Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Bernhard Wachstein: Literatur über die jüdische Frau [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 1)
- Language
- German
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90 ME N ORAH BIBLIOGRAPHIE REG.-RAT Dr. BERNHARD WACHSTEIN: LITERATUR ÜBER DIE JÜDISCHE FRAU. .Veröffentlichungen der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeindc Wien VII. In einer Zusammenstellung; die 280 Nummern umfaßt, weist der verdienstvolle Direktor der Bibliothek der israelitischen Kultusgemenide in Wien in systematischer Zusammenstellung die Literatur nach, die sich mit der rechtlichen und gesellschaftlichen Stellung der jüdischen Frau und ihrem Auftreten innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft belaßt. Die Gruppierung der Materie erfolgt teils nach stofflichen, teils nach historischen Gesichtspunkten. Innerhalb der einzelnen Abteilungen sind die zitierten Werke nach den Erscheinungsjahren angeordnet. In einem Anhange ist auch ein <.)5 Nummern umfassendes Verzeichnis über Schriften aufgenommen, die sich mit der jüdischen Ehe belassen. Ein alphabetisch geordnetes Aulorenverzeichnis ergänzt die wertvolle Publikation, die, wie der Autor selbst bemerkt, auf den Materialien der von ihm geleiteten Bibliothek beruht und daher keinen Anspruch auf Vollständigkeil erheben will. Ii. EDMOND F LEG: SALOMO. R. Piper Verlag, München. Edmond Fleg hat uns schon so manche werlvolle jüdische Gabe geschenkt. Noch unvergessen ist bei uns sein „Kleiner Prophet", die Entwicklung eines jüdischen Kindes im entjudeten Ellernhause. Höhere Ziele noch steckte sich sein „Moses": eine grandiose Wiederbelebung der Gestalt des Volkshclden, wie sie in den Geislern der Nachkommen sich verklärt hatte. Sein ,,Salomo" geht gleiche Wege. Alle die nachdenklichen und farbenbunten Geschichten, die vom König Salomo, diesem Lieblingshelden orientalischer Sage, überliefert sind, faßt seine geschickte Hand ordnend zusammen: es entstand ein prächtiger Strauß, den Kindern zur Augenweide, den Nachdenkenden zur Belehrung — uns allen zur Erquickung. Mit Freuden harren wir weiterer Gaben aus diesem unerschöpflichen Quell, aus dem noch viel zu wenig uns geschöpft worden ist. Und jeder mag da einen Lieblingswunsch haben, den nur ein Dichter und Sammler wie Fleg erfüllen kann. So wäre es eine der schönsten Zukunftsaufgaben für Fleg, wenn er etwa in ähnlicher Weise, wie er nun Moses und Salomo wieder auferstehen ließ, den geheimnisvollen Tischbilen, d e n P r o p beten Eli a, zum Helden seines nächsten Buches machen wollte. Bath Hillel CHARLES REZNIKOFF: BY THE WATERS OF MANHATTAN. Verlag Boni, New York. Vor zwanzig Jahren etwa erschien der erste Roman, der sich mit dem Amerika der jüdischen Einwanderer vom Standpunkt der neuen Generation auseinandersetzte. Er hieß bezeichnenderweise ,,Das gelobte Land" und war von einer russischen Jüdin geschrieben, Mary Antin, die schon in New York in die Schule gegangen war. Sic schickte der leidenschaftlich bejahenden Schilderung des ,.gelobten Landes" eine Erinnerung an die russische Stiefheimat voran, die vielleicht als dunkler Hintergrund zu der strahlenden Herrlichkeit Amerikas gedacht war; in seiner unabsichtlichen Wehmut und tendenzlosen Wahrhaftigkeit ist aber dieser Teil des Buches besser geraten. Seither sind viele Kurzgeschichten und Romane sowie Selbstbiographien um das gleiche Thema herumgeschrieben worden, aber der Ton hat sich gewandelt, denn das gelobte Land ist zum neuen Ghetto geworden. Das neue Buch ReznikofTs, den man bisher als starken Lyriker und Verfasser Holter Kurzgeschichten kannte, ist ein Meisterwerk realistischer Kunst, von einer Aufrichtigkeit und Einfachheit, der ich nichts Ähnliches an die S<eite zu stellen weiß. Für Liebhaber dramalisch zugespitzter, nach verläßlichen Rezepten bereiteter Erzählungen freilich ist es nichts. Es hat wohl einen Anfang, aber durchaus kein Ende, und Avas zwischen der ersten und der letzten Seite geschieht, ist oft so belanglos und so unlogisch wie das Leben selbst. Der erste Teil, der zunächst in Rußland spielt, dann im New York der Nadelindustrie und der neunziger Jahre,