Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Sederschüssel [Illustration]
- Date
- 1931-11-01
- Page
- 557 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustration document
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912915-2927537--10908-2927694- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lea Halpern / Sederschüssel (Keiamik) JUDENGASSE NR. 4 Vor einigen Wochen ist, im Zuge der unaufhaltbaren Freilegung der Judengasse, auch das Haus Nr. 4 abgetragen worden. Ein altes Haus, das seil der letzten Konskription die Nummer 502 getragen hat. Unter dieser Nummer findet man in der Häuserchronik von Karl August Schimmer seine Besitzer in den Jahren 1684 bis 1849 verzeichnet. Selbstredend reicht es in seiner heutigen GestaU nicht auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück, sondern hat verschiedene, mehr oder minder eingreifende Umhauten erlebt. Wohl die letzte im Jahre 1807, aus dem sich - in der Plan- und Sehriftenkammer der Stadt Wien — ein Aklenbündel erhallen hat, das sich auf die Errichtung eines neuen, höchsten Stockwerkes bezieht. In seiner letzten Gestalt erschien es außen als ein schmales, hohes Gebäude von mürrischem Ansehen, flach geführt, aber mit kräftigen wagerecht durchziehenden Leisten über den Fensterreihen, eng und düster auch der Hof, dessen ungleiche Bauteile mit dem eingezwängten halbrunden Stiegenhaus in der Tiefe die bewegte Baugeschichte des Hauses am deutlichsten vors Auge brachten. Vielleicht wird, wer nun die Aufnahme dieses Hofes zu sehen bekommt, den Raum heimelig und romantisch empfinden. Vielleicht werden angesichts dieser Aufnahme Erinnerungen an All-Prag in ihm wacli werden. Und ganz gewiß wird ein Film, der auf intensive Weise den Eindruck des Abseitigen. Verlorenen hervorrufen will, nicht leicht ein besseres Vorbild linden. Wir aber begnügen uns heute mit dem Anblick dieses Hofes, der nun mitsamt seinem Hause gefallen ist. Wir lassen ihn unmittelbar auf die Ansichten der neuen Synagoge folgen, als einen sehr frappanten Gegensatz zu der offenen, liehl- und luitvollen Gestalt des neuen Bauwerkes. Dem Betrachter ist damit der Anstoß für einen sinnvollen Vergleich gegeben. Möge er ihn mit Vorsicht gebrauchen und sich von sehr nahe liegenden Gedanken und Gefühlen nicht allzu leicht, nicht allzu weit treiben lassen. Dann wollen wir bei Gelegenheit auf den Gegenstand zurückkommen und die Frage nach den Rechten des Altertümlichen und des Gegenwärtigen auf werfen, um im lebendigen Geist eine Antwort zu suchen. E.