Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1931-11-01 · Heft 11-12 (November 1931) · p. Seite 544

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 11-12 (November 1931)
Article
Georg Hermann
Date
1931-11-01
Page
Seite 544 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2912821-2912908-2912915-2927532--10887-2927681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

544 MENORAH stärker in Bann geschlagen als von der gewissermaßen nur in der Landschaft dauernden Vergangenheit. Das Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Vorwurf einer Reihe von Werken, von denen dem im Jahre 1915 erschienenen Roman ,,K u 1) i n k c" der stärkste Erfolg heschieden war. Das armselige kleine Geschöpf, das im Mittelpunkt dieses — übrigens ausgezeichnet erzählten — Werkes steht, wurde Vorbild zahlloser Komödien- und Filmfiguren fixer Literaturhandwerker (zu denen Hermann nie zählte und zählen wird). Auch „Kubinke" wurde später verfilmt, leider unzulänglich. Dieses Schicksal halten auch einige andere Romane Hermanns, unter anderen (wie nicht anders zu erwarten) ,,Jettchen Gebert", dann ,,D i e N a cht des Dr. Her zf e 1 d", eine überdurchschnittliche, vielleicht etwas überspitzte Menschenstudic. Der große Erfolg stellte sich bei den übrigen Werken — es seien die Romane „D e r kleine Gas t", „S c h n c c", „T rä u m e der Ellen Stein" genannt —■ nicht ein, er scheint in der letzten Zeit diesen Schriftsteller, der niemals Durchschnitlsware liefern kann, zu meiden. Das besagt nichts, darf nichts besagen — denn Georg Hermann kann nicht mit dem Maß des ,,Betriebes" gemessen werden. Was er schallt, ist aus lebensvollem Temperament geboren, hat eigene Farbe und vor allem — künstlerisches Gewissen. Sein Werk horcht auf die Zeit, nicht auf die Stunde, und gibt unbeirrt wieder, was seinen Schöpfer zur Gestaltung drängt. Dadurch reicht Hermanns Schalten über das Milieu heraus, in dem er seine Wurzeln hat. Er stellt Menschen in ihre Landschaft, mag es auch ein Quartier der kleinsten Leute sein. Dadurch gibt es in jeder seiner Schilderungen etwas von dem echten, dem dichterischen Realismus, der seit je wesentliches Merkmal wahrer Kunst ist. Gerade in diesem Zusammenhang seien wenige Worte von Hermanns Verhältnis zum Judentum gesagt. Er selbst hat in einer Schrift ,,D er doppelte Spiegel" versucht, darüber zu sprechen, und sich offen zum Judentum bekannt, ebenso entschieden aber deutsches Volksbewußtsein betont, das ihm untrennbar mit seinem Judentum verbunden ist. Es ließe sich vielleicht unschwer nachweisen, daß eine sozusagen politische Formel den Kern der Sache nicht trifft. Aber hier sei auf etwas Wesentliches hingewiesen; Georg Hermann ist ein Kind deutscher Kultur, in der seine Vorfahren lebten, in der er erzogen wurde. Sie hat ihn seelisch und schöpferisch ganz durchdrungen, nicht zum wenigsten gerade deshalb weil er nichts von seiner Herkunft, von Herkommen innerlich aufgab. Gerade das mag dazu beigetragen haben, daß er Landschaft leben und gestalten kann. Die etwas von ihrem überkommenen Wesen aufgeben, haben keine Landschaft. Das ist das Kainszeichen der Entwurzelten. Auch ihr Schalten ist landschaftslos. Wo sie es selbst empfinden, suchen sie den seelischen Defekt durch technische Fertigkeil zu kaschieren. Georg Hermanns Kunst bedarf solcher Prothesen nicht, denn sie ist einer Kraft entsprungen, die sich nie selbst aufgegeben hat und daher wahrhaft schöpferisch ist und bleibt. Dies will als Dank und Gruß gesagt sein, an dem Tage, da Georg Hermann das sechzigste Lebensjahr vollendet. E. G. F. ALS EIN WÜRDIGES GOETIIE-DENKMAL darf das diesjährige Weihnaehts-Jahrbuch des Volksverbandes der Bücherfreunde: „Im Zeichen Goethes" benannt werden. Besonders interessant und für die kulturelle Arbeit dieses ältesten und größten deutschen Buchverbandes sehr bezeichnend ist die Bekanntgabe, daß es dem Volksverbande der Bücherfreunde durch mühseliges Sammeln gelungen ist, die stattliche Anzahl von 2(> G o e t h e- O r i g i n a 1 - B r i e t' e n erworben zu haben, die er im Goethe-Gedächtnisjahr denjenigen seiner aktivsten Mitglieder, die in der Ausbreitung des vom Volksverband der Bücherfreunde erstmalig geschaffenen Buchverbandsgedankens eine persönliche ideelle Aufgabe erblicken, völlig kostenlos überreicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.