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Menorah · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Der Bücherladen
Date
1932-01-01
Page
74 (sequence 1)
Language
German
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DER BÜCHERL ADEN Aus Ch. Reznikolf, „An den Wassern Manhattans" Dje Straßen waren leer, nur die Milchausträger hasteten vorbei. Die Lebensmiltelläden waren erleuchtet und Ezechiel konnte die Händler und ihre schläfrigen Laufjungen sehen, wie sie frische Semmeln in Düten verteilten; der warme Duft des Gebäcks strömte auf die Straße hinaus, denn die Türen waren offen. Er atmete die kalte Luft in tiefen Zügen. Selbst diese furchtbaren Straßen waren jetzt ruhig und friedlich. Sein Schlaf war in einen freundlichen Traum übergegangen. Es wurde ein strahlender Morgen und er sah freudig die Häuser an, die Pferde und Michwagen, deren Laternen manchmal noch brannten, die lebhaften Arbeiter auf ihrem eiligen Wege. Immer mehr Leute kamen auf die Straße, und schließlich fand sich Ezechiel, dem Wordsworths Verse einfielen. ,.im vollen Lichte des gemeinen Tages". Er tastete nach den vier Nickelmünzen in seiner Tasche. Das dünne Silberslück —- das er gestern gefunden hatte - war eine freudige Überraschung, denn er hatte es ganz vergessen gehabt. So brauchte er nicht wegen des Frühstücks nach Hause zu gehen; dieser Vorgeschmack der kommenden Freiheit benagte ihm so, daß er sich vornahm, jeden Cent zu sparen, um nur möglichst viel von ihr zu genießen. Er ging in das Automatenbutfet, wo er tags zuvor am Nachmittag Kaifee getrunken halle. Jetzt waren ganze Reihen halber Melonen zur Schau gestellt, mit grellgelbem Fleisch, und in der Abteilung, wo die Speisen über Dampf heiß gehalten wurden, gab es eine riesige Schüssel Rühreier und gebratenen Speck. Er nahm nur eine Tasse Kaffee und drei gelbe Maiskuchen, das sättigte ihn vollkommen. Er wollte den Krämer, von dem er gemietet hatte, um leere Kisten bitten, die sollten als Tisch dienen, und auch als Bänke für ihn, solange er kein Geld hatte, um Regale und wirkliche Sessel und Tische aufzustellen. Aber er scholl die Bitte auf — erst sollten die Bücher, die der Verleger Diamond ihm versprochen hatte, auch wirklich da sein. Er war schon begierig, weitere Verleger aufzusuchen, aber der Geschäftsdiener von Diamond mußte ihn doch zuhause finden. Ezechiel nahm zwei seiner eigenen Bücher und legte sie auf die steinerne Stufe seines Kellerlokals. Darauf setzte er sich und las im ,.Buche des Königs'' —- die Verse, die Jakob von Schottland geschrieben hatte, als er im Tower von London gefangen lag. Er las von einem Garten im Morgenglanz.

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