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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Der Geist im Wort und der Geist in der Tat
Date
1932-05-01
Page
Seite 193 (sequence 7)
Language
German
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DER GEIST IM WORT 193 Irrtum noch ist die Wahrheit seiner Persönlichkeit. Der positive Typ ist jederzeit bereit, sein Leben an sein Werk hinzugeben, und hat kein Interesse daran, als Individuum dem Siege seines Werkes oder seiner Idee beizuwohnen. Nicht auf persönlichen Nachruhm, sondern auf die Unsterblichkeit der Idee kommt es ihm an. Der positive Typus ist einsam, aber eingeordnet; der negative Typus gesellig, aber isoliert. Für den positiven Typus ist d er R a u m bedeutungslos, da er ins Ewige und ins Unendliche wirkt. Der negative Typus lebt ohne das Gefühl von Zusammenhängen; das Gestern ist tot für ihn, das Morgen unvorstellbar, nur im Räume vermag er sich auszubreiten, er hat im wahren Sinn des Wortes „keine Zeit"; daher seine Ungeduld, seine Unruhe und seine Unbedenklichkeit in der Wahl seiner Mittel. /Lmm Wesen des Priesters und des Staatsmannes, also der Typen auf der linken Seite des Dreiecks, gehört es, daß sie sich als Erfüller einer Sendun g, unter Umständen einer göttlichen Aufgabe erscheinen; ein gewisser Grad von Intuition ist für sie charakteristisch und bedeutungsvoll. Der Philosoph und der Historiker dagegen, die Typen der rechten Seite also, sind auf Tatsache n und Erkenntnisse in höherem Grade eingestellt und angewiesen. Sie werden durch Zweifel gefördert, während dem Priester und dem Staatsmann Zweifel gefährlich werden können — nicht müssen. Wohl sind Philosoph und Historiker, niemals aber Priester und Staatsmann ohne mystischen Einschlag zu denken, doch fehlt es nicht an Priestern und Staatsmännern, die zweiflerisch oder skeptisch angelegt sind, ebensowenig an gläubig angelegten Philosophen und Historikern. Der Priester will Andacht, der P f a f 1 e Unterwerfung, der Staatsmann Entwicklang, der Politiker Parteisieg (gleichgültig im Einzelfall, ob es „Fortschritt" oder „Rückschritt" sei). »Der Philosoph sucht höhere Ordnung, der Sophist Gedankenspiel; der Historiker Einsicht und Zusammenhang, der Journalist Tempo und Verwirrung, der Dichter Gestaltung und Form, der Literat Figur und Ornament. Es ist nicht zufällig innerhalb des Diagramms, daß Priester und Philosoph, wenn auch in der gleichen Ebene, am weitesten

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