Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Arrigo Minerbi
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 457 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ARRKiO MINE RRI 457 Siels ist die sich Iba re Darstellung rein gelühll und die Berührung mit allen Zartheiten des Ausdrucks, wie sie in der äußeren Form zu Tage linden, lälU ein Maximum an Wahrhaftigkeit einer Kunsi erkennen, die. weil und mächtig sein will, und doch in gevus^ein Sinn zart in ihren Äußerungen, flenn nie würde sie es wagen, mehr als jene leise, leichte Wirkung erzielen zu wollen, wie sie, das zitternde Wogen der Schulten zwischen kompaktem Marmor und durchsichtiger Luft hervorbringt. Das Wesen der Form gewinnt eine neue, unbekannte Tiefe der Bedeutung und Aiisdrucksgewalt in der Darstellung der Mutterschaft, wie sie von Arrigo Minerbi gefühlt wird. Die Marmorhiisle von Eleonore Duse ist ein Werk, erfüllt von Zartheil, wnrmer Anteilnahme und Ergriffenheit. Diese Schöpfung des Künstlers ist in einer Haltung immobilisiert und interpretiert, die gleichsam den Aleni des Körpers und die Seufzer der Seele miteinander vermählt und ins unendliche fortsetzt, die in du* plastische Bewegung die ganze Seelentragödie bannt. Trotzdem zeigt sich vielleicht gerade in dieser schönen Büste mehr als anderswo die Gefahr, die der Kunst Minerbis droht, und zwar sein ('berinaß an Vorliebe für äußere Feinheiten, die einer bloßen Nachahmung des rein physischen Körpers zu nahe kommt, weil er allzu großen Werl auf äußere Ähnlichkeil legt. Alles Avas im tiefsten Grund .synthetisch ausdrucksvoll erscheint, die Linien der Wangen und Wimpern, der Lippen und Nasenflügel, gehl in einer Art süßlicher Modellierung unter, die vom Kinn zu den Haaren läuft, und der Künstler war sich in seiner Neigung zu 7\\len Nuancen, zu getreu wiedergegebenen Feinheiten der Gefahr nicht bewußt, der er sich dadurch auslieferte. Denn die Materie rächt s.ich. Werden Seelenregungen in ein-3 Form gebannt, deren Hauptgewicht auf der treuen Wiedergabe des Körperlichen ruht, so tritt die Härle des kallen Steines im Gegensatz zu der Durchsichtigkeit des seelischen Wesens doppell hervor; besonders in den dem Ausdruck der Empfindungen und st hmerzerfüllten Belebtheit ferner liegenden Einzelheiten, in jenen Linien und Wellen, die nicht Teil haben an dem allgemeinen Zusammenfließen und Sichsteigern, dessen Summe als abgründiges Leid diesem Antlitz aufgeslempelt ist, in den ein wenig harten Linien des Slirnprofiles. in der Nackenlinie und in den Haaren. Die Wiedergabe des Körperlichen in erschöpfender Ganzheil gelingt Arrigo Minerbi in weit harmonischercr Weise im Basrelief, bei welchem in gewissem Sinn der Stoff Nebensache wird, so daß seine Schöpfung laisächlich als das erscheint, was sie in Wirklichkeit ist und sein soll, als eine Vision a.llerfeinster Reliefplastik im Spiel von Licht und Schallen. Das Basrelief besitzt, die Eigenschaft, die Skulptur in reine Illusion zu verwandeln, es verleiht dem Körperlichen in solchem Maße eine immaterielle Leichtigkeit, daß häufig die einfache Emrißzeichnung imstande ist. denselben Eindruck, nur noch vollkommener und zuverlässiger, hervorzurufen wie das Basrelief selbst. Bisweilen mag ein t'bermal.l an gewolltem Detail die Kraft seiner Darsleilung vermindert haben. Seine Slilform kann als die gestrige erscheinen, aber sein Wille, die. eigene Ausdrucksforni zu finden, worin sein Ifaupivorzug liegt, bemüht sieh um die Befreiung der Skulptur von veraltetem Formzwang. In diesem Sinn läl.>1 sich Minerbis Kunst als eine junge, als eine Kunst der Erneuerung bezeichnen, mehr als er selbst möchte und glauben würde. Sein Selbstbildnis ist aus einer durchsichtigen Vielheit, aus dem Spiel von Licht und Schalte]), von Relief und Bewegung her- Aorgcwaehsen und so erscheint die Vielfalt des Ausdruckes in eine Form gebunden als Summe der von ihm geschaffenen Kunstart, liier liegt der Samen, der von seinem Lebenswerk bleibt und sich späteren Schaffenden zur Weiterbildung darbietet. Guido Lodovico Luzzatto.