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Jeschurun · 1887-01-06 · Heft 1 (6.1.1887) · p. 13

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 1 (6.1.1887)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1887-01-06
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Frage der Abwehr." — 9m klebrigen aber ist cs außerordentlich bezeichnend für die Gcsinnnngstüchtigkcit der ״Krcuzzeitmig", daß dieses christliche Blatt par exccllcnce sich nicht scheut, einen Gewährsmann wie Wahrmund anzucrkenncn, welcher die Authentizität und Göttlichkeit der Bibel, die ja die Basis des Christenlhunis bildet, in der frivolsten Weise ncgirt. M. Karlsruhe i. V. Ein Thcil der hiesigen israelitischen Religionsgesellschast war in der Lage, am verflossenen ,־״,ran seiner Freude über das Vollenden von מס׳ '&י:ת in einer sehr schönen L'i^-Feicr Ausdruck geben zu können. Wenn auch der Bestich gerade kein zahlreicher genannt werden konnte, wiewohl der Gastgebcr Herr Bankier S. Straus, wie inimcr, Alles in freigebigster Weise ausbot, um es dem Feste au nichts fehlen zu lassen, so waren doch diese Wenigen von solcher Glaubcnsinnigkeit durchweht, daß sich dadurch der Mangel. deckte. Herr Rabbiner vr. Schiffer, Lehrer der י־ש׳ם הברה, schloß den Traktat ימבה recht sinnig, so daß sich Herr Rabbiner N. Wcill veranlaßt fühlte, die Gesellschuft zu einer Aeußernng der lebhaften Anerkennung der Verdienste unseres Rabbiners um die Hebung des ThorastndiumS aufzufordern, der gern Folge geleistet wurde. Ebenso freudig wurde auch dem hochherzigen und weit bekannten Gastgeber Anerkennung gezollt. ,אחרון אהרון הביב, den Glanzpunkt dieses Abends bildete der geistvolle und gewandte fast zweistündige Vortrag ׳des Herrn Goldbcrg stnd. mcd. zu Heidelberg. XX Aachen, 26. Dezember. Am zweiten Chanuckatage feierte eine der edelsten Frauen der hiesigen Gemeinde, Frau Nahe! Fieber mann, ihren neunzigsten Geburtstag. Die ehrwürdige Greisin erfreut sich noch einer seltenen geistigen Frische und körperlichen Oiüfticjfctt. Sie gilt als ein Muster eines ächten jüdischen Bicderweibes, welches in der Ausübung von Werken zartsiunigcr und frommer Menschenliebe die höchste Vefriedigung findet. Sie ist auch in dieser Hinsicht die ihres verstorbenen Gatten ebenbürtigen Gattin. Mit ihm in langer glücklichster Ehe vereint, war sic gleich ihm unermüdlich thätig, zu rathcn zu helfen nnd'znr Hülfe anzuregcn, wo immer cs im Kreise unserer Gemeinde noth that. Was der Gatte, der noch heute in hohen Ehren genannte Abraham Ficbcrniann ^"7, welcher vom Jahre 1820 bis 1861 an der hiesigen israelitischen Schule, der ersten öffentlichen jüdischen Elementarschule Preußens, im Kreise der Männer wirkte, das übte sie unter den Frauen. Insbesondere hat sie auch um die הברה ממיס sich bleibende Verdienste erworben. Wie der Gatte ernste jüdische Gewissenhaftigkeit mit achter Bildung verband, so zeichnet auch sie der alte fromme Sinn aus, welcher in der Gestaltung eines wahrhaft jüdischen HauseS in die Erscheinung tritt. Männer- und Frauengestalten wie das Fiebcrmann'schc Ehepaar und Häuser wie das ihre werden immer seltener. Von der großen Vcrchrung und Liebe, welcher Frau Fieberinann sich zu erfreuen hat, zeugte die allgemeinste Theitnahme!der ganzen Gemeinde an ihrem neunzigsten GeburtSfeste. Unter manchen andern Ovationen, die ihr erwiesen wurden,, hat wohl keine sie also beglückt, wie ein prachtvolles Angebinde, welches sämmtliche Frauen der Gemeinde ihrer würdigen Scniorin widmeten. * Jnstrow (Wcstpr.), 29. Dezember. In der verflossenen Rächt ist die hiesige Synagoge nicht allein bestohlen, sondern auch dnrch Besudelung des Altars geschändet worden. Die Verbrecher sind durch ein Fenster cingcstiegen, nachdem sie die eiserne Vergitterung aus dem Mauerwcrk herausgebrochcn hatten. Daraus haben ' sie sämmtliche Opferbüchsen erbrochen und ihres Inhaltes beraubt. Auf die Entdeckung der Thätcr ist nach der ״N. W. M." eine Belohnung von 50 Mark ausgesetzt worden. * Ans Schlesien, 30. Dezember, wird der ״N. Pr. Ztg." geschrieben: Ein Unikum in ihrer Art. ist die Stadt Loslan im Kreise Nybnik. Dieselbe zählt 1900 katholische, 280 jüdische, 100 evangelische Einwohn er; das StadtverordnetemKolleginm besteht aus 10 Katholiken und 8 Juden. Oesterreich- U ׳.׳. gar n. * Wien, 31 Dezcnlbcr. Ende vorigen Monats erschien ein bejahrter Arbeiter unter der Anklage vor Gericht, dem Direktor der Fabrik, bei welcher er bcschäftigt war, einen Drohbrief geschickt zu haben. Die Verhandlung gegen ihn wurde vertagt, weil eine Anzeige cingelaufen war, wonach sein Sohn der Schreiber jenes Brieses war. Der Sohn wurde ernirt und verhaftet. Da ergab sich nun, daß derselbe junge Mensch in cincnt Vororte Wiens eine Fabel kolportirt hatte, welche in einzelnen Kreisen der Bevölkerung dieses OrtcS Aufregung hcrvorricf. Er halte nichts Geringeres kolportiert, als daß ein jüdischer Arzt sowie ein jüdischer Oberlehrer sich an die Spitze einiger Inden gestellt hätten, welche den Versuch machten, ihn in den Tempel der Gemeinde zu locken, wo irgend ein Attentat an ihm verübt werden^ sollte. Dieses alberne Gerücht, welches׳ durch die syiicmatischc Verbreitung von Person zu Person ging, hatte sogar zur Folge, daß der erwähnte Arzt von einigen Leuten niedriger Bildungsstufe ernsthaft bedroht wurde. Die cingcleiteten Erhebungen ließen cs als wahrscheinlich erscheinen, daß der junge Mensch geisteskrank sei und in solchem Zustande dieses Märchen erzählt habe, obwohl es auch nicht völlig ausgeschlossen ist, daß er die Geschichte nur zu seinem Vergnügen und aus Bosheit ersann. - Derselbe befindet sich gegenwärtig unter Beobachtung der psychiatrischen Sachverständigen des LandcSgerichteS; bis zur Abgabe dcS

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