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Jeschurun · 1887-01-13 · Heft 2 (13.1.1887) · p. 31

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 2 (13.1.1887)
Article
[Rezension] / X.
Date
1887-01-13
Page
31 (sequence 2)
Language
German
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31 inneren Beziehungen und seiner Stellung zum Staat und zur nichtjüdischen Bevölkerung. ES ist selbstverständlich, daß diesem Programm nur sehr unvollkommen entsprochen werden kann. Selbst auf dem Gebiete der Bevölkerungsstatistik liegen noch viel zu wenig authentische und in Bezug auf weite Thcile der Erde säst gar keine verlässige Daten vor. Eine Beurtheiluug der anderen in diesen Vorwurf aufgcuommcncn Verhältnisse wird aber fast gar nicht auf unantastbare Thatsachen sich stützen können. Die vorliegende Schrift wird mit Vorsicht zu benutzen sein. Man wird stets wohl zu prüfen haben, wie weit die Urthcile des Verfassers das Resultat aus genügend vorhandenen und reiflich gesichteten statistischen Angaben sind, inwiefern sie auf höchst dürftigen Anhaltspunkten beruhen und wo sie lediglich sich als ganz subjektive Meinungen geben. Wir haben im vorigen Jahrgang Nr. 11 eine Aufstellung der Anzahl der Inden nach den vorhandenen besten Quellen gebracht und verzichten deshalb auf eine nochmalige Wiederholung der VevölkernngSstatistik. Die vorliegende Schrift ׳verfügt über kein besseres Material, als jene von uns mitgcthciltc Statistik benutzt hat. Von der ökonomischen Lage der Juden giebt das Nossig'sche Werk folgendes Bild: England. Größtenthcilö wohlhabend. DaS jndi-. sche Kapital, meistens der Industrie ׳.n׳.d bctn Handel zugcwcndct, wird rascher mngcsetzt als daö nichtjüdischc und erhält sich lange in denselben Familien. Ungleichhciten des Einkommens durch ausgcbrcitetc öffentliche und private Wohlthätigkeit weniger fühlbar gemacht. Juden nchnlen an allen VcrufSartcn Thcil, auch an Staaisütntern. Frankreich. Qckouomischc Lage sehr günstig; Proletariat kaum bemerkbar. Ungleichheiten des EinkommcuS wie oben. Hauptsächlich Handel und Industrie, aber auch in allen anderen AcrufSarlcn thätig. Mehr Aerztc als Advokaten und Ingenieure. — Spanien und Portugal. Oekonomische Lage günstig. -Meist Geldgeschäfte. In Reo Tinte Bergindustrie. — Skandinavien. Gut situirt. — Belgien. Inden leben in Wohlstand; Kauflcutc, Veamto n. A. Drei Ministerialdirektoren. — Deutschland. Der Mehrzahl nach wohlhabend. — Oesterreich. In den verschiedcnen Thcilen dcö Reiches verschieden. Etwa ein Drittel wohlhabend, d. h. mit einem Einkommen von mindestens 2000 Gulden ö. W.; zwei Drittel besitzen entweder ein unbedeutendes oder gar kein Kapital. - Rußland und Polen. Abgesehen von einem scharf abgcgrenzten Kontingente Besitzende, besteht die jüdische Bevölkerung aus rasch anwachscndcn, immer mehr und und mehr zusammcngcdräugtcn, besitzlosen und am Rande der Erwcrblosigkcit stehenden Massen. — Num änicn. Die ökonomischen Verhältnisse durch zahlreiche gesetzliche Beschränkungen in ihrer Eutwickelung gehemmt. Es giebt im Lande 3407 jüdische gegen i486 christliche Handwerker. — dürfet. Größten- 1 Heils arm. — Palästina. Im Ganzen äußerst mißlich. — Persien. Acußerst beklageuSwcrth. . Fragt man aber, ans welchen statistischen Daten diese Angaben resultircn, so erhält man eine sehr wenig befriedigende Antwort. Der Verfasser versteht unter ״wohlhabend" ein jährliches Einkommen von nicht unter 2000 Gulden ö. W. Er weiß aber für seine Schätzung der Vermögenslage gar keine zisfcrmaßige Berechnung aufzustetlen. So tag ihm für Deutschland lediglich ein Eiuschützuugsplau für die Stadt Breslau aus 1874 vor, für die andern Länder aber absolut gar keine tabellarische Aufstellung. ES ist demgemäß das cutworfene Bild von der ökonomischen Lage der Inden nichts anders als der Reflex von Eindrücken, die der Verfasserans der Lektüre ihm zufällig zur Hand gewesener Schriften erlangte. Er hat sich keines- Wegs r.m auSgiebigc-S Material bemüht, welches er sich hätte verschaffen können und sollen, falls er etwas mehr als eine zienilich oberflächliche und dürftige Kompilation liefern wollte. Hierfür nur ein schlagendes Beispiel. Er faßt Belgien und Holland zusammen, weiß aber von Holland fast nichts anzugeben. Belgien hat mn* eine geringe jüdische Bevölkerung, Holland dagegen mindestens eine zwauzigfache. ES ist gewiß lediglich einem Zufälle zuzuschrciben, daß ihm über belgische Verhältnisse einige Notizen vo.rlicgcn; daß er sich aber um solche aus Holland bemühen könnte, ist ihm nicht eingefallen. Wir haben gerade in den Angaben über den Vermögcnsstand, wo cS sich doch mit ganz reale Verhättnisse handelt, zeigen wollen, wie wenig Anspruch auf wissenschaftliche Zuverlässigkeit das Buch erheben kaum Sehr bezcichneud für die ganze Anlage desselben ist auch z. B. daö Folgende. Bei England giebt er an,, daß ein cigcnlhümlicher KonsnntptionSartikcl der Inden die ESrogim sind. DaS stand wahrscheinlich so in irgend einer Schrift, die hier cxzcrpirt ist. Der Leser aber muß die Meinung erlangen, daß mlr die englischen Juden diesen Artikel konsumircn, da diese Angabe bei ckcincm andern Lande zu finden ist, während doch überall von Juden Esrogim benutzt werden. Wie kann man bei einer solchen oberflächlichen Behandlung dem Verfasser vertrauen, wenn er über die geistigen und sittlichen Eigenschaften der Juden ganzer Länder urtheilt? ,, X/,''

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