Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Lewin, Shmarya: Kindheit im Exil [Rezension]
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 562 (sequence 1)
- Language
- German
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562 MENORAH SHMARYA LEWIN: KINDHEIT IM EXIL. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin. Ein großes Dokument jüdischer Geistesverfassung, seelischer Beding Hilml und ökonomischer Bedingungslosigkcit wird hier entroll l, das Haus der Vater geschildert, das den wurzellosen Söhnen in einer gewissen patriarchalischen Verklärtheit nur mehr Statte der Träume, nicht mehr realer Wirklichkeit geworden ist. Daneben die Darstellung des eigenen zwiegespaltenen Seelenlehens; der junge Leviu als Talmudschüler und phantasiebegabler Dichter wird: im trockenen Lehrstoff die heroischen Erzählungen der heiligen Schrift das Epos seines Volkes erleben. Dieses Buch wird als Darstellung jüdischer Geislesuncl Kulturgeschichte in. Rußland um die Zeit des Erwachens der jüdischen Renaissancebewegung immer seinen Wert behalten. Noah. MAX FREIHERR VON OPPENHEIM: DER TELL HALAF. F. A. Brockhaus, Leipzig. Ein SchutlhügeL im Zweistromlande birgt die ältesten Steinbilder der Welt, Zeugen einer bisher unbekannten Kultur, die 4000 Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung datiert. Das wichtigste Ergebnis dieser Ausgrabung, die der deutsche Forscher schon vor dem Kriege begonnen und vor wenigen Jahren vollendet hat, ist die Feststellung, daß im vorderen Orient neben der Kultur von Ägypten und Babylon eine dritte große selbständige Kultur, die subaräischc, bestanden, bat. Die Ergebnisse der Forschung werden durch die Beigabe von mehr als 100 einfarbigen und farbigen Bildtafeln sinnfällig dargestellt. M—I. ARTHUR SCHNITZLER: DIE FLUCHT IN DIE FINSTERNIS. Verlag S. Fischer, Berlin. Die Begabung des Menschendarslellers und die Erkenntnis des Arztes legen unerbittlich die geheimsten Regungen und Ahnungen der menschlichen Seele bloß. Das Schicksal ist dem Menschen angeboren. Es gibt kein Entrinnen. Der Wahn, der den liebenswürdigen, musikbegabten Sektion.sral verfolgt, seine Flucht vor der Finsternis der Geistesgestörtheil-, findet seelisch bedingtes Gegenspiel an der kalten Nüchternheit des ärztlichen Bruders, der im S3Tmptom die Diagnose fürchtet. Frauen gleiten schattenhaft vorbei, es ist ihnen nicht beschieden, Klarheit zu schaffen. Gesundung zu verbreiten. Unerbittlich wird die Zwangsvorstellung zum Geschehen. Nur wie sie zum Geschehen wird, das ist das Geheimnis, das eleu Menschen auf seinem. Lebenswege begleitet; wie sich ein Leben erfüllt, vermag der Mensch nur zu ahnen, es ist ihm nicht gegeben, darum zu wissen. -~r?n. ERNST WEISS: GEORG LETI1AM ARZT UND MÖRDER. (Roman.) 1931. Paul Zsohiny Verlag, Berlin-Wien-Leipzig. Immer wieder „die Sinnlosigkeit und stupide Grausamkeit des Weltenlaufes" erkennen zu müssen — du zu wird Georg Lei ha m der Jüngere von einem verbitterten Vater erzogen, der die Welt „durchschaut" hat. Mit dieser „Erbsünde" behaltet, erwächst er zum Menschen ohne Liebe und ohne Gewissen und wird - — Arzt von größtem wissenschaftlichen Format. Er mordet seine Frau, vor der es ihn ekelt, und wird zur Deportation auf eine Art von Teufelsinsel verurteilt. In düesem Inferno aus Gelbfieber und Verworfenheit erkennt Leiha m den Sinn des menschlichen Schicksals. In den Tiefen der Gemeinheit erfaßt er das Wesen der Gemeinschaft, lernt im Kampf gegen den Seuchentod die Liebt1 zum Menschen und zur Menschheit fühlen und jenseits aller Gesetze der Logik den sinnvollen Lauf -der Welt erkennen. Bietet sich selbst zum Opfer dar, um die VerbreiLungsweise des gelben Fiebers zu erforschen, und erschaut seine Lebensaufgabe, verseuchtes Land dem modernden Gelblieber zu entreißen. In diesen Faust-Gedanken mündet ein von der Logik beherrschtes Leben, das Ernst Weiss in breiter epischer Darstellung entrollt. Mit ullen Hilfsmitteln sozusagen moderner Gescheitheit wird dieses Einzelsc.hicksal ins Allgemeingültige gehoben. Nicht immer geht dieses Exempel auf, da und dort bleibt ..ein Rest, zu tragen peinlich". Aber es ist Weite in diesem Roman und er hat Stellen, an denen sich dem Leser wirkliche Ergriffenheit, ja