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Jeschurun · 1887-01-13 · Heft 2 (13.1.1887) · p. 18

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 2 (13.1.1887)
Article
Das neueste Manifest der Chrilich-Sozialen
Date
1887-01-13
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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18 Verachtung" aussctzt. In der That wurde sie als! solche auch von preußischen Gerichten geahndet. ״ j Diese Zeit der ״tiefen Gcsuukenheit des Volkes״ ist glücklich überwunden. Dank der Wirksamkeit der Christlich- Sozialen und ihres Führers. Sie haben eS gewagt, die Feindschaft nicht nur, nein den Kampf gegen das Judeuthum, als deS deutschen und christlichen ManncS würdigste Ausgabe zu verherrlichen und cs verstanden, für diese neue Doktrin Gläubige in großer Anzahl zu gewinnen. Da sollten sie nicht jubeln? Sie haben in weite Kreise eine vollständige Umkehr der Begriffe bewirkt. Als Tugend gilt was ehedem das Licht der Oeffentlichkcit scheute. Die Saat der Zwietracht ist auf fruchtbaren Acker gefallen, und gerade die Kreise der Bildung haben sich der von ihnen geschwungenen Fahne in Hellen Haufen augcschlossen. Da sollten sie nicht jub.eln? Man fühlte cö, daß es Herrn Stöcker voller Ernst gewesen, als er am 3. Januar d. I. diesen Empfindungen freien Lauf ließ und stolz rühmte, daß seine Partie zu allererst den Kampf gegen die ״jüdische Uebcrmacht" begann. Freilich existirt diese nirgends. Aber war nicht auch der edle Ritter Quixote stolz auf seine Feldzüge gegen eingebildete furchtbare Feinde? ״Wem; wir aufhörcn, würde der Hexensabbats) des bösen Geistes bald wieder losgehen!" rief Herr Stöcker den Scinigcn zu. ״Wir werden von unserer Position in der Bekämpfung des JudmthumS nicht zurücktrelcii!" Und rauschender Beifall zeugte von dem innigen Seelenbündniß, welches Führer und Partei miteinander unauflöslich verknüpft. Da spreche keiner von dem Niedergang des Antisemitismus. Er besteht und führt ungebrochenen MuthS den Kamps gegen das Judeuthuul auch fürderhin weiter. Wir haben demselben nichts eutgegenzusetzcn als das Vertrauen auf Gott, als die Bitte zu Gott. Wir Juden sind ohne jegliche Macht den gewaltigen Gegnern gegenüber. Es gicbt keine lächerlichere, plumpere Lüge als die Faselei von einer ״jüdischen Uebermacht." Das Vertrauen auf Gott aber macht uuö stark und rettet uns vor Verzweiflung und zaghaftem Kleiumuth. ״ .(*ריבה ד' את יריביStreite Du, o Gott, mit meinen Gegnern", rust Israel auch in der Gegenwart, wie cS aus feinem Munde durch der Jahrhunderte Nacht tönt. Sprich nlcinem geängsteten Gemüthc Trost zu, אמר 0״ לנפשי ישעתן אני sage cs meiner Seele, deine Hülfe bin Ich!" DaS allein unser Trost, unsere Zuversicht gegen die Uebcrmacht der Feinde, gegen die חשבי ר^תי, die unaufhörlich auf Mittel und Wege sinnen, wie sie über ») Psalm 35. - - uns Unheil und Verderben bringen können. Wir wissen cS, daß Gott unsere Hülfe ist, daß ihre Ranke vereitelt und ״wie Spreu vor dem Winde" dahingewirbelt werden. Wie dunkel sich auch das Geschick gestaltet, wir wandeln lichte Bahnen. . Gott ist mit uns, Gott, bei dem der Quell des wahren, nimmer verlöschenden Lichtes ist, das auch unfern Pfad erhellt. DtzNls pte!%cr#nrn!np. *) In Betreff der unter dieser Ueberschrift in der letzten Nummer des vorigen Jahrgangs dieser Zeitschrift an die Besprechung einer Predigten-Sanunlung geknüpften Betrachtungen wird den! Verfasser deS Aufsatzes von Seiten der Redaktion ein derselben von geachteter Seite zngcgangcncs Schreiben mitgctheilt,in welchem darüber Beschwerde geführt wird, daß von mir ein so herber und rückhaltloser Tadel über die homiletische Verrenkung deS Schristtcxtes ausgesprochen wird. Der geehrte Beschwerdesührer meint, man müsse dann auch die Hälfte aller agadischen Auslegungen im Talmud und Midrasch streichen. Er weist darauf hin, daß einige von mir als abschreckende Exempel mitgctheilte Erklärungen gar nicht Eigenthum des Verfassers sind, sondern sich bereits im Taliuud und Midrasch finden. Er gesteht andererseitS aber auch zu, daß er weit entfernt sei, alle als Geschmacklosigkeiten angeführten Beispiele vertheidigcn zu wollen, da manche das erlaubte Maß der freien Benutzung der Vibclverse weit überschreiten. Ich erlanbc mir, dieser Beschwerde das Folgende in Kürze gegenüberzustellen. Der Verfasser der von uns besprochenen ״Sabbath- Reden" will in denselben die Jugend mit den Worten der Schrift vertraut machen. Da möchten wir denn doch ernstlich fragen, ob cs nicht geradezu nnvcrantwörtlich ist, in derartiger Weist den Text den Kindern zu erläutern. Ich bin fest übcrzengt, daß der Herr Beschwerdeführer sowohl wie jeder Verständige cs aufs Schärfste rügen muß, wenn also den jugendlichen Zu- Hörern alles Andere, nur nicht das Verständnis; des Gottcswortes vermittelt wird. Herr KarpelcS hat die Reden ausdrücklich ״für die israelitische Jugend" bestimmt zur Erläuterung ״der Wochenabschnitte des Schuljahrs". Wie durfte er da zu dergleichen AuS- *) Anmerkung bet Redaktion.. Durch diesen Aussatz finden auch die uns von Herren W. in M., A. S. Sch. in Sz., Dr. C. in L., Dr. F. in N., S. H. in N. und Or. K. in H. zu demselben Thema später eingcgangenen Mittheilnngen ihre Erledigung unsererseits.

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