Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Die Synagoge in Sillein
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 531 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SYNAGOGE IN SILLEIN 531 zunächst in geräumige Vorhallen, welche in zwei mit grünem Marmor verkleideten Nischen Wandbrunnen enthalten. Von den Mustern des Terrazzobodens geleitet, kommt man seitlich zu den Treppen der Frauengalerie, in der Milte — durch zwei Pendeltüren — in den Männersaal. Das Erdgeschoß umfaßt 450, die Galerie 300 Silze. Die Galerie und die Decke ruhen auf Betonpfeilern, auch die ilach gewölbte Kuppel ist aus Eisenbeton. Die Höhe des Raumes, mitsamt der Kuppel, beträgt 17*6 m. Besonderes Material ist nur für die —- im Augenblick noch unfertige —- heilige Lade verwendet. Sonst sind durchwegs schlichte, aber sehr haltbare und leicht zu säubernde Werkstoffe gebraucht. Das Gestühl ist aus Weichholz, mit dunkelblauem Schleiflack überzogen, die Wände sind mit breiten wagerecblen Streifen --- abwechselnd weil.» und hellbraun ~— versehen, das Gewölbe der Kuppel durchmißt ein reich verzweigter, goldener Davidstern, ein Ornament, das in seinem großen, verstandesklaren Zuge den Meister nicht verleugnet. Aber bezeichnender noch für ihn die sehr entschiedene Deutlichkeit, mit der auch hier, im Innern des Bauwerkes, die Struktur klargestellt, ja förmlich bloßgelegt wird. Die tragenden kantigen Pfeiler stehen an den Ecken von den Wänden ab, auf ihnen liegen nicht minder ollen — die Balken der Decke, welche die Kuppel mit ihrem Viereck umspannen. Damit kommt nun auch im Innern die ingenieurhaft aufrichtige Behrcns'sche Bauweise zum Ausdruck. Und auf ihr beruht letzten Endes auch der Charakter und Wert des Bauwerkes. Man wird es, um zum Kern der Formfrage zu kommen, zunächst nicht als eine moderne Synagoge, sondern nur als eine neue Arbeit des Peter Behrens nehmen müssen. Und wird dann bewundernd erkennen, wTie sicher sich die starke Eigenart des Künstlers — seine folgerichtige Klarheit und Kraft — selbst bei diesem ungewohnten Thema, selbst gegen den kleinmütigen Geist des Bauprogrammes durchgesetzt hat. Freilich, ein jüdischer Tempel ist es schon der Form nach, aber auch nach Sinn, Rhythmus und Stimmung, nicht eigentlich geworden. Doch das lag nicht an dem Baumeister, dem man das Umdenken, Umfühlen auf die jüdische Sache so wenig zumuten und dann anlasten kann wTie etwa dem alten Kornhäusl bei seinem Tempel in der Seilenstettengasse zu Wien. Sondern das lag im Grunde an den Bauherren von Sillein. Dr. Max Eisler