Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Dr. Arthur Schnitzler
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 499 (sequence 9)
- Language
- German
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DR. ARTHUR SGHNITZLER 499 Werke bei seinem Stammverlage S. Fischer durchzusetzen. Der dem Dichter freundschaftlich nahestehende Universitätsprofessor Otto Schinnerer (New York) hat alles was über den Fall des „Reigen" geschrieben wurde, in einer umfangreichen Bibliographie zusammengefaßt. Diese sollte nach des Dichters Wunsch als Vorrede zur hundertsten Auflage erscheinen; es kam jedoch dann nicht zur Ausführung dieser Absicht. Andererseits wieder war Schnitzler stets ein Gegner der Aufführung des „Reigen'6 und auch die vor mehreren Jahren erfolgte Wiener Aufführung, die eine starke Hetze auslöste, war eigentlich gegen seinen Willen erfolgt. In den letzten Jahren hat der Dichter den „Reigen" von sämtlichen deutschen Bühnen zurückgezogen. Das innerste Wesen des Menschen Schnitzler ist aber in einer vollendeten Autobiographie und in den Tagebüchern eingeschlossen, die er mit der erdenklichsten Regelmäßigkeit und Genauigkeit seit dem Jahr 1879 bis in die letzten Tage handschriftlich geführt hat. In seinen letztwilligen Anordnungen verfügte er, daß bei einer Veröffentlichung nichts weggelassen, nichts geändert, nichts „verfälscht" werden dürfe. Daher schrieb er aus Rücksichtnahme auf die darin vorkommenden Personen strengste Geheimhaltung vor und gestattete die Veröffentlichung erst zu einer Zeit, wo fast alle seine Zeitgenossen nicht mehr am Leben und viele auch schon der Vergessenheit anheim gefallen sein werden. Dann wird offenkundig werden, wieviel Schnitzler wußte und welches Wissen er vor seinen Zeitgenossen verborgen hielt. Hier sind kleine Züge zusammengetragen, die den Menschen Schnitzler, wie er durch den Tag ging, charakterisieren sollen. Sie mögen in ihrer Unzulänglichkeit als Zeichen der Verehrung für eine Persönlichkeit dienen, die von subtiler und dabei merkwürdig distanzierter Eigenart war. Nichts drückt das Wesen Schnitzlers mehr aus, als die Worte, die er am Schluß der letzterschienenen Novelle „Flucht in die Finsternis" den Dr. Leinbach in sein mit Sorgfalt geführtes Tagebuch eintragen läßt: „.. .Was sind Ahnungen? Doch nur Gedankenfolgen innerhalb des Unbewußten. Die Logik im Metaphysischen könnte man vielleicht sagen . .So war Schnitzler sein ganzes Leben von Ahnungen umschwebt. Aus diesen Ahnungen schuf er die Menschen, die seinen W7erken Unsterblichkeit verleihen werden und diese Schaffenskraft war in ihm, weil er ein Wissender war, einer der wenigen Menschen, die um sich selbst und ihr Schicksal wußten.