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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
An der Schwelle einer neuen Zeit
Date
1931-09-01
Page
Seite 424 (sequence 6)
Language
German
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424 MENORAH wenn Rußland aus dem Kriege als Sieger hervorginge, wie konnte man aber andererseits für die mörderische Niederlage eines so nahen Verwandten zu Gott beten? Der Schrei des Bluts übertönte die Stimmen des Eigennutzes. Längere Zeit hindurch war der Nationalheld Rußlands der junge General Skobelew, der Sieger von Plewna, der bedeutendsten türkischen Festung, die der fähigste türkische Feldherr — Osman Pascha verteidigte. Die Zeitungen waren voll von Skobelew und seinen Heldentaten: selbst der Todesengel zitterte vor ihm und mußte vor ihm zurückweichen. Es wurde berichtet, wie Skobelew hoch zu Roß das Heer selbst anführte. Die feindlichen Schützen nahmen ihn aufs Korn und schössen von allen Seiten nach ihm. Eine Kugel durchbohrte seine Mütze; eine andere tötete das Pferd unter ihm. Er sprang rasch auf ein zweites Pferd und führte das Heer mit bloßem Kopf an. Ein Hagel von Kugeln umsauste ihn, aber nicht eine konnte Skobelew erreichen. Die Massen Rußlands erkannten in ihm den Helden ihrer Volkslegenden und beugten nach echt russischer Art in frommer Ekstase das Knie vor ihm. Am Morgen und am Abend drängten sich dichte Menschenmassen um das Haus des Bezirkskommissars und auf dem offenen Marktplatz. Juden und Nichtjuden erörterten dann leidenschaftlich die Frontneuigkeiten. Bei mehreren Gelegenheiten hielten die Priester Extragottesdienste ab und ließen dann Lobgesänge für die russischen Siege anstimmen. In solchen Fällen versammelten sich die Juden in der Synagoge, um gleichfalls ihre Dankgebete zu sprechen. Der Raw der Stadt kümmerte sich nicht um die Kriegsereignisse, die Juden reagierten aber so aus eigenem Antriebe. Sobald die Priester ihre Gemeinden in die Kirche riefen, kamen die Juden in der Synagoge zusammen. Das Motiv der Furcht spielte hierbei keine Rolle, denn zu jener Zeit existierte noch keine Furcht vor den Nichtjuden, und keinem ftel es ein, daß man sich bei seinen Nachbarn einschmeicheln sollte. Zwischen den Juden und Nichtjuden bestanden normale, durchaus freundliche Beziehungen. Es wurde als selbstverständlich betrachtet, daß wenn die Nichtjuden in die Kirche gingen, um für ihren Kaiser zu beten, die Juden sich zum selben Zweck nach der Synagoge begeben mußten. War nicht Alexander der gemeinsame Kaiser der Juden und Nichtjuden? Und welch ein Kaiser! Einer, der vor den Gefahren des Krieges nicht zurückbebte, sondern an die Front eilte und sein eigenes Leben aufs Spiel setzte. In der Synagoge verloren die ,,Türken'4 nach und nach an Boden

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