Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1887)
- Article
- Österreich-Ungarn : Prag [Nachricht]
- Date
- 1887-01-13
- Page
- 30 (sequence 2)
- Language
- German
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christliche Opfer semitischer PersekntionSlust hinzustcllcn. Also einerseits Herr Ncumann als die leibhaftige Vcrkörpernng der semitischen Geißel Europas, anderseits Herr Prcchtlcr als das Martyrium der gcsammten Christenheit. Welch eine Fundgrube publizistischen Stoffes für ein Blatt, das sich die Erlösung der arischen Völker׳ samilic vor dem umsichgrcifcndcn Judcnthume zur speziellen Aufgabe gestellt hat! Natürlich vergaß die Administration des antisemitisches Blattes nicht das ethische Moment mit dem geschäftlichen zn verknüpfen und schickte Herrn Prcchtlcr ein Exemplar der seinen Fall enthaltenden Nunimer mit gleichzeitiger Abonnements- Einladung. Herr Prcchtlcr war höchst erfreut darüber, ohne sein Zuthun der Sache der Christenheit einen wichtigen Dienst erwiesen zn haben, refusirte jedoch das Abonnement dankend mit dem Bedeuten, für einen antisemitischen Proselyten keine rechte Eignung zu bcsitzen, weil er (Prcchtlcr) selbst Jude ist und man hierbei allenfalls bei Direktor Neumann besser fahren könnte, welcher, wie bekannt, der christlichen Religion angchört. Wie nach dieser Eröffnung dem NcdaktionSpersonalc zu Muthe war, dem eine beispiellose SchickjatStücke den Hokuspokus spielte, aus antisemitischem!Übereifer einen Juden gegen einen Christen in. Schutz zu nehmen, kann man sich denken.- (Oesterr. Wochenschrift.) Spanien. W. Von der ״Rückkehr der 3üben nach Spanien" wird in der letzten Zeit so viel gesprochen und geschrieben, als ob cs sich nur noch um die Erledigung einiger geringer Formalitäten handelte, bevor die alten jüdischen Gemeinden Spaniens wiederum neu erstehen und die ganze vierhundcrtjährigc Entfernung der Juden von der iberischen Halbinsel als ein Traum erscheinen würde. Dem dürste jedoch keineswegs so sein. Freilich hat sich ein Komitee gebildet, das den Namen ״Centro cspanol de immigratiun israclita“ führt, mit dein Advokaten und Redakteur des ״Progress»" Herrn Lopez Lapuya an der Spitze. Wenn man den Kundgebungen dieses Herrn sowohl, wie manchen anderen aus diese Angelegenheit bezüglichcn aufmerksam folgt und dieselben mit nüchternem Auge prüft, so möchte man denn doch ernstlich bezweifeln, ob hier nicht Wünsche und Hoffnungen Manches ganz anders erscheinen lassen, als cö der Wirklichkeit entspricht. Gewiß möchte cS von höchstem Interesse sein, wenn den aus östlichen Ländern vor Gewalt oder Unterdrückung flüchtigen Juden in Spanien eine Heimstätte sich eröffnen könnte. Aber cö fehlen dafür wohl noch die nöthigcn Vorbedingungen. Das Komitee verkündet allerdings, daß cS den Zweck verfolge, in jeder großen Stadt eine Synagoge zu eröffnen, jüdische Friedhöfe anzulegen und für die persönliche Sicherheit der Juden die Verantwortung zu übernehmen. Dennoch scheint eS sehr zweifelhaft, ob den Juden die öffentliche Ausübung ihrer Religion gestattet ist. Die von dem Herrn Lnpuya als eine sehr wichtige Entdeckung neuerdings berichtete Behauptung, daß ein großer Thcil der von spanischjüdischen Familien abstammcndcn Israeliten nach dem bestehenden Rechte noch heute in! Besitz deS StaatsbürgcrrcchtS sei, flößt, offen gestanden, kein besonderes Zutrauen in die Ilmsicht und Vorsicht deS Herrn ein. ES ist ja sicherlich richtig, daß nach spanischem Rechte alle in Spanien Geborenen und deren Kinder, selbst wenn diese im Auslände geboren wären, Spanier sind, insofern sie nicht diese ihre Nationalität durch fremde Naturalisirung oder durch Annahme eines außerspanischen Amtes verloren haben. Und dieser Entdcckung legt Herr Lapuya eine große Wichtigkeit bei! Wie viele könnten denn heute wohl ihre Abstammung von einem spanischen Ahn für die Behörden autentisch Nachweisen und darthun, daß seit diesem ersten in Spanien geborenen Ahn keiner seiner Deszendenz in einem anderen Lande natnralisirt worden sei? Nicht ein einziger. — Vorsicht scheint deshalb in dieser Sache sehr geboten. Herr Lapuya räth auch, daß zuerst nur Wenige kommen sollten. Warum? Sind die Bahnen dort schon so geebnet, und ist überhaupt das Land im Staude eine größere 33euölfcntug zn ernähren, dann bedürfte cS doch keiner Beschränkung auf einige Wenige? Wie steht die Negierung zn dieser Frage, und wie ist die Stimmung der Bevölkerung? Würde dieselbe mit jüdischen'Mitbürgern, die ihre Religion offen bekennen und anSübcn, in Frieden leben wollen? Türkei. KoustmlLilwpek. Wie dem ״Hajoez" berichtet wird, ist hier kürzlich ein jüdisches Hospital, an welchem cS bis dahin mangelt!:, eröffnet worden. Material icu zur Statistik des jüdischen Stammes. Von Alfred No ff ig. Wien 1887. Karl Kon egen. Diese Schrift will versuchen, daS bereits über die jndijche Statistik vorhandene Material zu ordnen und zn bereichern. Sie will so weit als möglich die Bevölkernngsstatistir, die ökonomische Lage, daö gesellschaftliche, politische, ethische und geistige Leben dcS gcsammten jüdischen Stammes, nach Ländern gruppirt, behandeln. Ebenso das Vcrhältuiß desselben in seinen