Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Isaak Pinieff
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 372 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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372 MENORAH Schifre: Miß Kimm! P i n i e f f: Gut, also: Kamerad Kunin. S c h i f r e: Ha, ha, ha, ha, ha! . . . Pinie ff: Ich versiehe Sie ja, aber ich kann nicht anders... S c h d f r e: Bin ich Ihnen denn ganz fremd? Haben Sie noch nie darüber nachgedacht, wie seilsam unsere Wege immer wieder zusammengetroffen sind? Meinen Sie nicht, daß wir zueinander gehören? Pin ief f: Als Kämpfer. Manchmal glaube ich selber, daß Sie mir als Helferin gesandt wurden —--- Schifre: Aha! Pinie ff: Aber nicht als Frau oder Geliebte. Schifre: Issak, ich will für immer deine Helferin sein — — — Pinieff: Das dürfen Sie. Schü re: Als deine Frau und Geliebte. Pinie ff: Ich sagte Ihnen einst etwas. Vor zehn Jahren. Und was ich damals sagte, das gilt auch noch heute. Ich habe meiner Frau entsagt, die ich lieble. Und noch mehr — ich habe meinen Kindern entsagt. Damit habe ich dem Leben entsagt. Nur dem Kampf will ich gehören — für ihn frei sein! Der Kampf fordert einen ganzen Menschen mit ungeteiltem Herzen. Schifre: Wenn dieser Kampf nicht wäre, — würden Sie mich lieben? Pin ief f: Wenn der Kampf nicht wäre, dann wäre ich wahrscheinlich bei meiner Frau und meinen Kindern. Schifre: Sie sind hart! Pinie f f: Die ganze Frage ist doch müßig — denn der Kampf ist im Gange. Schifre: Er wird aufhören. Dafür wird Amerika sorgen. Es macht müde. Du bist erst ein Jahr im Land — wenn du länger hier bist, wirst auch du müde werden — — — Pinieff: Müde werden? Wenn ich aufhören muß zu kämpfen, dann bin ich tot. Schifre: Nein! Ich weiß, wie es kommen wird. Selbst wenn es Ihnen gelingt, die Gewerkschaft zu reorganisieren, wird Ihr Werk nicht von langer Dauer sein. Die Korruption, die Sie bekämpfen und vielleicht für eine Zeitlang niederhalten werden, sie wird bald wieder durch Türen und Fenster eindringen. Die Männer, die jetzt mit Ihnen gehen, werden bald gegen Sie stehen. Die Führer, die Sie jetzt einsetzen wollen, werden in kurzer Zeit um kein Haar besser sein als die, welche Sie jetzt absetzen wollen. Diese Bergmann und Silverstein und Shaps und wie sie alle heißen mögen — für sie wird die Organisation auch nichts anderes sein als ein Geschäft und eine Leiter, auf der sie in die Öffentlichkeit gelangen! Pinieff: Diese Zukunft prophezeien Sie also auch mir? Schifre: Nein, Sie. .. du nicht!... Aber du wirst nicht die Macht haben, es zu verhindern, denn sonst müßtest du die ganze Organisation zerstören! Und das kannst du nicht, das darfst du nicht . . . Pinieff: Ich sehe einen anderen Weg: Zerstören, wenn es sein muß, — aber wieder aufbauen! Das bedeutet unaufhörlichen Kampf! Immer bereit sein, von neuem anzufangen! Ständig wach sein für den Kampf! . . . Dazu führen selbst Ihre düsteren Prophezeiungen, Kamerad Kunin. Jetzt wissen