Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1887)
- Article
- Belgien : Antwerpen [Nachricht]
- Date
- 1887-01-06
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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15 dahin wirken, daß Gesetze in diesem Geiste erlassen werden. Es sollen sich überall Komitees bilden, welche durch Masscnpctitioncn die Annähme dieser Beschlüsse fordern." ״Angesichts dieser Beschlüsse dcS vorhin erwähnten Kongresses und in Erwägung, daß die Zeitungen dieselben als etwas BemerkcuSwertheS veröffentlicht haben, ohne jedoch dagegen Verwahrung ciuzulcgcn, — daß die Abhaltung eines antisemitischen Kongresses in einem zivliisirten europäischen Staate nicht allein eine Belcidiguug der menschlichen Vernunft, sondern auch eine Leugnung der Menschenrechte ist, — daß die barbarischen und rohen Beschlüsse dcö Kongresses die Folgen einer durch den schädlichen Einfluß religiöser(?) Lehren hervorgerufene Abnahme dcö menschlichen Gehirnes ist, — daß diese dem grausamen Ziele der Pricstcrkastc aller geschichtlichen Zeiten entsprechend, Feindschaft und Zwietracht unter den Menschen vermehrt, den vaß unter den Burgern entflammt und zu einer allgemeinen Verfolgung einer bestimmten Kategorie unserer Menschenbrüder auffordcrt, — daß, nicht allein damit zufrieden, Grundsätze der Ausschließung zu verkünden, welche dem neunzehnten Jahrhundert zur Schmach gereichen, der .Kongreß auch die Negierungen indirekt auffordcrt, auf gesetzliche Weise gegen friedfertige und harmlose Menschen das grausame Walten der rohen Gewalt gelten zu lassen, — legt die frcigcistige Gesellschaft ״La libre pensäe d’Anvcrs" feierlichst Verwahrung im Namen des natürlichen Rechts gegen diesen Kongreß ein, — überantwortet diese rohe Erklärung der Dervchmung seitens der Hnrnanität, — und fordert alle Negierungen auf, Maßregeln zu ergreifen, um deren Ausführung zu verhindern. Diese Verwahrung soll zur Kcnntniß aller freigeistigcn Gesellschaften mit dem Ersuchen gebracht werden, derselben beizntretcn und ihr die weiteste Verbreitung zu geben." Rumänien. * In Verlad lebt ein 117 Jahre alter Greis, N. Schlome, welcher noch ganz rüstig ist. Er hat einen sehr gesegneten Appetit und gesunden Schlaf. Noch vor wenigen Jahren hat er als Vorbeter und Baal-Kore beim Gottesdienste fungirt. Als er 95 Jahre alt war, verlor er seine Frau. Er hcirathete wieder und erlebte noch neue Vaterfreudcn. Rußland. ׳ Warschau, 29. Dezember Der ״Pos. Zlg." wird berichtet: Gleichwie in anderen polnischen Fabrikstadten ist auch in Lodz die Verfügung des Finanz- Ministers zur Kenntniß gebracht worden, wonach ausländische jüdische Kaufleute, die keine Berechtigung zur Ausübung ihres Gewerbes in Rußland haben, ansgewiesen werden sollen. In Lodz würde eine derartige Maßregel in Anbetracht der zahlreichen Menge auSländischer Kausb'utc und Fabrikanten weit nachhaltigere Folgen haben, als andcrSwo. Es herrscht demnach in der Lodzcr Geschäftswelt eine begreifliche Aufregung, zumal da außer den jüdischen Industriellen auch viele chr-istlichc Kanflentc von der Ausweisung bedroht sind, die als Agenten und Missionäre seit Jahren in Lodz ansässig sind. ES ist nämlich in Rußland allen ausländischen Kanflentc!! jede Art von GcschäftSvermittclung untersagt; doch ist sowohl dieses Gesetz als das crstcre bisher in Polen nicht zur Anwendung gebracht worden. Die Lodzcr Lokalbchördcn haben bisher mit der AuSsührnng dieser Gesetze in Folge des in der Geschäftswelt entstandenen Schreckens gezögert und hierüber an die Vorgesetzte Gouvernements-Regierung in Pctrikan berichtet, welche daraufhin den Stcucrinspeklor Baron Tictcnhansen zur Prüfung der Sachlage nach Lodz ententsandt hat. Nach anderen Mittheilungen erstreckt sich diese Maßregel nicht auf Kanflentc allein, sondern auf alle deutschen Inden, cö sei denn, daß sic ein Patent erster Gilde lösen, was aber nicht weniger als 700 Rubel kostet. — Es (oft anss Nene in der Provinz scharf gegen die Zuwiderhandlung des Kleider- und Haar-Verbots vom Jahre 1351 (luagc Röcke und Schläfelocken) vorgcgangen werden. fts Kiew, Ende Dezember. Allen in Brennereien und Brauereien angestellleu Inden, welche nicht ganz speziell HandwerkSarbcitcn verrichten, ist der Befehl zngcgangen. unverzüglich die Stadt zu verlassen. Tscherknssi. In der hiesigen Znckcrfabrikation sind seit Jahren an 150 Inden beschäftigt, welchen stets das Zcngniß pünktlichster und nüchternster Arbeiter ausgestellt wurde. Nun hat aber ein Wechsel in Person dcö Inspektors statlgefnndcn. Der Neuangestellte, ein Deutscher antisemitischer Farbe, hat dieselben Plötzlich ollcsammt entlassen. So incldct der ״WoSchod". . Palästina. ״Der ״Haba;alcth" warnt ernstlich vor der AuS- Wanderung nach dem heiligen Lande. Die Behörden verfahren mit aller Strenge gegen Diejenigen, welche nicht mit Legitimation für den bleibendeu oder längern Aufenthalt daselbst versehen sind.