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Menorah · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Der Bildhauer Paul Königsberger
Date
1932-03-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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M ENOR A II möglicherweise auch sogar unbekannt gewesen sein mochten. Wer von uns is.1 nicht selbst vor den bescheidensten Gipsen nach den Tnimmern der Olympia-Giebel bewundernd gestanden. Auch als Scherben einstiger Gröüe sind sie dennoch gewallig und bewundernswert. Kehren wir wieder zu unserem eigentlichen Thema zurück. Welch ein Verzicht auf billige Mätzchen, mögen sie nun alt oder neumodern sein. Ein Verzicht mit" verstiegene geometrische Stilisierungen, auf billigen, grinsenden, spießbürgerlichen Nnturalisiinis. Ein hoher, ethischer Ernst der selbstgesteckten Ziele gibt uns die Verehrung vor der Meisterschaft, auch wenn sie technisch so bescheiden gekleidet ist. Die in Stein ausgeführte Büste einer jüngeren Erau zeigt die Prinzipien unseres Künstlers auf das porlrätmäßig Ikonische .angewendet. Jene Sammlung der rein dreidimensionalen Erlebnisse, die malerischer Interpretation geflissentlich aus dem Wege gehl, hat sich hier .mit sehr individuellen Zügen auseinandergesetzt. Es mag unserer Zeil liegen, einen schwer zu beschreibenden Ton des Gefühles anzuschlagen, der dem mit Wissen bereits überfütterten Kunsthistoriker sofort über weite Zeiträume hinweg mit dein ähnlichen Stimmungscharakter, etwa des dritten Jahrhunderts nach Christo verwandt scheint. Niehl nur das blockhaft Schwcrbelonte, nichl nur der merkwürdig passive Ausdruck des Auges ist es. der uns die gleichgerichtete Polarität nahelegt. Dieser Vergleich, der natürlich weitab von allein liegt, was dem schöpfenden Künstler durch den Kopf gegangen sein mag. paßt ja auch auf das Verhältnis zu der uns unmittelbar vorausgegangenen Kunst der jüngsten Vergangenheit. Eine Gleichung, deren Auüen- und Innenglioder ein gleiches Produkt ergeben. Das Verhältnis der antoninisch-römischen Bildniskunsl zur friihbyzantinischen Konstantins, wie etwa die des Wiener Bildhauers Tilgner oder der malerisch betonten Plakellenmedailleure Frankreichs um 1890 zu unserer Gegenwart. Der Nervosität und unruhigen Bewegtheit, der Aufhöhlung der Plastik auf der einen Seile, entspricht die betont gewichtige und geschlossene Form des anderen Teils. Der aktiven Bewegtheit eine passive Buhe. Denselben Weg zeigt uns die nun schon bekannte und ob ihrer Zeitlosigkeit der plastischen Abstraktion geschätzte Büste des berühmten Psychoanalytikers Prof. Freud. Über die gewöhnlichen Zufälligkeiten des Aussehens hat sie den Begriff seines Antlitzes im Künstlerischen um so mehr verfestigt. End lieh zeigen wir den Torso eines athletischen Mannes, das Zentralproblem der Plastizität, wie es selbst Michelangelo an ehrwürdigen antiken Spolien suchte und schätzte. Wie er es in seinem Sinne nachbildete, indem er jenen unvergleichlichen ..Unvollendeten" Figuren, heute, in der Akademie in Florenz restlos alles sagte, was menschlic.be Plastik überhaupt sagen kann. Ein ..so viel", daß jedes mehr nur ein ..weniger" wäre. Zum Schlüsse zeigen wir eine weibliche siehende Bronze, die den Ernst und die plastische Form der Anlike mit der Strenge und anders gearteten Ausdruckslust des Nor dens vereint. Wenn wir von den krausen Formen und dem Modewesen des Linenren der Generalion nach 1500 abstrahieren, so könnten wir auch hier, allerdings wieder nur als subjektives Phänomen des Betrachters, nicht aber als Absicht oder Ursache des Schöpfers Verwandtheit atmen, wohl nicht um hiedurch albern zu klassifizieren, sondern um dem Erlebnis des sinnli(d) Erfaßten näher zu sein, worauf es ja schließlich allein ankommt. In einer Zeit wie der unseren mangelt der Plastik nichl nur aus inneren, sondern zumeist aus äußeren Gründen der wirtschaftlichen Bedrängnis jene Fülle der äußeren Aufträge, die -erst ihre Abspiegelung in der öffentlichen Fantasie ermöglicht. Eben deshalb ist es ein natürlicher und sinnvoller Genesungsprozeß, wenn sie sieh aus dem Willen des Künstlers heraus auf ihre grundlegenden Eigengeselzlichkeilen besinnt, die ihr Gebiet von dem der anderen Künste trennen. Wir treuen uns, hier einiges von solchen Absichten und Krfolgen zeigen zu können. Wir sind gewiß, daß unser Künstler auf dem so erfolgreich begonnenen Wege unbeirrt weiterarbeiten wird. Franz fCi e s 1 i n g e r.

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