Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Sederabend [Illustration]
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 418 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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418 MENORAH Eva Samuel f Sederabend Holzschnitt Bilder aus dem religiösen Lehen der Juden Während religiöse Darstellungen in allen Jahrhunderten 'die Malerei außerordentlich stark beherrschten, beginnt eine jüdische Kunst eben erst aufzublühen. Neben anderen Ursachen ist auch dies ein Grund: im christlichen Kultus ist der hervorstechende Zug Ruhe und Bild, während der Charakter des jüdischen Kultus Bewegung und Musik ist. Der jüdische Gottesdienst ist niemals eingestellt auf bildhafte Wirkung, sondern das Auge empfängt von ihm Rhythmus und Bewegung der Massen. Bewegung (der religiöse Tanz) spricht wie Musik das religiöse Empfinden am reinsten aus. Seele, Gefühl tritt hier in materielle Erscheinung. Die bildliche Darstellung dieses Elements stellt allerdings an die Maierei große Forderungen. Doch hat die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hier neue Möglichkeiten geschaffen. Die Malerei hat vom Expressionismus eine Gelöstheit zurückbehalten, die zum Rhythmus werden kann und bisher ausgeschlossene Gebiete in das Bereich der Darstellung zieht. Vor mir liegt ein solches Werk, eine Mappe mit sechs Linoleumhandidrucken von Eva Samuel: „Hitlahabut", Bilder aus dem religiösen Leben der Juden. Die meisten dieser Bilder sind entstanden für die Marburger religionskundliche Sammlung, die von Professor Rudolf Otto und Professor Heinrich Frick zusammengestellt wird. Diese Sammlung zeigt neben den Kuli gegenständen in jeder AhteiLung auch Bilder, die den Geist des Kultus vermitteln, die hineinführen sollen in dies besondere Leben, das sich aus den loten Dingen nicht erkennen läßt. Eva Samuel wurden die Darstellungen für die jüdische Abteilung übertragen. Die junge Künstlerin hat eine besondere Begabung für den Rhythmus der Massen, den Ausdruck der Bewegung. Nicht Ruhe, nicht Schönheit ist der Gegenstand dieser Bilder, sondern Bewegung, Ergreifung. Wie der Titel sagt: Inbrunst. Je mehr man sich in sie vertieft, desto stärker sprechen sie und reißen mit sich fort. Jeder, der jüdisches Leben liebt und einen Blick für den Ausdruck der Bewegung bat, wird Freude an diesen Bildern haben. Else Schuhert-Christall er Eva Samuel / Thoravorlesung Holzschnitt