Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Karl Lieblich: Wir jungen Juden ... [Rezension]
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 561 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE 561 fertiges Haus umzieht, bindend und noch nicht völlig und niemals völlig gebunden, mag unsere Heimat in Deutschland, Mexico, in Australien sein: die ganze Erde ist unser Vaterland." (S. 121.) Daraus folgt, daß wir liberall die Minderheilsreehle für uns in Anspruch nehmen sollten, ja daß wir uns die interterritoriale Nation nennen können, sind. Bei dieser Einstellung zeigt der Verfasser eine große Milde gegenüber den Täuflingen, deren Schuld beim Schicksal liegt, und eine ungeheure Verachtung gegenüber der Religion überbau])! und der jüdisch religiösen Bindung noch vornehmlich. Er verleugnet die Bedeutung der Religion für die Erhaltung des Judentums in Vergangenheit und Gegenwart, er fordert ,,wir müssen auf diese Gotleslehre und ihre Form verzichten" (S. 122), er sieht es als eine jüdische Pflicht an, dem ganzen Abendland darin voranzugehen, die Religion zu verlassen", er sieht darin unsere Kraft, ..daß etwas Neues zu entstehen vermag'1. Didier versteigt er sich zu spöttischen Wendungen und rührt an den heiligsten Dingen, deren innersten Kern er nie empfunden haben mag. Ich will nicht zitieren, mit welcher Leichtfertigkeit und Überheblichkeit vom Subbath gesprochen wird, es genügt; nur ein mildes Zitat: wir beseitigen . . . „das Eiertänzen zwischen hunderterlei leblos gewordenen Äußerlichkeiten" (S. 149). Der Band bringt im Anhang das Programm des „Bundes für Neues Judentum", der eine Folge dieser Vorträge ist. liier liest man — unler dem Zwange der scharfen Formulierung -- schon klarer, was Lieblich und seine Anhänger wollen. Da ist im § 2 zu lesen: ..Dementsprechend fordert er Befreiung von allen zur Äußerlichkeit erstarrten Riten". 3 ..würdigt im Zionismus die volkheifliehe Gesinnung, wenn er auch grundsätzlich seinen Weg ablehnen muß", 4 „er siebt im Wesen jedes Menschen «iiien Nalurvorgang ohne Schuld und Sühne und erstrebt ein Leben im Geiste reiner Wahrhaftigkeit" usw. Dieser Bund und die vorliegenden Vorträge liefern uns wiederum einen Beweis dafür, wohin die Neuerungssueht führt. Im Grundzug des jüdischen Wesens, im Stolz auf Vergangenheit, in der Forlführung alter Gedanken wenn auch erneuert — liegt die ewige Kraft des lebendigen Judentums. Eine solche Trennung vom Gewesenen haben wir selten erlebt. Ersatz ist noch nicht geboten. So viel zeigen die Vorträge. A. Posner, Kiel. NEU E ß Ü C I I E II JOS EP 11 K A ST EIN: EINE GE SC 111 GUTE DER JUDEN. Emst Rowohlt Verlag. Berlin. In einem großen und gedrängten Zug entsteht. Leben und Schicksalsbild des jüdischen Volkes. Die Zerstreuung machte es zum Objekt der Weltgeschichte, schuf jedoch das Bemühen, selbst schöpferisch zu wirken, um wieder subjektiv Geschichtsgewall zu erlangen. Dadurch wird dieses Werk zum Zeugnis für den Sinn, für die Verantwortung der jüdischen Existenz, die nach der Meinung des Autors an der Quelle einer neuen Produktivität, einer neuen Geschichlswerdung sieht. Diese deutliche Stellungnuhme, diese schicksalsbejahende Einstellung ist wohl der greißte Unterschied dieses Geschichls Werkes gegenüber anderen Darstellungen. Die Geistesverfassung des Volkes soll bestimmend für sein weiteres Schicksal sein, nicht die Zufälligkeit der wandelnden Ordnung der ökonomischen Bedingungen, unter denen jetzt seine zerstreu teil Reste leben. Noah. SCIIALOM ASCII: VON DEN VÄTERN. Bearbeitet von Siegfried Schmitz. Paul Zsoinav Verlag, Wien-Berlin. Einen Versuch, sein Elternhaus und seine engere Heimal darzustellen nennt Asch in seiner Selbstbiographie die Erzählungen „Der reiche Herr Salomon" und „Das Slädtel", welche der vorliegende Band enthält. Ein Versuch, der nach seiner Meinung ..nicht gelungen" ist. Wir danken aber dem begabten Autor diesen Versuch; denn die epische, von köstlichem Humor und eindrucksvoller Schilderung erfüllte Darstellung wird das an der Jahrhundertwende vergehende „Slädtel" in der Literatur so lebendig erhallen, wie einsl Goethe dem Städtchen Kleindeutsehlands in ..Hermann und Dorothea" ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. im.