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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1839-01-01 · Heft 2 · p. Seite 298

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1839
Issue
Heft 2
Article
Emancipation [Nachricht]
Date
1839-01-01
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
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298 Nachrichten.' Orten, wo man stch , Hedem so entschieden dafür ausgesprochen hatte, Baiern und Sachsen, hörte man jetzt gar seltsame Reden führen. Ader auf der andern Seite ist die Frage zu sehr mit der Humanität im Allgemeinen verknüpft, als daß man, selbst ohne in das Gebiet der höheren politischen Ideen sich zu erheben, sie hätte von sich weisen und als daß sie das gleiche Schicksal mit diesen hätte treffen können. ES handelt sich hier nicht um die Erlangung von Rechten, welche nur Bürgschaften leisten sollen- oder welche nur mittelbar auf das Leben einwirken, es handelt sich vielmehr um solche Rechte , welche den ganzen Zustand der Juden bedingen. Wäre eS auch nur die Verweigerung einer gleichen Anerkennung von Seiten des Staats, über welche die Juden zu klagen hätten, und führte diese scheinbar nicht die geringste Beeinträchtigung im Leben mit sich, so wäre auch sie nicht bloß ein abstraktes Gut, da die Juden hiedurch in allen geselligen Verhältnissen als eine zuriickgesetzte Classe sich fühlen müßten, und dieses muß das Wohlsein derselben in vielen Beziehungen vermindern. In der That aber sind die Beschränkungen alle materieller Art, von der Versagung der Wählbarkeit zum Volksvertreter und der Bekleidung von Staatsämtern, was den dazu innerlich Befähigten und äußerlich Beauftragten eine Lebensaufgabe ist, bis zu der Beschränkung in Gewerben, der größeren Belastung mit Abgaben und der Erschwerung der Niederlassung und Verehelichung. Es müssen aber alle diese Hemmnisse um so mehr der öffentlichen Meinung zuwider werden, als die geistige Annäherung immer größer wird, religiöse Vorurtheile — die nur gewaltsam auf Augenblicke fanatisch aufgeregt werden können — immer mehr schwinden, endlich auch die Juden diese Zurücksetzung zu sehr fühlen und überall die Ungerechtigkeit derselben beklagen. ES war nämlich früher nicht so allgemein der Druck gefühlt worden; die Juden waren in der abgeschlossenen Sphäre, in welche man sie gebannt, zufrieden, indem sic LheilS gar nichts Besseres kannten, thcils emen solchen Zustand für notdwendig hielten, da sie sich „im Erilc" befänden. Nun aber erhebt der Jude überall seinen Blick über die Grenzen hinweg, die man ihm zu stecken beliebt hat, und er fühlt sich zu sehr als Bürger des Staates, den er bewohnt, als daß er mit dem Prädicate eines Geduldeten, eines Schützlings, eines Stiefkindes vorlicb nehmen könnte. — Es wird uns daher nicht wundern, wenn wir auf der einen Seite einen langsamer« Gang in der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gewahren, auf der andern aber doch manche Fortschritte in Leben und Gesetz nicht in Abrede stellen können, jedoch letzteres bloß Ln denjenigen Staaten, Ln welchen die Juden noch enge von mittelalterlichen Fesseln umstrickt sind. Wahrend daher Ln fast allen Ständcvcrsammlungen die Angelegenheit der Juden meist von sehr niedrigen Standpunkten aus betrachtet wurde, die Furcht vor Beeinträchtigung der eigenen materiellen Interessen, gehässige Anklagen des JudenthumS und die vielen Hülfsschaaren des kleinlichsten Egoismus ihre Macht entfalteten; während in Baiern, Holstein, Großb.

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