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Jeschurun · 1887-01-13 · Heft 2 (13.1.1887) · p. 29

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 2 (13.1.1887)
Article
Deutschland : Breslau [Nachricht]
Date
1887-01-13
Page
29 (sequence 2)
Language
German
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der verewigte Rabbiner Gedaljc Tiktm נ״ע dieses Amt brciuubotcrjig Jahre verwaltet. Der WahlmodnS für den geeigneten Nachfolger bedarf der Erörterung. Und hierfür dürfte ein Präzcdenz-Fall anS dem Jahre 3 830 maßgebend sein. Eine Bereinigung von fünfzig Notablen der Gemeinde drückte damals in einer Petition an den ״Obcrvorstand" den Wunsch ans, ans die Vedürfnissc der Zeit Rücksicht nehmen zu wollen und in das Nabbinat als Beisitzer einen Mann zu berufen, der mit rabbinischcr Gelehrsamkeit deutsche Bildung verbindet. Diese Bereinigung!hat noch mehr, sic nominirte in 1)r. Abraham Geiger ihren Kandidaten. War vor nunmehr fünfzig Jahren den reformistischen Bestrebungen zum Siege verhals, daS sollte auch jetzt den konservativen GcmcindcmitgLicdern nicht versagt sein. Genau nach diesem Vorgänge hat sich jetzt eine Anzahl gesinmmgStüchtiger Männer ans der Mitte der konservativen Partei znsanuncngcthan, um unter Darlegung der Erfordernisse ihrer Partei an den Gemcindevorstaud das Ersuchen 31t stellen, ihnen gestatten zu wollen, diejenigcn Gelehrten bezeichnen zu dürfen, aus deren Reihen sie ihren religiösen Führer erwählt zu sehen wünschen. Dieses Gesuch, dem jede Agitation fern liegt, hat nun so begründetere Aussicht aus eine günstige Ausnahme Seitens des BorsiandeS, als cS in dessen Intentionen liegt, in de!n neu zu erwählenden Rabbiner die orthodoxe Gemeinde VrcSlan voll und ganz zufrieden zu stellen. Möchten diese Zeilen die Anregung dazu sein, daß die bevorstehende Nabbinmvahl zum Segen der Gesammtgcmeindc anSsalle!׳ Oesterreich-U ngarn. 0. Wien, 9. Januar. Der rumänische Minister Sturdza weilt hier, um mit der österreichischen Regicrnng wegen dcS Abschlnsseö eines Handelsvertrags zu verhandeln. Daß der mächtige Kaiscrstaat von dem jungen Königreiche die bestmöglichen Zugeständnisse verlangen wird, ist selbstverständlich. Sollte cs aber nicht auch an der Zeit sein, daß man hier mit aller Entschiedenheit die Forderung stellt, das; die osterrcichischcn Staatsangehörigen jüdischen Bekenntnisses derselben Rechte in Rumänien theilhaftig werden, wie die andern österreichischen Bürger, und dafür die bündigsten Kantelen vorgesehen werden, daß nicht den jüdischen Oesterrcichern seitens der rumänischen Regiernng ihr Bekenntniß entgcgcngehaltm wird und sie unter diesen! Titel der gleichen Rechte vcrbuslig gehen? Wenn Oesterreich sich auch nicht in . die inneren?lngelcgcnhcitcn Rumäniens cinmischcn kann, und sich deshalb außer Stande sicht, den unterdrückten und rechtSbcranbtcn Inden in Rumänien zu Helsen, so hat cs doch die unabweisbare Pflicht, dafür zu sorgen. daß seine jüdischen Angehörigen nicht rnmänischcr Willkür und Barbarei zun! Opfer fallen. Unsere Negicrnng hat die Macht, daraus zu dringen, daß.die österreichischen Inden in Rumänien als Oesterrcichcr geachtet und geschützt werden. Für sic wenigstens dürste keine Ausnahme bestehen, die die rnmänischc Regierung ihren eigenen jüdischen UntertHanen zubilligt. ES ist allerdings wohl nicht zu bezweifeln, daß Rnmänicn nicht so leicht einem solchen?lnsinncn österreichischer SeitS entsprechen, viclinchr vorschützcn wird, cS könne doch die österreichischen Juden nicht besser als die eigenen stellen,?tun, mit einem Staate, der so inhuman gegen seine Untcrthancn verfährt, kann inan doch nur so verhandeln, wie man auch mit den Regierungen von afrikanischen Staaten und Südjccinscln paktirt. Deren einhcimischc Gesetze kümmern die zivilisirten Staaten nicht, und sic wissen sehr wohl ihre Angchöngcn vor der Gefahr zu schützen, auf gleichem Fuße, wie z. B. die glücklichen Untcrthancn dcö Kaisers von Dahomcy von diesem, behandelt zu werden. Also müssen auch die Regierungen zivilisirter Staaten bei Abschtnß eines Vertrags mit DCuniäuicn ihre Bürger zu schützen bedacht sein. Möchte doch von geeigneter Seite in' diesem Sinne bei den׳. Herrn Minister gewirkt werden. ES würde damit nicht allein den österreichischen Juden, welche mit Rnmänien in Beziehungen stehen, sondern auch den unglücklichen rumänischen Glaubensgenossen ein wichtiger Dienst bezeigt werden. * Gra.;, 5. Januar. Die gestern Abends hier unter Vorsitz des Stadtraths Marnfslg abgehaltcnc Tonfiiiuircnbc Versammlung der den! Gremiun! der Kanfmannschast angehörcnden HandlnngSgehülscu nahm einen überaus stürmischen Verlauf und endete mit den! Siege der antiscmilischcn Partei. Schließlich kam cS zu Thätlichkeitcn, so daß die SichcrhcitSwachc intcrveniren mußte. Einer der Provokateurs, welcher auch in Wien eine ähnliche Versammlung fast unmöglich gcinacht halte, wurde gewaltsam ans dein Saale gcscbafst. Einige Exzedcnten wurden verhaftet. (N. fr. Pr.) * Prag, 5. Januar. Die folgende Geschichte, die den Vorzug für sich in Anspruch nimmt, blichstäblich wahr zu sein, wird hier viel belacht. Deutsche Blätter brachten die Nachricht, der hiesige Schauspieler Heinrich Prechtlc r sei vom Direktor Angela Ncnmann in Prag eines von! Zaune gebrochenen Anlasses wegen mit einer cnipfiiidlichcn Strafe belegt worden. Die Nachricht erwies sich als eine Erfindung und wurde auch von einem Berliner Blatte in aller Form dcmcntirt. Vcvor jedoch daS Dementi zur Veröffentlichung gelangt war, hatte sich ein in Frankfurt a. M. erscheinendes antisemitisches Blatt des Gegenstandes bemächtigt, um sich an den! angeblichen Inden Direktor Nemnann zu reiben und den Schauspieler Prcchtler als das arglose

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