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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 420

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
Djerba
Date
1932-09-01
Page
Seite 420 (sequence 10)
Language
German
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420 MENORAH tägliche und familiäre Leben zusammensetzt, stellen die lebende Illustration der Szenen dar, die die Bibel beschreibt. Nun ist es völlig Nacht geworden. Die Rosen färbe, des Himmels wan delte sich zögernd ins Blau. Auf Mauleseln mit klingenden Schellen reiten Araber durch die große Straße, die das jüdische Dorf in zwei Hälften teilt. Hinter ihnen ziehen Herden vorüber. Jetzt hebt ein lautes Gemurmel an und übertönt das Blöken und ländliche Schellengeläute. Und plötzlich — an einer Slraßenecke - stehen dreißig Juden mit auf der Brust verschränkten Armen, betrachten den Neumond und segnen ihn. Einige Schritte weiter steht die Synagoge mit geöffneten 'Füren vom ersterbenden Schein ihrer Öllämpchen schwach beleuchtet... Durch die Nacht tönt die Hymne an das Licht, verstärkt sich und verklingt im Frieden der Felder. Kein Schrei eines Nachtvogels, kein Hauch der klaren Luit stört die Zeremonie, die sich in gleichbleibendem Rhythmus abspielt. Ringsumher stehen Olivenbäume, unbeweglich, als ob auch sie von der Majestät des Vorgangs gebannt würden. Mit vom Schlaf noch trunkenen Augen erhebt sich das Kind von der Müller geweckt im Morgengrauen, und begleitet seinen Vater in die Synagoge. Dort sind die Gläubigen, in das Talis gehüllt, schon zahlreich versammelt, stehen oder sitzen, schreien laut, erheben Arme und Augen, nehmen den Himmel zum Zeugen der Leiden Israels und seiner Reue. An der Schwelle des Tempels, fast auf der Straße, werden die letzten Verse gemurmelt, dann eilt man nach Hause und verschlingt das Frühstück. Der Vater geht zur Arbeit, das Kind zur Synagoge. Dort wird es sein Leben bis zum Hochzeitslage zubringen. Dort verweilt es vom frühen Morgen bis zum dämmernden Abend an allen Tagen, die der liebe Gott werden läßt, ob es regnet, stürmt, oder ob der Schirocco dahinfegt. Brüderlich hockt es auf einer Matte unter sechzig Kameraden verschiedenen Alters, so gut es kann, lernt es vom Alphabet bis zu den Kommentaren der Bibel und des Talmud. Selbst um Sabbath, während der Vater endlich mal ausschläft, die Mutter mit einigen Nachbarinnen an der Schwelle des Hauses sitzt, nimmt es seinen Weg zur Synagoge, liest laut die Psalmen, die Sprüche Salomons und den Prediger . . . Unter dem eintönigen Singsang der frommen Lektüre schlafen schließlich einige Sünder ein. Die Jahre mit der regelmäßigen Wiederkehr der Feste und Jahreszeiten vergehen. Das Kind wächst und entwickelt sich kräftig. Um seine Ohren rollen sich die lieben Löckchen. Das weiße Hemd über der Hose verleiht ihm das Aussehen eines jungen Mannes. Und später wird es mit Hilfe des Allmächtigen ein berühmtes Mitglied des hebräischen A

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