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Menorah · 1932-11-01 · Heft 11-12 (November 1932) · p. Seite 513

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 11-12 (November 1932)
Article
Sol Liptzin: Arthur Schnitzler [Rezension]
Date
1932-11-01
Page
Seite 513 (sequence 2)
Language
German
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B I ß L IÜÜRAP 111 E 513 durch den Stolf ein klein wenig blumig geratenen Sprache. Die Nachteile einer solchen Einteilung nach Motiven liegt auf der Hand: sie wirkt wie ein Prokrustesbett, zwingt Werke in ein bestimmtes Kapitel, dem sie nur teilweise angehören. Manches kann nicht gehörig gewürdigt werden (zum Heispiel „Leutnant Giisll"), weil es sich schwer einfügen läl.H; Wiederholungen sind unvermeidlich. Es fehlt eine Darstellung der literar historischen Stellung Schnitzlers, ferner vermisse ich schmerzlich einen Index, der das Büchlein zu einem sehr brauchbaren Nachschlagewerk machen würde. Paula Arnold. DENEYS REITZ: AUFGEBOT. Verlag Paul List, Leipzig. Der Freiheitskampf des Burenvolkcs war die gewaltige Tragödie eines Volkes, bei dem das menschliche Interesse das militärische überwiegt. Der Autor trat als Junge von 17 Jahren in die Reihen der Freiheitskämpfer. Die Darslellung seiner Erlebnisse ist ungezwungen natürlich und von heute beinahe unglaubhafter Abenteuerlichkeit. Wir sehen hier, wie unter dem Einfluß eines Ideals — der Freiheit und Unabhängigkeit — Menschen alltäglicher Art, Bauern. Schreiber und Kauflcule Leiden und Entbehrungen für nichts erachten und sich zur Größe eines opferbereiten Heldentums erheben. Dies ist der unvergängliche und höchst aktuelle Wert dieses Ruches. //—n. AUGUST SCMOLTIS: OSTWIND. Verlag S. Fischer, Berlin. Den Roninn der oberschlesisehen Katastrophe nennt der Autor dieses Ruch, „dem deutschen Volk gewidmet, dem guten und auch dem schlechten Deutschen". Für den merkwürdigen Menschenschlag wird hier das Wort geredet, der die Grenzen der deutschen Heimat besiedelt und dessen im Märchenhalten des Fleidentums verwurzeltes Volksleben den mißbrauchten Hintergrund für die chauvinistische Expansion eines zügellosen Nationalismus abgibt. Tragischer Mittelpunkt ist die Katastrophe der Volksabstimmung, das Hin und Her dvr Bandenkämpfe, der Intrigen des an der Aufrechtcrhaltung des Profits interessierten Großkapitals und der um ihren Grundbesitz besorgten Latifundienbesitzcr. Ihnen wird nicht zuletzt die Schuld für die unheilvolle Abtrennung eines wertvollen Teiles deutschen Bodens zugeurleilt werden. Neben der politischen und sozialen Tragödie wird die menschliche Tragödie gezeigt, Landschaft und Volk mit der heißen Liebe des Erdverbundenen, der biHeren Satire des Zeitschriftstellcrs und der Poesie des Dichters umwoben; und plötzlich merkt man, daß man dieses von Gestalten und Ereignissen übervolle Ruch nur mit liefer Erschütterung aus der Hand legen kann. N—t. JOSEPH ROTH: RADETZKYMARSCH. Verlag Gustav Kiepenheuer, Berlin. Der Leutnnnt Trotta, Sproß slowenischer Bauern, reitet in der Schlacht von Solferino dem jugendlichen Kaiser Franz Joseph durch rasche Tal das Leben. Sein Enkel, Leutnant von Trotta, fällt in den ersten Gefechten des Weltkrieges im russischen Grenzlande bei dem Versuche für seine dürstende Mannschaft Wasser zu holen. Zwischen diesen beiden Grenzmalen einer l^poehe liegt der beispielhafte Lebenslauf eines großen Reiches, eines Reiches von Enkeln, ist eingesponnen das Geheimnis des Bestandes und Vergehens der habsburgischen Monarchie. Träger des Gedankens vom Bestände ist der von der feierlichen nüchternen Pflichtfreudigkeit erfüllte Sohn des Helden", der Rezirkshauptmann Freiherr von Trotta, schattenhaftes Ebenbild des greisen Monarchen, des Symbols des untergehenden Österreicheiiiuns. Der Untergang ist gekennzeichnet durch die Schwäche und Haltlosigkeit der jungen Generation gegenüber dem aufdämmernden Schalten der gewaltsamen national und sozial untermalten Umgestaltung, die den Enkel aus der Armee treibt, zurück in die verdämmernde Ewigkeit des erdverbundenen Bauerntums, von wo ihn der Krieg herausreißl. M—x.

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