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Menorah · 1932-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1932) · p. Seite 356

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1932)
Article
Rabbi Salomon Mirls Neumark
Date
1932-07-01
Page
Seite 356 (sequence 3)
Language
German
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356 MENÖRAH sich einige Wochen in Wien aufhalten dürfe. (Siehe Geiger II, fl.) Im Jahre 1675 konstituierte sich die heilige Brüderschaft in Berlin, und die Brüdier S a 1 o m o n und B e nj a m i n M i r 1 s waren Begründer, erster Vorsteher war S a 1 o m o n M i r 1 s. Im Chewra Kadischa Buch ist vom Montag, den X Tebcth H>7<> Rabbiner S a l o m o n M i r 1 s aus Wien mit % Reichsthaler Spez. eingetragen. (Siehe Encyclopaedia Judaica, Band 4, Seite 222.) Nach dem der Hamburg- AI tonaer Oberrabbiner H i 11 e 1 A s c h k cnasi nach Zolkiew, seinem Geburtsort, als Rabbiner berufen wurde, wurde S a l o in o n Mirls zum Oberrabbiner der Drei-Gemeinden gewählt. Er kam am (3. Ijar 1680 nach Altona und wurde zuerst auf drei Jahre angestellt. Hier halte er bald Gelegenheit, sein großes Wissen und seine reichen Erfahrungen zur Geltung zu bringen. Durch den Zusammenschluß der Drei-Gemeinden H a mb u r g, A 1 t o n a und W a n d s b e k. die sogenannte Drei-Gemeinde „A h u", nahmen die deutschen Gemeinden einen ungeahnten Aufschwung. Die bis dahin im Vordergrund siehende große und einflußreiche Portugiesengemeinde wurde von den hochdeutsch israelitischen Gemeinden überflügelt. Der Wohlstand der Gemeindeinitgliedcr hob sich, der Gold- und Juwelenhandel ging durch den Import der indischen Schiffahier durch Hamburg ins ganze Binnenland und lag fast ganz in Händen der Juden. Eine erhöhte Tätigkeit konnte und mußte der Oberrabbiner der Drei-Gemeinden in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des jüdischen Gerichtes, das staatlich autorisiert war, entfallen. Es war in ganz Europa der einzige jüdische Gerichtshof, der im Namen d'es dänischen Königs Recht zu sprechen hatte. König Christian IV. erteilte nämlich am 1. August 1641 den dänischen Schlitzjuden in Altona und Hamburg ein Privilegium. Das Privilegium erweiterte die Rechte der Juden ganz bedeutend. Erstens wurde zur Aufrechterhall ung der jüdischen Kirchendisziplin allen Juden in den Fürstentümern und Landen bis an den kleinen Bell, nebst den schulzverwandten Juden in Hamburg, befohlen, vor dem Rabbiner in Altona zu comparieren und, was unter ihnen streifig oder strafbar, ohne Zuziehung des Sladtmagistrates daselbst beurteilen oder vortragen /.u lassen, jedioc.h nur insoweit ..das hohe Königl. Interesse dawider nicht ,versieret', auch die Sache kein ,delictuin criminale' betreffe." Die Ältesten, „Parnassim" genannt, waren innerhalb der Gemeinde die Vertreter der Behörde, kein fremder Jude wurde in dänischen Schutz aufgenommen, ohne sich vorher vor den Ältesten legitimiert zu haben und genehmigt worden zu sein. Das Ansidien des jüdischen Gerichtes, dessen Vorsitzender der jeweilige Oberrabbiner in Altona war, der im Namen des dänischen Königs richtete und große Erbschafts¬ und Zivilprozessc zu schlichten hatte, war sehr groß. Es war ja dies der einzige jüdische Gerichtshof in Europa, der staatlich autorisiert war. Dieses jüdische Gericht hieß ,B e s Diu". — Schild t, Seile 4, schreibt: ,.Zweifelsohne durch Rekoinmandalion eines vornehmen Ministers an einen gewissen Ort, unweit Hamburg, ihre Privilegien dahin extendiret worden, daß, da sie vorher nur cognitium, sie nunmehr alle Sachen, ausgenommen, was an Leib und Leben geht, gleich den Zeilen Christi, unter sich debattieren können, auch zu End aller Sonntage Gericht hielten." (Zur Geschichte und Genealogie der ersten Familien der hochdeutschen Israelitengemeinden in Hamburg-Altona von Duckesz. Seite 12) Grunwald, Hamburgs deutsche Juden, Euter seiner Leitung wurde im Jahre 1Ö81 die große, noch jetzt bestehende Altonaer Synagoge gebaut, damals neben der Amsterdamer die schönste Synagoge Europas. M c s c h u 1 e m S a 1 o m o n Neu m a r k hatte fast täglich entweder bei Gerichtsverhandlungen o'd'er als beratendes Mitglied bei den Vorstandssitzungen viel zu arbeiten und mußte die Nächte zum Studium benutzen. Im ältesten Protokoll der Altonaer Gemeinde sind viele Sitzungen der Gemeinde, zu denen er zugezogen wurde, registriert.

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