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Menorah · 1932-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1932) · p. Seite 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1932)
Article
Che-by-che
Date
1932-07-01
Page
Seite 350 (sequence 1)
Language
German
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350 MENORAH Che-by-che Ein Kapitel aus dem unveröffentlichten Roman: Das leere Jahrzehnt von <V. Hrind . . . Schillern Böttcher war ulso Soldat im fernen Osten gewesen. Bei einem Angriff halle etwas in sein Leben eingeschlagen und ein hoch darein gerissen. Schülern wußte jt'izl nicht mehr, wie es gewesen war, Kr war noch vor Kriegsende als Stummer heimgekehrt. Schülern Böttcher konnte nun nichts mehr als „che-by-che" sagen. Er mußte dnzusehen, wie er sein Leben lang mit diesem einen Wortsluinmel, nach dein er nun auch genannt wurde, auskam. Und es ging wirklich. Schülern Che-by-che hörte und verstand alles. Er war ein kluger, gutmütiger Mann. Selbst die erbarmungslosen Kinder älflen ihn nicht. Er schnitzle schöne Sachlichen für sie. Ganz unentgeltlich. Er wollte keine Kopeke nehmen. „Che-by-che?" sagte er. und das bedeutele: „Wozu, Kinderchen? . . . Kauft euch lieber Äpfel dafür!" Die Kinder verstanden es auch so. Denn das war ja das Erstaunlichste an der ganzen Sache! Man mußte sich gar keine Mühe geben, um Schülern Che-by-che zu verstehen. Man überhörte oft, daß er mit einem einzigen Wortkrüppel haushielt, man schimpfte zuweilen über die Dummheiten, die er zusammenredete, — so klar und deutlich war der Tonfall seiner schlichten Rede. Jahre vergingen . . . Jahre? . . . Das alle Badehaiis ist doch erst gestern abgebrannt? . . . Vor fünf Jahren, sagen Sie? . . . Och-oehoeh!... Kotige Frühlinge, staubige Sommer, graue Herbste, öde Winter glitten träge vom Leben ab und stürzten, kaum abgeschuppt, mit Blitzesschnelle hinab . . . Und wieder kamen Krieg und Elend. ,,Che-by-che . . .", sprach Schillern leise zu seinen sellener gewordenen Arbeitgebern, und sie antworteten ihm, kopfschüttelnd wie er: „Ja, Schülern. Du hast recht. Die Menschen wollen nicht gescheiter werden." Und lügten schalkhaft hinzu: ,,Aber du, Schülern, brauchst ja keine Angst mehr zu haben*" „Che-by-che!?"\ ärgerte sich mächtig Schülern Böttcher, und die Leute beschwichtigten ihn: „Das wissen wir! Dir kommt es nie aui dich selbst an, aber willst du dir . . . den fremden Kopf zerbrechen? . . . He-he-he-ochoch-och . . Jahre vergingen. Elende Jahre. Und wieder kam etwas All neues. Lahnen datierten durch die kleine Stadt. Dem Bevierin.speklor wurden am hellichten Tag die Achselslücke samt einem Stück Fleisch herabgerissen. Burschen, die niemand kannte, Burschen von der Schlossergasse, schrien, gaben Befehle, ließen den reichen AbramowiLsch das eigene Haus für einen .,Sowjet** fein herrichten. .,Che-by-che? . . fragte besorgt und teilnahmsvoll Schülern, und die Burschen von der Schlossergasse antworteten ihm keck: „Und ob?! Gewiß wird es uns gelingen! Wart nur, Schülern, bald wirst du uns eine schöne Bede ballen, von Abraniowilsch' Balkon! . . ." Schülern ärgerte sich. Nicht über den gutmütigen Scherz wegen seiner zu haltenden Bede, sondern wieder, weil es sich ihm ja gar nicht um ihn handelte. Ob die ganze Sache gelingen werde?! . . . Sie gelang. Sie kostete viel Blut, kostete noch mehr Tränen. Doch wer hälle die Tränen zählen und das Blul messen sollen? Schülern Che-by-che? . . . Wo war Gott? . . . ..Zerschossen!", lachten die Burschen und standen breit mitten auf dem ITa.uptpla.lz. Aber auch sie wurden zerschossen. Ganz draußen, hinter der Schmiede, lagen sie haufenweise in den Mislgruben. Neue Herren kamen, gingen. „Weiße", ..Grüne", Ukrainer mit glatt rasierten Schädeln, von denen nach alter Saporogerart ein Haarbüschel in die pechschwarzen Gesichter herabhing. Die Ukrainer brachten die Todesangst

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