Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Jakob Wassermann: Etzel Andergast [Rezension]
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 382 (sequence 1)
- Language
- German
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382 MENORAH JAKOB WASSERMANN: ETZEL ANDER¬ GAST. S. Fischer Verlag, Berlin. Der junge Etzel, nicht mehr Kämpfer gegen das Unrecht der Justiz, in diesem Romane Vertreter der heu Ilgen Jugend mit all ihrer Unerbittlichkeil, Not und Ratlosigkeit, umhergelrieben durch alte Gruppen der radikalen Jugend, durch Femebünde, Jünger politischer Apostel und umstürzlerischcr Propheten, findet in dem großen Seelenarzte Kcrkhoven, der mit eigentümlicher Kraft begabt, seine seelenheilende Fähigkeit zum Wohle der Menschheit erprobt, den Führer und Meisler, nach dem es ihn verlangt. Nach dein Kampfe um sittliche Forderungen tritt nun die Frau in das Leben des jungen Mannes, das Problem des Frauenraubes, da Leidenschaft, die zwischen Etzel und dem Weibe Kerkhovens erwacht, alle Schranken der Moral zu zerbrechen droht. Verzweiflung läßt den Jüngling Zuflucht bei der im Grolle verlassenen Mutter suchen. In der grandiosen Schilderung der Geistesverfassung unserer Zeit fehlt auch nicht das Dokument dies Judenhasses, des „Hasses um zu hassen", der jüdischen Selbsterniedrigung, der Aussichtslosigkeit einer demütigenden Situation und dennoch unzerreißbaren Verbundenheit mit der Jahrtausende währenden jüdischen Schicksalsgemcinsehaft. H—n. LISSAGARAY: DER PARISER KOMMUNE¬ AUFSTAND. Soziologische Verlagsansialt Berlin. Der Autor stand selbst als Kämpfer auf den Barrikaden d'er Kommune. Er schrieb ihre Geschichte nicht aus der Distanz, sondern als einer, den die Ereignisse umwandeln und der Schärfe in den Einzelheiten sieht. Die Pariser Kommune ist der frühe Vorläufer des unsere Zeit bedrängenden Gespemstes der sozialen Revolution. Es ist daher wert, die Erinnerung an idie vergangenen Schatten heraufzubeschwören, um aus den Wurzeln der Bewegung den jetzigen Zustand verstehen zu lernen. Der Anhang enthält einige Briefe von Karl und Jenny Marx, die zum Teil hier zum erstenmal veröffentlicht werden. —vt ERICH MARIA REMARQUE: DER WEG ZU¬ RÜCK. Propyläen-Verlag, Berlin. In seiner klaren und einfachen Form hat Remarque wieder das ausgedrückt, was die Millionen fühlten, empfanden, als sie den Schrecknissen der Front entronnen in das ungewohnte Stacheldraht- und Grabengewirr des häuslichen Lebens, des Kampfes mit Schule und Behörde zurückkehrten. Die emotionelle und leicht .sentimentale Schilderung der den Krieg überdauernden Kameradschall, ihrer Lockerung und Auflösung in der Anarchie der Revolution wird auch diesem Werk den Erfolg sichern, den die erschütterndste Darstellung des Krieges errungen hat. —IL KONRAD SEIFFERT: VORMARSCH IM OSTEN. Fackelreiter Verlag, Hamburg. Der Vormarsch des Jahres 1915 bringt die deutschen Heere in unmittelbare Berührung auch mit den jüdischen Flüchtlingen die von Russen verschleppt in der Hast des Rückzuges an d!er Heerstraße zurückgeilassen werden. Die zwingende Notwendigkeit des Krieges, dem auch der menschlichst fühlende Soldat unterworfen ist, das unsagbare Leid, Elend, Zerstörung aller sittlichen Bande und Hemmungen einer alten Kultur sollen die warnen, die ein glückliches Schicksal vor diesen Schrecken bewahrt hat und Verstehen und Mitgefühl erwecken für alle Opfer des Grauens. ARNOLD HÜLLRIEGEL: DIE DERWISCH TROMMEL. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag, Berlin. Der Autor hat auf einer Reise durch den Sudan von dem Sohne des Mahdi Mohammed Achmed, der den Engländern die große Niederlage bei Karlum bereitete und Statin Pascha lange Jahre gefangen hielt, bisher unbekannte Aufschlüsse über Leben und Tradition des Mahdi erhalten. Das phantastische Abenteuer dieser Existenz s.lehl. in einer Fülle von Episoden, die den Kampf des letzten Ausläufers arabischer Feudalherrschaft gegen das Eindringen der europäischen Zivilisation in den Sudan lebendig erstehen lassen. M—.r.