Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Jakob Wassermann: Bula Matari ... [Rezension]
- Date
- 1932-11-01
- Page
- 512 (sequence 1)
- Language
- German
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,1A KOB W A S SI«: \\ M A NN: HULA M ATARI. Das Leben Stanleys. Verlag S. Fischer, Berlin. Der faszinierenden Phantasie des genialen Epikers Wassermann, der zwingenden Kraft seiner Interpretation gelingt es den verwirrenden Reichtum der Erlebnisse eines Forseherdaseins zu den sparsamen und klaren Grundlinien eines neuzeitlichen Mythos zu verdichten; die Gestalt des Berichterstatters wird zum Menschen der Tal: Stanley erfüllt als Erbe der in ihm aufgespeicherten Kraft von Generationen die Forderung der Ethik seiner Zeit die Zivilisation der europäischen Welt, den Fortschrill in die unberührte Welt des schwarzen Erdteils zu tragen. Die Darstellungskraft Wassermanns vermag die sachliche Schilderung der Reisen Stanleys mit der magischen Leuchtkraft der afrikanischen Urwelt, ihrer gefährlich dämonischen Verführung, aufpeitschenden schwülen Fieberluft und des Inferno der sexuellen Erregung zu umkleiden; zugleich den Sieg des Veranl wortungshewußtseins und der sittlichen Entschlossenheit eines Europäers über alle diese Hemmungen und Verführungen überzeugend zu gestalten. //. ■JOSEF KASTEIN: URIEL DA COSTA. Verlag Ernst Rowohlt, Berlin. Der Kampf des Menschen um die Formung des Weltbildes spielt sich im Widerstreite von Gesinnung und Interesse ab. Hier der Wille, im Formalen die Erhaltung einer Gemeinschaft zu sichern, dort das Streben auf der als richtig erkannten Grundlage der Weltgesinnung die Form zu sprengen, die Welt zu verbessern, Menschen aus geistiger Enge in die Freiheit des Erkennens zu führen. Dies ist die Tragik des Uriel da Costa, der als gläubiger Katholik im jesuitischen (Heiste erzogen aus der Gemeinschaft Hiebt, nachdem er das unzerstörbare Gut der Größe des wahren und aufrichtigen Gottesglaubens des Moses erkannt hat. Die daraus gewonnene persönliche Kraft will er nach Rückkehr ün das Judentum zur Aufhebung des Zwanges anwenden, den die Gesetzgebung der Diaspora in der Form des Talmuds und seiner das Leben der Gemeinschaft bis ins kleinste regelnden Vorschrift um das lebende jüdische Volk gelegt hat. Hier ist die Plattform der Auseinandersetzung, nicht der Kampf eines Freidenkers gegen die unduldsame Orthodoxie, sondern der Streit einer im reinen Gottesglauben unverrückbar wurzelnden Gesinnung gegen das Interesse der Erhaltung einer Volks- und Sc h ic k salsgemein sc h a f t. D ie se E r wä g u n ge i i zwingen die Führer der Amsterdamer .Juden - gemeinde zur Ausstoßung und Verlluchung. wenn sie nicht ihre hohe Gesinnung gefährden wollen, daß Erhaltung der Lebensform unter Umständen wichtiger ist als die nur abstrakte Erkenntnis von der Reinheil des Glaubens. Die Tragödie des Uriel da Costa ist der Sieg der national verantwortungsbewußten Menschen über den Einzelgänger, der aus rein religiösem Erleben die Lebens form seiner Gemeinschaft umzustürzen droht. M—im. SOL LIPTZ1N: ARTHUR SCHNITZLEU Prentice Hall, New York. Das interessante Werk ist lediglich eine literarische Würdigung. Lijptzin lehnt es vornehm ab, Biographie zu geben. Da er durch diese Ausscheidung alles Persönlichen nicht an Chronologie gebunden ist, wählt er als Leitfaden seiner Untersuchung die Motive hei Sehnitzler. So lauten die Kapitelüberschriften „Totentanz". — „Lockung der Liebe". — ,.Eheleid" u. a. in. In vierzehn solchen Abschnitten bringt er ausführliche Analysen sämtlicher Werke, wobei er mit besonderer Sorgfalt der Entstehung nachspürt. Das Ruch ist mit Liebe und Verständnis geschrieben, in einer ausgezeichnelen, wenn auch vielleicht