Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 559 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BIBLIOGRAPHIE 559 WANDERUM; UND SOZIALE HILFE. Das jüdische Retlungskomilee in Warschau hat für den kommenden Winter 10.000 Familien für eine Ausspciseaklion regislrierl. In Wien starb Henrielte Weiss; nach dem Tode ihres Gatten widmete sie ihr Leben und Vermögen der Schaffung von Fürsorgeinslilulionen für kranke und alternde Angehörige des Mittelstandes. ----- Die jüdischen Kolonien in SüdruÜland haben bei befriedigenden Ernteergebnissen den grüßten Teil des sfaaHieben Gelreidek<>ntingenles abgebet'ert. WISSENSCHAFT UND KUNST. Prof. Otto W. Warburg, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Inslilules, erhielt den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. - Prof. Eduard Engel feiert den 80. Gebulistag. — Das Vorlesungsverzeichnis der Harvard-Universität (New York) enthält einen Kursus über den Dichter Perez. — Norman Benlwich wird den Wetizmunn-Lehrstuhl an der hebräischen Universität in Jerusalem für internationalen Frieden übernehmen. BIBLIOGRAPHIE AG ADA UND EXEGESE BEI FLAVIUS JOSEPHUS, VON DR. SALOMO RAPPA- PORT. (Veröffentlichungen der Oberrabbiner Dr. Ii. P. Chajes-Preissliftung an der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien, Bd. III.) Verlag der Alexander Ivohui Memorial Foundalion, Wien 1930. XXXVI und HO SS. Die Gestalt des Josephus gehört zu den interessantesten der Literaturgeschichte und bildet den Gegenstand zahlreicher Erörterungen. Trotzdem gehört eine treffende Wertung seiner Persönlichkeit der Zukunft. Von den bisherigen Darstellungen kann meines Erachlens weder die ältere ihn verdummende, noch die jüngere ihn reinzuwaschen versuchende Richtung ganz befriedigen. Das komplizierte Rätsel der Psyche Josephus' ist bisher ungelöst. Auf dem Wege zur richtigen Erfassung dieses Problems bietet nun vorliegende Arbeit eine grundlegende Untersuchung über den geistigen Gesichtskreis und die Weltanschauung des Josephus. Verfasser bespricht in der Einleitung ganz allgemein die Möglichkeilen des Josephus, rabbinische und hellenistische Auffassung der Bibel zu erfahren. Alle vorliegenden Lösungen dieser Frage werden dargelegt und kritisch behandelt. Verfasser räumt dem aramäischen Targum eine ganz besondere Stellung ein als Quelle des Josephus für rabbinische Agada und Exegese. Die eventuelLe rabbinische Jugendbildung hält er nicht für wichtig, da Josephus — wie einleuchtend gezeigt wird — für sie wenig Zeit übrig hatte und schon Jahrzehnte vor seiner schriftstellerischen Tätigkeit jedem rabbinischen Einfluß fernstand. Verfasser glaubt nun die Frage, auf welchem Wege Josephus in Rom die, zu jener Zeit noch nicht schriftlich niedergelegte, rabbinische Agada kennengelernt, durch den Hinweis auf aramäischen Targum beantworten zu können. Meines Erachtens kann diese Frage nicht für Josephus individuell angeschnitten werden. Die Lösung wird viel eher in den Zeilverhällnissen zu suchen sein. Auch bei den Kirchenvätern Juslinus Martyr und Tertullian, wenn sie auch jünger sind als Josephus, ist die unmittelbare Quelle der von ihnen angeführten rabbinischen Traditionen unbekannt. Höchstwahrscheinlich sind diese Erscheinungen durch die, noch sehr wenig erforschte, jüdische Missionstätigkeit, die lange vor Josephus einsetzte und im Abendland wie im Morgenland die prächtigen Blüten jüdischen Geistes, die Agada, verkündete, zu erklären. Nach der Reihenfolge der biblischen Bücher geordnet, folgen dann die verschiedenen Stellen in den Antiquilates, die eine agadische Angabe oder Exegese enthalten. Die Quellen und Parallelen sind mit wunderbarem Fleiß und mit Verständnis gesammelt und verwendet. Nicht nur rabbinische, auch christliche und islamische Literatur bieten eine reichliche, zuweilen unentbehrliche, Ergänzung. Viele Fragen werden erst durch diese Hinweise eindeutig geklärt. Auffallend ist es aber, daß der Verfasser Bellum und