Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1932)
- Article
- Käthe Ephraim Marcus
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 442 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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442 UNSERE MITARBEITER KÄTHE EPHRAIM MARCUS Die Zeiten sind endgültig vorüber, in denen man ein gutes Bild allein mit der Gesinnung malen konnte. Aber andrerseits hat doch die Periode des Expressionismus den Blick für den Ausdruck im Bilde so weit geschärft, daß auch die glatte und interessante Technik allein nicht mehr ausreicht, um einem Gemälde Geltung zu verschaffen. Unsere Malerei ist wieder auf dem Weg zu der gesunden Synthese, die den alten Meistern selbstverständlich, dem Spezialistentum der letzten Jahrzehnte aber verlorengegangen war. Käthe Ephraim-Marcus ist früh zu dieser Synthese gelangt, unbeirrt von Tagesnioden und Tageserfolgen auf einem Wege weiterschreitend, den sie sich trotz aller Schulerfahrungen letzten Endes doch selbst gesucht hat. Ein solides Handwerk ist Grundlage aller ihrer Arbeiten, eine Selbstverständlichkeit im Zusammenklang der Farben, die Überraschungen ebenso meidet wie Trivialitäten. Das eigentlich Interessante an dieser Künstlerin, das, was über ihr eigenstes Wesen den sichersten Aufschluß gibt, ist die Wahl ihrer Themen. Man hat Käthe Ephraim-Marcus oft als Malerin der Kinder hingestellt. Das ist in mancher Hinsicht richtig, aber doch nicht ganz. Denn niemals ist Süßes oder Gefälliges, niemals aber auch sozial Gebundenes bestimmend für den Reiz dieser Arbeiten. Die Kinder, die diese Künstlerin malt, ganz gleich ob es nun ihre eigenen sind oder Kinder in einem Jerusalemer Kindergarten oder Chinesenkinder oder kleine Zigeuner— sie haben immer etwas sehr Ernsthaftes, stehen in einer eigenen kleinen Welt, aus der es zur Umwelt der Großen keinen Weg gibt. Und dieses Elementare, halb Unbewußte eben ist es, was Käthe Ephraim- Marcus immer wieder fesselt. Von hier aus sind auch ihre Bildnisse Erwachsener zu begreifen. Sie wendet ihr künstlerisches Interesse immer nur Menschen zu, die außerhalb der Konvention stehen, die ihr Leben für eine große Idee, ein großes Werk verströmen, unbekümmert um eine reale Umwelt, die für sie nur bedingt existiert. So müssen Bildnisse von Arnold Ulitz und Paula Ollendorf, Moritz Rappaport und manche andern Zeitgenossen gesehen und begriffen werden. Die Landschaft erschloß sich dieser Künstlerin erst spät. Und eigentlich blieb sie stets im Zusammenhang mit den Menschen gesehen, der sie als Stadt oder Siedlung gestaltet. Das Motiv des Zwiespältigen, Grenzenlosen klang an in frühen Versuchen aus dem Waldenburger Bergwerksgebiet; doch blieben hier die Farben noch dumpf und zäh. Sie lockerten sich bei dem Erlebnis: Paris. Die Brücken und die bunten Vorstadtstraßen dieser Stadt wrurden Anlaß zu jäher, freudiger Loslösung, zu reinem, zartem Klang der Farben. Aber die Landschaft, die der Wesensart dieser Malerin am stärksten entsprach, war der Orient, den Käthe Ephraim-Marcus auf einer Reise nach Ägypten und Palästina intensiv erlebte. In den starken Farben dieser Welt, dem dunklen Himmelsblau, dem mit rosa, hellgelb, zartblau durchmischten Weiß der Kuppelhäuser, dem tiefen Schwarz der Gewandung der Bewohner, fand die Lust am Elementaren, am Maßlosen ihr Entsprechendes. So wurde das Aufwachsen einer Hügelstadt, die Umgebung eines Brunnens, die WTeite eines Sees, die starre Phantastik einer Berggegend in Bildern gestaltet, die voll Klarheit im Aufbau der Formen und Farben sind. Von hier aus scheinen sich der Malerin, die unablässig an sich arbeitet, neue, beglückende Möglichkeiten zu eröffnen. Luise Straus-Ernst. J}R. FRANZ KOBLER, geboren am 18. Dezember 1882, lebt als Rechtsanwalt in Wien. Aktiver und angesehener Mitarbeiter der pazifistischen Bewegung und zionistischen Organisation, veröffentlichte mehrere rechtsphilosophische Schriften, u. a. „Recht und Unrecht der Ausweisung", „Neue Rechtskultur", Handbuch, „Gewalt und Gewaltlosigkeit". Herausgeber der Zeitschrift des Bundes der geistig Tätigen „Der Strahl".