit einigen Jahren war die Channckazeit gewählt! worden, um durch eine theatralische Aufführung den