Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Essad Bey: Stalin [Rezension]
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 478 (sequence 1)
- Language
- German
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478 MENORAH ES SAD BEY: STALIN. Gustav Kiepenheuer Verlag, Berlin. Noch herrscht J. W. Stalin, Generalsekretär 'der kommiuiiistisohen Partei, hinter den Mauern des Kreml. Eine Erseheinung, die uns Europäern viel unbegreiflicher ist, als die Menschen Lenin und Trolzki, die Geist vom Geiste der westlichen Kultur waren und ihrer Zeit vorauseilend, die als richtig erkannte Schlußfolgerung einer vielleicht schon überlebten Gesellschaftsordnung durch Diktat einer neuen Gesellschaft zu verwirklichen suchten. Stalin aber, der aus .dem Völkergemisch Kaukasiens stammt, bleibt uns ein Rätsel. Seine Hartnäckigkeit und Wandelbarkeit, zugleich Prinzipienfestigkeit und scheinbarer Opportunismus beunruhigen den europäischen Kontinent mehr als die Stürmer und Dränger des Kommunismus. So danken wir dem Autor den Versuch, ein Porträt dieses Felsens" zu zeichnen, die Bedingungen 'darzustellen, unter denen der Geist Stalins erwacht, sich entwickelt, den Kampf um die Macht begann, sie ergriff und ausübte. Noah MATWEJ ROES MANN: FISCHBEIN STRECKT DIE WAFFEN. Bruno Cassirer Verlag, Berlin. Der jüdische Nepmann durch die karrikalurenhaft verzerrende Brille dies religionsleindlicheii Kommunisten gesehen, kämpft seinen letzten Kampf um die Selbstbehauptung in dem Meer der roten Proletarisierung, mit allen Listen, allen Schlichen, der bürgerlichen Welt, allein und in Gemeinschaft mit seinen echtrussi sehen Geschäftsfreunden. Aber sie nllc müssen die Waffen strecken vor der roten Front der neuen Gesellschaft. Ob aber endgültig? Die Frage bleibt offen. N PETER RISS: STAHLBAD ANNO 17. Fackelreiter Verlag, Hamburg. Ein Kriegsepos der Jugend, das mit unerbittlicher Realistik den To des weg der Siebzehnjährigen zeichnet, ein Denkmal, und Mahnung zugleich der jungen Generation, die neuen Katastrophen -entgegentaumelt. M—x RICHARD HUGHES: EIN STURMWIND VON JAMAIKA. Verlag Erich Reiß, Berlin. Die Handlung spielt in idter Mitte des vorigen Jahrhunderts. Ein Häuflein Kinder, in paradiesischer Unschuld aufgewachsen, trifft mit idicr Wirklichkeit des Lebens zusammen, verkörpert durch die Besatzung eines „Piratenschiffes". Die Lebendigkeit der Darstellung vermittelt uns Eingang in das größte aller Rätsel, die Psychologie des Kindes. Denn Kniiben und Mädchen, die von den rauhen Männern nur Gutes erfahren unidi sie liebgewonnen haben, bewirken in der Gericihlsverhaiwllung die Entscheidung, sind Kronzeugen für das Todesurteil; doch nach dem Sturmwind des Erlebens, der über sie hinweggebraust ist. glättet wieder die göttliche Ruhe der unberührten Jugend die Kinderseele. F—e EDNA F ERB ER: C IM AR RON. Verlag Gebrüder Enoch, Hamburg. Ein dankbares Thema: Die Kolonisation des Staates Oklahoma, der letzten indianischen Reservation und eines der ersterschlossenen Pelroleiiimgebiete. Neben dem Idealisten und Abenteurer, Advokaten umd Revolverhelden, dem liebenswerten Jancey Cra'vat steht die herbe Sabra, die Mutter der Kolonisten, die Frau, die niemals müde wird, niemals verzagt, diie Rechte der Familie des Heimes in der Zeitung, idlie ihr Mann geschaffen, verficht. Sie ist Vorkämpferin der Zivilisation, Sinnbild aller Frauen, die Amerika zu einem Lande der westlichen Kultur gemacht haben. . . .ne ILJA EHRENBURG: DIE HEILIGSTEN GÜTER. Malik Verlag, Berlin. Zwischen Friedenskonferenzen und Krisen geht der Kampf der ,,Wirtschaftsführer" um die Macht über die loten Dinge, Streichhölzer und Waffen, Eingeborene und Devisen, unbeirrt um die Verarmung der Staaten und Verelendung der Völker. All dies mit der bitteren Ironie, die Eihrenburgs beste Gabe ist, schonungslos gegeißelt gibt das schaurige Bild einer Apokalypse der letzten Tage der kapitalistischen Gesellschaft. M—.r