Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1835
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rheinbayern [Nachricht]
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2929020-2929021-2929024--0345-2929481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
263 Nachrichten aus der Synagoge. ten Mechanismus, der weder im Gefühle noch im Verstände gegründet ist, so zu sagen erstorben ist, so gilt dies Hauptsache lich in Rheirbaiern. Um diesem Uebelstande auf die rechte Weise abzuhelfen, ist es vor Allem nöthig, daß der Gottes« dienst ein solcher sei, der das Gefühl anregt und zu wahrer Herzensandacht erhebt. Untersuchen wir aber, ob dem im Rheinbaierischen wirklich so sei, so müssen wir im Allgemeinen nein sagen. Es sind in Rheinbaiern vier geprüfte Rabbiner (wenig für einen so großen und von sehr zahlreichen Juden bewohnten Kreis). Außer diesen befinden sich noch in einigen Rabbinaten, besonders in dem speyerer, mehrere frühere, von der Negierung nicht anerkannte Rabbiner, die sehr großen Einfluß ausüben, theils dadurchdaß es ihnen, damit sie ihre Eristenz fristen können, gestattet ist, Trauungen zu halten, und daß sie in den Gemeinden, wo sie wohnen,, und wohl auch in den umliegenden,, nach wie vor Vorträge halten und sich als Rabbiner geltend machen, theils weil manche jüngere Rabbiner, durch Accomodatt'on an den orthydoren Glauben der Pluralität, dahin arbeiten zu müssen glauben, daß sie den alten nicht, nachgesetzt und als Neuerer verjchrieen werden. Was nun aber die Wirksamkeit der jüngern Rabbiner selbst angcht, so bleibt noch vieles zu wünschen übrig. Gottesdienst ohne das lebendige Wort des Predigers ist todter Lippendieust und hat als solcher gar keinen Werth. Diese Wahrheit aber scheint man bei uns noch nicht, begriffen zu haben. Die Synagoge geht ihren alten geist-- und herzlosen Schlendrian fort, man predigt nie, außer an einigen bestimmten Tagen des Jahres. In dieser Rücksicht, verdient der Rabbiner aus Neustadt an der Haardt rühmliche Erwähuung. Von ihmhören wir, daß er in der Regel jeden Sabbath predige, und auch, gewissermaßen zeitgemäßere Ansichten zu verbreiten suche.. Im Allgemeinen aber merkt man den rheinbaierischen Rabbinern kein thatkräftiges Streben zum Bessern an Ich will nicht darüber entscheiden, durch welche Gründe sie hierin bestimmt werden. Daß unsre Rabbiner durch freimüthigercs Wirken nicht so leicht ihre Eristenz gefährden würden, zeigt einerseits der Umstand