Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Agada und Exegese bei Flavius Josephus ... [Rezension]
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 560 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912915-2927546--10927-2927697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
560 MENORAH Contra Apionem auf nicht ganz zwei Seiten behandelt, auch nur so weit biblische Fragen in Betracht kommen. „Agada und Exegese" werden so durch das Festhalten an biblischen Fragen zur „agadischen Exegese'1. Dabei aber bietet besonders Bellum gerade in Stellen, wo man es am wenigsten vermuten würde, ganz merkwürdige Parallelen zur Agada. Es ist selbstredend unmöglich in diesem Rahmen, die Frage ausführlich zu behandeln, ein Beispiel wird aber einigermaßen über die Art dieser Parallelen Aufklärung geben. Bellum III, 8, 9 wird Josephus' Übergang zu den Römern geschildert. Wie er vor Vespasian gebracht, diesen dadurch für sich gewinnt, daß er ihm voraussagt, er werde bald zum Imperator gewählt werden. Josephus läßt dabei durchblicken, daß er, der von Gott die Gabe des Prophetentums erhalten, auch sonst die Zukunft hat voraussehen können. Nun lesen wir im Talmud Gilt in 56 a ganz dasselbe über R. Jochaiiaii ben Sakkai. Bei'de Quellen gehen dabei von der agadischen Deutung des Verses Jesaia 10, 34 aus, der dahin gedeutet wurde, daß der Bezwinger Jerusalems und des Heiligtums den höchsten Herrscherrang besitzen muß. Ist also vorliegende Arbeit dem Umfange nach ergänzungsfähig, so bietet aber Verfasser dem Inhalte nach eine vollkommene Lösung. Hervorzuheben ist die Schlagfertigkeil, mit der Verfasser in der größeren Ausführung S. XL, Anm. 3, Gasters Ausführungen in „The Asatir" (London 1927) erledigt. Es ist nur zu loben, wenn ein junger Wissenschaftler vor Namen" nicht zurücksehreckt, um ohne Rücksicht auf eventuelles Unbehagen der Wahrheit zu dienen. Alles in allein ist der Verfasser mit dieser Erstlingsarbeit eine große Verpflichtung für die Zukunft gegenüber der jüdischen Wissensehaft eingegangen. Möge es ihm gegeben sein, sie restlos zu erfüllen. B. M. KARL LIEBLICH: WIR JUNGEN JUDEN, DREI UNTERSUCHUNGEN ZUR JÜDISCHEN FRAGE. 1931, im Zonen-Verlag zu Stuttgart. In diesem schmucken Bündchen werden drei Vorträge abgedruckt, die der aus anderen Schriften schon bekannte Verfasser in den letzten Jahren in Stuttgart gehallen hat. Sie führen einzeln folgende Titel: 1. Judenhaß als Judensehicksal (über das Problem jüdischer Vergangenheil), 2. Wozu... (über das Problem jüdischer Gegenwart) und 3. Wir Jungen Juden (über das Problem jüdischer Zukunft). Sie reden eine schlichte, schöne eindringliche Sprache und benutzen leichtverständliche Bilder und Beispiele. Was aber der Verfasser eigentlich nun will, das kann man seinen Vorträgen nicht klar entnehmen. Der Kampf gegen das Bestehende hat den Verfasser noch nicht zu gut fundierten eigenen Anschauungen gebracht, es ist noch nicht genug Positives erarbeitet, als daß man ein klares Ziel sehen könnte. In der Darstellung der augenblicklichen Zustände, zum Beispiel in Fragen der Rassen¬ oder Geschichtsforschung kann man dem Verfasser folgen, man kann ihm auch beipflichten in der Definition des Antisemitismus, der weder in der Religion, noch in der Rasse, noch in der Wirtschaft, noch in der Intelligenz seinen Urgrund hat, „sondern sie hassen uns um unseres Anderssein- und Bleibenwollens" (S. 37), wiewohl eben dieses Anderssein in Religion, Rasse, Naluranlage seinen Ursprung hat, man kann bedingt auch seine Ausdeutung biblischer Sätze hinnehmen, aber man kann unmöglich diese Zwitterstellung, die der Verfasser zur nationalen und assimilatorischen Frage, einnimmt, billigen. Er fühlt sich deutlich zum Nationalismus hingezogen, kann sich aber nicht zum Zionismus bekennen, sieht daher auch dessen Stellung zu Palästina nicht objektiv genug (S. 84 ff.). Ivs ist Künstelei, über Staat, Volk, Nation, Volkheit usw. feine Auseinandersetzungen zu schreiben, die nationale Idee zu bekämpfen und doch zu schreiben: ..Wir sind also -eine Rasse, ein Volk und gleichzeitig die Schicksalsgefährten, gleich wesentlich die Heimatgeschwisler des deutschen, englischen, französischen Volkes. . . Nein, hier und dort, allenthalben auf dieser runden Erde leben wir schicksalhaft als einziges Gürtelvolk, dem Mörtel vergleichbar, der gürtelförmig ein noch un-