Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1887)
- Article
- Bilder aus Australien
- Date
- 1887-01-13
- Page
- 20 (sequence 2)
- Language
- German
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Beifall übertragen. Nur schade, daß er sich veranlaßt sah, noch ehe er die richterliche Thätigkeit antrat, abzndankcn. Die Ernennung scheint unter den andern drei Richtern Neid hcrvorgernfcn zu haben, in Folge dessen sic Aeußcrnngen fallen ließen, die Herrn SalomonS zur Ablehnung, oder vielmehr Abdankung bestimmten. Dies wurde allgemein sehr bedauert, und von Seiten der übrigen Advokaten, sowie auch des allgemeinen Publikums und der Presse, wurde alles Mögliche aufgebotcn, Herrn SalomouS zur Rücknahme seiner Abdankung zu bewegen. ES war aber vergebens, er beharrte ans seinem Entschlüsse. Indessen ist der Vorfall insofern für unö Inden genugthuend, daß er uns den Beweis liefert, wie hier ^n Lande wahres Verdienst, ohne Rücksicht ans Religion oder Nationalität, seine gebührende Anerkennung findet. Und dies veranlaßt mich zunächst, Ihnen von unseren sozialen Verhältnissen Einiges nntznthcilen. Gott Lob! unter dem Szepter unserer allverchrten Königin kennt man keinen Neligions- oder Rassenhaß. In den anstralisehen Kolonien namentlich wirken alle Klassen harmonisch znnk allgemeinen Wohle zusammen. Selbst die bedancrnSwerthen Streitigkeiten zwischen Engländern und Irländern, von denen man daheim so viel hört, werden hier weislich und sorgsältig vermieden. Unser Staat, oder vielmehr unsere Kolonien, kennen nur Bürger, und alle Religionen haben gleiche Rechte. In Folge dessen finden Sie hier Juden in allen Zweigen menschlicher Thätigkeit. Wir haben hier jüdische Kauftcute, Aerztc, Advokaten, Bauleute, Professoren, Lehrer n. s. w. Niemand braucht sich seiner Religion zu schämen. Niemand sieht sich in der Ausübung derselben gehindert. Wer das LandeSgesctz beobachtet, dem garantirt das Gesetz die unifasscndste Sicherheit. Eine StaatSrcligion giebt cS nicht. Bis vor wenigen Jahren wurde jeder NeligionSgcnossenschaft ein jährlicher Zuschuß vom Staate gezahlt, was auch unseren Glaubensgenossen zu Gute kam. Dieses Gesetz wurde indessen abgeschafft, und heute trägt der Staat nur noch zu den Kosten der Armcnvcrwaltnng bei. So bezieht der hiesige Wohlthätigkeitsvercin הברת עזרת אביונים einen jährliehen Zuschuß von 450 Pfd. St., während die Spenden, die den! Vereine von den Juden selbst znfließen, sich auf 500 Pfd. St. belaufen. Ich werde indessen von unseren WohlthätigkeitSanstalten später zu sprechen kommen. WaS die Beschäftigung unfcrcr Glaubensgenossen au bet risst, so habe ich dem oben Gesagten noch hinzuznfüge-n, daß man auch hin und wieder jüdische Ackerbauern antrifst. Dieser Berus ist indessen nicht beliebt und zwar aus natürlichen Gründen. Wohl steht eS Jedermann frei, 320 Acker von den: Gouvernement zn übernehmen, wofür er eine kleine Summe, in viele kleinere Abschlagszahlung vertheilt, zu entrichten 'hat, wodurch im Laufe der Zeit daö Land sein Eigenthum wird. Allein diese Beschäftigung ist sehr mühevoll, und im günstigsten Falle lohnt sie sich kaum. Während der ersten Jahre kann man ans keinen Ertrag rechnen, denn das Land ist im Urzustände, muß von Bäumen befreit, umzännt, dann, beackert und besät werden, und wenn dann keine WasserSnoth oder öftere Dürre die Rechnung dcö Landwkrthö verdirbt, so ist zu befürchten, daß die Kaninchen, die hier zur schrecklichen Plage geworden sind, die Saaten anfzehrcn möchten. Zu all diesen Schwierigkeiten kommt noch hinzu, daß Inden, die sich dem Landbau unterziehen, weit im Innern des Landes wohnen müssen, Hunderte von Meilen von ihren Glaubensgenossen entfernt, wo sic weder Speisegesctze noch Festtage beobachten können, und wo cS ihnen Jahre lang unmöglich ist, einen! jüdischen Gottesdienste beizuwohnen. Ueberhaupt ist Australien mehr zur Schafzucht als zum Ackerbau geeignet. Aber auch mit der crstercn haben sich unsere Brüder wahrscheinlich auö religiösen Gründen wenig oder gar nicht befaßt. Sie!eben meistens in den Städten und nur einzeln auf den! Lande. Ihre Anzahl dürste sich wohl auf 10 000 Seelen belaufen, wovon 4000 ans Victoria kommen. Mit ihren Mitbürgern leben sie auf den! frenudschastlichstcn Fuße. Inden und Christen helfen einander bei Unterstützung ihrer Armen. Jede Kolonie hat ihr eigenes Parlament, und in jedem derselben haben wir jüdische Abgeordnete. Auch in den Mnuizipalvcrwaltnngen haben wir Bekenner der ji'rdo schen Religion. Vor mehreren Jahren war ein Jude Mayor von Melbourne, und um ein Weniges wäre dies im laufenden Jahre wieder der Fall geworden. Mehr als ein Jude hat schon eine Ministcrstelle bekleidet, und wenigstens zwei unserer australischen Glaubensgenossen wurden im Laufe der Zeit in den Adelsstand erhoben. So haben wir denn, waö unsere soziale Stellung aubetrifft, durchaus keine Klage. Wir .leben im Lande der Freiheit und genießen dieselbe im vollen Maße. Ucbcr unsere religiösen Verhältnisse ein anderes Mal. איש ימיני. i*i Kollektiv-Berichte ans Ungarn. lii. Aus Erteil ist nichts konstant, so auch nicht die ״stehende Rubrik" unserer Berichte. Wir!nachen seit einen! Jahre nur in kürzeren oder längeren Intervallen unsere Reverenz — zur Freude der Einen und — ohne unsere Absicht — znm Acrgcrnisse der Andern. O, wir! kennen unsere offenen oder geheimen Freunde und Gegner